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24.10.2016

21:37 Uhr

McDonald's, Starbucks, Tchibo

Droht dem Einwegbecher das Aus?

Mit der eigenen Tasse zum Eck-Café? Schon lange fordern Umweltschützer, den Wegwerf-Wahnsinn bei Kaffeebechern zu stoppen. Auch wenn einige Ketten sich jetzt bewegen, ist das Müll-Problem damit noch nicht aus der Welt.

Nach Starbucks und Tchibo bietet jetzt auch McDonald's seinen Kunden an, ihren Kaffee in mitgebrachte Tassen oder eigene Mehrwegbecher füllen zu lassen. dpa

Einwegbecher ade?

Nach Starbucks und Tchibo bietet jetzt auch McDonald's seinen Kunden an, ihren Kaffee in mitgebrachte Tassen oder eigene Mehrwegbecher füllen zu lassen.

München/Oak BrookDer schnelle Kaffee zum Mitnehmen macht der Umwelt schwer zu schaffen. Hunderttausende von Einwegbechern mit Plastikdeckeln und sonstigem Zubehör landen täglich deutschlandweit nach kurzem Gebrauch im Müll. Das ruft Umweltschützer und Politik auf den Plan.

Nach den Kaffee-Ketten Starbucks und Tchibo bietet jetzt auch McDonald's seinen Kunden an, ihren Kaffee in mitgebrachte Tassen oder eigene Mehrwegbecher füllen zu lassen. Dafür erhalten sie einen Rabatt von 10 Cent. Doch wie viel Müll lässt sich dadurch tatsächlich vermeiden? Und ist das nur Image-Kosmetik für den Fastfood-Riesen?

Der steht wegen seiner Einweg-Verpackungen immer wieder in der Kritik - und muss sich derzeit nicht nur im umkämpften Heimatmarkt USA, sondern auch in Deutschland ganz schön strecken. Neuere Burgerbräter und Gastroketten wie Hans im Glück und Vapiano, aber auch Bäckereien, Tankstellen und Foodtrucks wetteifern um die hungrige Kundschaft.

Fakten und Kurioses zum Kaffee

Weltmeister im Kaffeekonsum

Spitzenreiter im Kaffeeverbrauch pro Kopf sind die Finnen mit 12,2 Kilogramm im Jahr 2015. Viele Arbeitnehmer genießen dort zweimal am Tag die 15-minütige „kahvipaussi“. Deutschland liegt nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes auf Platz 6 (7,2 Kilo).

Kaffee im All

Italien gilt als Heimatland des Espresso. Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti durfte vor einem Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS den ersten Espresso aus einer Maschine ausschenken. Ihr Urteil: Das kosmische Gebräu könnte in puncto Stärke und Aroma mit jeder Bar in ihrem Heimatland mithalten.

Kaffee aus dem Elefanten

Aus Thailand stammt die Idee, Kaffee zu kredenzen, dessen Bohnen durch einen Dickhäuter gewandert sind. Das Aroma wird als fruchtig-schokoladig beschrieben.

Kaffee aus der Katze

Kaffee aus dem Kot indonesischer Schleichkatzen ist schon etwas länger auf dem Markt. Die Tiere fressen Kaffeekirschen, also die Früchte der Pflanzen samt Samen (Kaffeebohnen). Im Magen erhalten die Bohnen – wie bei den Elefanten – durch Enzyme ihr Aroma.

50 Tassen Kaffee pro Tag

Der französische Autor Honoré de Balzac (1799-1850) soll pro Tag bis zu 50 Tassen getrunken haben. Sein früher Tod wird auch auf diesen extremen Kaffeekonsum zurückgeführt.

60 Bohnen für Beethoven

Auch Ludwig van Beethoven schwor auf Kaffee. Exakt 60 Bohnen mussten für den Komponisten mit heißem Wasser überbrüht werden, so heißt es. Eine Art Liebeserklärung an das Getränk lieferte Johann Sebastian Bach mit seiner „Kaffeekantate“.

Um mehr Gäste anzulocken, steckt McDonald's viel Geld in den Umbau seiner deutschen Restaurants und wirbt um das Vertrauen der Kunden, zum Beispiel mit einem digitalen „Zutaten-Check“ und eben auch mit der Kaffeebecher-Aktion. Man sei sich der Einwegbecher-Problematik schon länger bewusst und habe daher in den vergangenen Monaten auch im Dialog mit der Politik nach Lösungen gesucht, heißt es.

Ganz neu ist die Idee derweil nicht. Den privaten Becher befüllt seit einiger Zeit auch Tchibo - allerdings ohne Preisnachlass. „Wir liegen ohnehin preislich deutlich niedriger als viele Wettbewerber“, sagt Stefan Dierks von Tchibo. Die To-go-Welle sieht der Nachhaltigkeitsmanager durchaus zwiespältig: „Wir würden den Kaffee natürlich am liebsten ausschließlich in Porzellantassen ausschenken.“

Es sei aber nun einmal ein gesellschaftlicher Trend, dass viele Kunden nicht in der Filiale bleiben, sondern sich zeitsparend den Kaffee für unterwegs kaufen wollen. Diesen Wunsch müsse man bedienen. Wie viele der Gäste tatsächlich mit eigenem Becher zum Ausschank kommen, hänge auch von der Lage der einzelnen Filiale ab - am häufigsten werde der Service in Großstädten in Anspruch genommen.

Bisher mussten die Kaffeetrinker dafür bei Tchibo - ähnlich wie bei der US-Kette Starbucks - ausdrücklich nachfragen. Mit einem Mehrwegbecher zum Kaufen will Tchibo die Kunden aber bald gezielter ansprechen.

Auch Julia Post aus München glaubt, dass man das Thema sichtbarer machen muss, wenn ein Kulturwandel gelingen soll. Vor eineinhalb Jahren hat die Studentin der Politikwissenschaft, die seit kurzem auch Mitglied im Münchner Stadtvorstand der Grünen ist, das Projekt „Coffee to go again“ gestartet.

Das Prinzip ist ähnlich wie künftig bei McDonald's: Bei Cafés und Bäckereien, die einen Aufkleber der Initiative an ihrer Tür haben, sind Kunden mit mitgebrachten Mehrwegbechern oder -tassen willkommen.

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