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17.01.2005

08:56 Uhr

Meckenheimer Gastronomielieferant steht vor dem Aus

Sterneköche fürchten Engpass durch Ausfall von Rungis Express

VonAndreas Bohne und Christoph Schlautmann (Handelsblatt)

Bei dem angeschlagenen Edelgastronomie-Lieferanten Rungis Express könnte es nach Ansicht der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zur Insolvenzverschleppung kommen. „Nach Berechnungen unserer Juristen musste das Meckenheimer Unternehmen bis spätestens Freitag einen Insolvenzantrag einreichen“, sagte Verdi-Handelsexperte Achim Steffen.

HB DÜSSELDORF. Beim zuständigen Bonner Insolvenzgericht lag ein solcher Antrag bis zum Freitagnachmittag aber nicht vor. Die Bitte des Handelsblatts um eine Stellungnahme beantwortete der geschäftsführende Gesellschafter von Rungis, George W. Kastner, nicht.

Am Mittwoch hatte Rungis Express seine Kunden darüber informiert, dass man wegen eines Finanzengpasses bis auf weiteres keine Ware mehr ausfahren werde. Einige Lieferanten von Runigs sollen daraufhin Restbestände ihrer Lieferungen aus dem Meckenheimer Lager abtransportiert haben, berichten Beobachter. Am Donnerstag zuvor hatte die Dresdner Bank dem Lieferanten prominenter Sterne-Köche den Kredit gekündigt.

Damit gerät eines der Traditionsunternehmen der Branche an den Rand des Ruins. Den Startschuss zum Pendelverkehr der Kühltransporter zwischen Frankreich und Deutschland hatte einst Karl-Heinz Wolf gegeben. Der Koch hatte nach seiner Rückkehr von Lehrjahren in Frankreich Anfang der siebziger Jahre das Bonner Sternerestaurant Chez Loup aufgemacht. Schon bald erwies sich die Beschaffung der Zutaten für die Haute Cuisine als beschwerlich.

Zunächst bat er Freunde in Frankreich um Lebensmittelpakete. Dann holte er frische Meeresfrüchte und Fische selbst im klapprigen BMW aus den neuen Markthallen im Pariser Vorort Rungis – und hatte die Geschäftsidee: Im Juni 1978 gründete Wolf die Rungis Express GmbH.

„George Kastner hat bei mir als Verkäufer angefangen“, erinnert sich Wolf. Doch bald habe er dem Hotelfachmann das operative Geschäft überlassen. 1979 wurde Kastner Mitgesellschafter. Bis 1986 verkaufte Wolf seine Anteile an ihn und die Kaufhof-Gruppe. Deren Anteil von 60 Prozent reichte Metro-Chef Wolfgang Urban 1997 an Fonds der Citigroup Venture Capital (CVC) weiter. Unbestätigten Meldungen zufolge soll zuletzt auch JP Morgan Chase bei Rungis eingestiegen sein.

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