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20.12.2015

17:29 Uhr

„Matcha Latte“, „Detox“ oder „Hagebutte“?

It's teatime – wie Tee zum Lifestyle-Getränk wird

VonElena Brenk-Lücke

Im Winter schnellt der Tee-Absatz in die Höhe. Das liegt am Wetter, an guten Vorsätzen und guter Werbung. Bei allem Lifestyle haben die Hersteller aber die deutsche Vorliebe für „Hagebutte“ nicht verändern können.

Auch Kaffetrinker sollen öfter zum Tee greifen. Imago

„Matcha Latte“

Auch Kaffetrinker sollen öfter zum Tee greifen.

DüsseldorfDer Regen peitscht gegen das Fenster, draußen ist es kalt und dunkel. Richtig ungemütlich. Jetzt wäre etwas zum Aufwärmen genau das Richtige. Das denken sich wohl auch die meisten Deutschen. Gerade in der kalten Jahreszeit greifen sie verstärkt zu Tee. Das bestätigt das Handelspanel des Marktforschungsunternehmens Nielsen für den Lebensmitteleinzelhandel und die Drogeriemärkte zwischen Oktober 2014 und September 2015.

Demzufolge steigt der Absatz von Tee ab Anfang Oktober rasant – mit Blick auf die letzten zwei Jahre um rund 54 Prozent. Seinen Höhepunkt findet der Teeverkauf jedoch im Januar: Die deutschen Verbraucher kauften alleine im Januar 2015 durchschnittlich rund 53,2 Millionen Packungen.

Der Deutschen liebster Tee 2013

Mayfair

Im Jahr 2013 tranken 1,6 Prozent der Deutschen den Tee von Mayfair. Im Vorjahr waren es noch 0,1 Prozent mehr gewesen.

Twinings

Die britische Teesorte Twinings schaffte es in 2,9 Prozent aller deutschen Teetassen. Im Vorjahr waren es 2,8 Prozent gewesen.

Windsor Castle

Für die Marke Windsor Castle entschieden sich 2013 4,1 Prozent der deutschen Teetrinker – genauso viele wie im Vorjahr.

Bünting

Bünting Tee, bekannt für seinen Ostfriesentee, kam in 4,2 Prozent der deutschen Haushalte vor. 2012 waren es noch 4,4 Prozent gewesen.

Goldmännchen

Der Goldmännchen-Tee schafft es auf einen Anteil von 5,3 Prozent, 0,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Milford

Rund 15 Prozent der Deutschen trinken Milford-Tee. Damit kann die Sorte, die zur Ostfriesischen Tee Gesellschaft gehört, einen deutlichen Zuwachs zu 2012 verzeichnen: Damals wurde sie nur von 14,2 Prozent der Konsumenten erwähnt.

Meßmer

Rund jeder fünfte deutsche Konsument setzt auf Meßmer-Tee. Die Marke, ebenfalls zur Ostfriesische Tee Gesellschaft gehörig, brachte es 2013 auf 22,6 Prozent Marktanteil. Im Vorjahr waren es 22,8 Prozent gewesen.

Teekanne

Der beliebteste Tee in Deutschland kam 2013 von der Teekanne. Jeder vierte Konsument hierzulande (25,4 Prozent) griff zur dieser Marke. 2012 waren es nur 24,8 Prozent gewesen.

Andere Sorten

Nicht alle Teesorten wurden in den Studie abgefragt. 40 Prozent der deutschen Teetrinker verwenden die Beutel anderer als der genannten Marken, wenn sie ihr Heißgetränk aufschütten.

Ein Grund dafür: Laut Nielsen-Manager Michael Griess das Wetter in den kältesten Monaten des Jahres. Annemarie Leniger, Geschäftsführerin der Ostfriesischen Teegesellschaft (OTG), zu denen die Marken Meßmer oder Milford gehören, bestätigt diesen Trend, fügt aber noch ein entscheidendes Kriterium hinzu: „Der Januar ist ein sehr starker Monat für Kräutertees, weil die Menschen nach den Feiertagen oft mit guten Vorsätzen für die Ernährung ins neue Jahr starten.“ Deshalb gehörten auch so genannte Wohlfühltees wie „Meßmer Detox“ oder „Grüner Tee-Matcha“ zu den Top-Sellern im Januar.

Doch nicht nur im Winter: Generell erlebt das aromatische Heißgetränk bei den Deutschen Verbrauchern in den letzten Jahren eine Renaissance. Statistisch gesehen haben die Bundesbürger zwischen Oktober 2014 und September 2015 fast 27.000 Tonnen Tee aufgebrüht. Vor zehn Jahren waren es laut dem Deutschen Teeverband noch 700 Tonnen weniger. Damals war Tee alles andere als hip. Nichts zeigte das wohl so eindrücklich, wie der Werbespot für die Gebäckkugel Giotto. Angepriesen wurde sie als Gebäck zum Kaffee. Nur ein Ostfriese, Sinnbild des Deutschen Teetrinkers, wollte wissen, ob man die Kugel auch zum Tee genießen könne – mit den Worten: „Und was ist mit Tee?“

Doch das Image hat sich gewandelt. Längst sind dem Teeverband zufolge neben die klassischen Teetrinker junge, experimentierfreudige Verbraucher getreten. Der Trend zu einer gesünderen Lebensweise, aber auch die Geschmacksvielfalt und die vielen Spezialitäten machen Tee beliebter. So gibt es ihn als Mixgetränk, als Zutat in Lebensmitteln und Kosmetik. Tee-Tüftler schrecken auch vor der angestammten Kaffee-Domäne nicht zurück.

Fakten zum Tee und Teekonsum

Erzeugung

Weltweit werden 4,82 Millionen Tonnen Tee erzeugt.

Umsatz

In Deutschland wird mit Schwarzem Tee ein Umsatz von 115.608 Euro erzielt.

Instant Tee

Mit Instant Tee wird im deutschen Lebensmittelhandel ein Umsatz von 80.101 Euro erzielt.

Export

Insgesamt 27.125,7 Tonnen Tee werden aus Deutschland exportiert.

Import

Nach Deutschland importiert werden insgesamt 55.286,3 Tonnen Tee. Das wichtigste Herkunftsland nach Importvolumen ist China.

Quelle: Statista

Ganz im Gegenteil: Getränke wie „Assam Shot“ als Alternative zum Espresso oder „Matcha Latte“ als Variante des Latte Macchiato sollen passionierte Kaffeetrinker zum Tee greifen lassen. 2012 sprang auch die einst reine Kaffeekette Starbucks auf den Trend auf und bietet inzwischen Tees an vom klassischen Earl Grey bis hin zum trendigen „Iced Shaked Green Tea“ für die heißen Tage.

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