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21.03.2014

10:15 Uhr

Max-Bahr-Märkte

Roter Frühling statt 20 Prozent auf alles

VonPatrick Schwarz

Nach der Insolvenz von Praktiker stürzten sich die Mitbewerber auf die Pleitefilialen. Konkurrent Bauhaus übernimmt einen großen Teil der Max-Bahr-Märkte. Wie die Umflaggung der Märkte vorangeht.

Umflaggung in Hamburg: Aus Max Bahr wird Bauhaus. Johannes Arlt für Handelsblatt

Umflaggung in Hamburg: Aus Max Bahr wird Bauhaus.

HamburgLangsam bewegt der Latzhosenträger den Fön über die blau-gelbe Fläche, zieht diese dann mit Zeigefinger und Daumen von der Baumarkt-Fassade ab und schabt an den Klebeflecken. Die Frühlingssonne brennt auf seine orangene Sicherheitsweste. Wer nicht zur Arbeit muss, gönnt sich ein Sonnenbad oder stürmt die Bauhäuser auf der Suche nach Blumenerde und Setzlingen. Doch an diesem Tag wird keine Kundenhorde den Handwerker stören. Er beseitigt weiter die letzten Hinweise auf die Max-Bahr-Filiale in Hamburg Bramfeld.

Rot ist die Farbe des Frühlings – zumindest in großen Teilen der Baumarkt-Branche. Nachdem Praktiker im Juli vergangenen Jahres Insolvenz anmeldete, ging auch bei der Tochtergesellschaft Max Bahr der Ausverkauf los. Zwei Rettungsversuche waren kurz vor Abschluss gescheitert. Konkurrent Bauhaus, dessen Filialen in den Gewerbegebieten durch ihren roten Anstrich auffallen, übernahm 24 der 78 blau-gelben Max-Bahr-Märkte und einzelne Praktiker-Läden für einen dreistelligen Millionenbetrag. Normalerweise eröffnet die Baumarktkette sechs neue Filialen pro Jahr im Durchschnitt.

Zwei Monate dauert die Umflaggung eines Baumarktes. In Hamburg werden gleich vier Immobilien von Bauhaus umgebaut und Ende April wieder eröffnet. Deshalb fährt an einem Montagmorgen Marcus Wegener mit seiner schwarzen Limousine auf den Parkplatz des Pleiteladens in Bramfeld. Der Geschäftsführer von Bauhaus Norddeutschland höchstpersönlich führt durch die neu erworbenen Filialen – ohne Schutzhelm, dafür in dunkelblauen Sakko mit goldenen Knöpfen.

Durch eine Nebentüre, vorbei an einem hüfthohen Schrank mit Metallschläuchen und Zangen, gelangt man in die riesige Halle, wo Max-Bahr-Mitarbeiter noch vor wenigen Wochen die letzten Waren verschleuderten. Der weiße, fast leergeräumte Boden erinnert eher an eine Eishalle als an einen Baumarkt – auch wenn die 12.300 Quadratmeter große Fläche fast siebenmal die eines Eishockeyfelds misst.

Etwa ein Dutzend Handwerker sind mit der Reparatur von Lampen beschäftigt und fegen einsame Schrauben vom Boden. Ein Arbeiter lässt von der Teppichschneidemaschine ein verstaubtes Schild mit der Aufschrift „8,99 Euro pro Quadratmeter“ in einem Müllsack verschwinden. An den insolventen Vorbesitzer erinnern nur noch die gelben Deckenbalken und Werbeplakate über dem ehemaligen Kassenbereich. Wegener erkundigt sich nach dem Stand der Umbauarbeiten, „alles im grünen Bereich“, antwortet ein Arbeiter.

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