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19.08.2016

13:37 Uhr

McDonald's, Coca Cola, Starbucks

US-Nationalparks öffnen sich aus Geldnot für Konzerne

Die Nationalparks sind der Deutschen liebstes Amerika. Doch der Unterhalt verschlingt Geld, der Staat gibt sich knauserig. Daher öffnen sich die Parks für Konzerne. Heißt es bald „Yellowstone, sponsored by McDonald's“?

New YorkYellowstone, Yosemite, Grand Canyon, Smoky Mountains, Everglades und die Vulkane auf Hawai– auf kaum etwas sind die Amerikaner so stolz wie auf ihre Nationalparks. Hunderte Millionen Besucher erfreuen sich an den Sehenswürdigkeiten. Die Parks seien „die beste Idee, die wir je hatten“, schrieb einst Umweltaktivist Wallace Stegner: „Durch und durch amerikanisch, durch und durch demokratisch, zeigen sie unsere besten, nicht unsere schlechtesten Seiten.“ Sie sind ein Stück Amerika, auf das sich alle einigen können, egal welche Hautfarbe, Religion oder Herkunft.

Mehr als 400 Einrichtungen verwaltet der Park. Die Ranger mit den breiten Hüten betreuen die Freiheitsstatue vor New York, die Präsidentenköpfe von Mount Rushmore oder die Independence Hall, in der 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Doch das Herzstück sind die 59 Nationalparks, von den Sümpfen Floridas bis zu den Eiswüsten Alaskas, von den Vulkanen Hawaiis bis zu den Küsten Maines. Viele von ihnen sind auch Unesco-Weltnaturerbe.

Doch die Instandhaltung der Naturattraktionen verschlingt Milliarden Dollar an Steuergeld und trotzdem sind viele von ihnen dringend renovierungs- und reparaturbedürftig. Zum 100. Jubiläum des National Park Service (NPS) wird kontrovers debattiert, wie der Finanzbedarf gedeckt werden kann.

Die Nationalparks der USA

Hintergrund

Die Nationalparks der USA sind die vielleicht größte Touristenattraktion der Welt mit mehr als 300 Millionen Besuchern im Jahr. Jetzt wird der US National Park Service 100 Jahre alt.

Wie alt sind die Nationalparks?

Der älteste Nationalpark der USA – und der Welt – ist der Yellowstone-Nationalpark in Wyoming im Westen der USA. Er wurde schon im März 1872 unter Schutz gestellt. Der National Park Service selbst wurde am 25. August 1916 von Präsident Woodrow Wilson gebildet.

Wie viele Parks gehören zum Park Service?

Der NPS verwaltet heute 409 Einrichtungen. Die kleinsten sind historische Orte, etwa das Theater, in dem 1865 Abraham Lincoln erschossen wurde oder die Freiheitsstatue vor New York. In NPS-Museen liegen 167 Millionen Artefakte – vom Strick, mit denen die Mörder Lincolns gehängt wurden, bis hin zum Mantel, in dem George Washington vereidigt wurde. 25 Schlachtfelder vor allem aus dem Unabhängigkeits- und dem Bürgerkrieg, zehn Küstenabschnitte und 19 spezielle Schutzgebiete kommen dazu. Insgesamt umfassen die Gebiete 340.000 Quadratkilometer – Deutschland ist nur wenig größer.

Wie viele Naturparks gibt es?

Das Herz des Systems sind die 59 Nationalparks. Der größte, Wrangell-St.-Elias-Nationalpark in Alaska, ist 53.000 Quadratkilometer groß. 22 der 50 US-Bundesstaaten sind kleiner. Auch die Schweiz, die Niederlande oder Dänemark sind deutlich kleiner. In allen Parks zusammen gibt es mehr als 30.000 Kilometer Wanderwege.

Wie viele Angestellte und Besucher gibt es in den Parks?

Mehr als 20.000 Menschen sind beim Park Service angestellt, hinzu kommen fast eine viertel Million Freiwillige. Im Jahr 1920 hatten die Parks eine Million Besucher. 2015 waren es der Behörde zufolge 307 Millionen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl von Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland zusammen.

Die Betreiber sehen die Parks als Konjunkturmotor und hätten gerne mehr Mittel aus Washington. Doch der US-Staatshaushalt ist klamm. Deshalb will man neue Einnahmequellen auftun – und schielt auf die Privatwirtschaft. Das sorgt für viel Diskussionsstoff. „Yosemite, gesponsert von Starbucks?“, fragte die „Washington Post“ bereits provokativ. Die Befürchtung: Durch Partnerschaften mit privaten Geldgebern könnte das Naturerbe von Unternehmen vereinnahmt werden.

„Seit Jahren ist die Finanzierung ungenügend“, klagt Theresa Pierno, die Geschäftsführerin der National Parks Conservation Association (NPCA), die sich dem Schutz der Parks verschrieben hat. Trotz ihrer unschätzbar wichtigen Funktion, die Geschichte Amerikas zu bewahren und zu erzählen, seien die Parks gezwungen, aus wenigen Mitteln immer mehr zu machen. Pierno beziffert die aufgeschobenen Investitionen, die für Reparaturen nötig sind, auf fast zwölf Milliarden Dollar.

Die Nationalparks sind ein Mammut-Unterfangen, das machte NPS-Direktor Jonathan Jarvis bei den Budget-Verhandlungen im Juni deutlich: „Wir sind verantwortlich für die Verwaltung von mehr als 400 Parks (darunter 59 geschützte Nationalparks) mit mehr als 84 Morgen Land.“ Zum Vergleich: Zusammengenommen geht es um ein Gebiet von knapp 340.000 Quadratkilometern – größer als Italien – das Anlagen vom Acadia Nationalpark im Bundesstaat Maine an der US-Ostküste bis hin zu Sehenswürdigkeiten im US-Territorium Samoa im Südpazifik umfasst.

Von Eintrittsgeldern und Spenden allein können sich die Parks nicht finanzieren. Für das laufende Geschäftsjahr, das im Oktober 2015 begann, erhält der Service mit seinen 22.000 Mitarbeitern gut drei Milliarden Dollar aus dem Staatshaushalt. Darin sind wegen der Jubiläumsfeier – der National Park Service wird in der kommenden Woche 100 Jahre alt – schon deutliche Zuschüsse erhalten. Jarvis müht sich, die Summe ins Verhältnis zu setzen: „Das Jahresbudget ist geringer als das von Austin“, erklärte er den Politikern in Washington. Austin ist die an Einwohnern gemessen viertgrößte Stadt von Texas.

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