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26.06.2012

19:48 Uhr

Media Markt

Angeklagter räumt Korruption ein

Im Korruptionsprozess gegen frühere Manager von Media Markt hat ein Angeklagter den Empfang von Schmiergeld eingeräumt. Insgesamt kommt der Prozess wegen zahlreicher Anträge der Verteidigung nur schleppend in Gang.

Eine Filiale der Elektrokette Media Markt. dapd

Eine Filiale der Elektrokette Media Markt.

AugsburgIm Korruptionsprozess gegen ehemalige Top-Manager der Elektrohandelskette Media Markt hat einer der Angeklagten den Empfang von Schmiergeld eingeräumt. Bereits 2003 habe er von einem Vertriebspartner Geld bekommen, damit dessen Unternehmen weiterhin in den Märkten gegen Provision Sony-Computer verkaufen könne, räumte der einstige Süddeutschland-Chef am Dienstag vor dem Landgericht Augsburg ein. Er habe den Besitzer der Vertriebsagentur Jahre zuvor im Urlaub kennengelernt und bei der Metro-Tochter ins Geschäft gebracht.

Als sich Sony von der gemeinsam mit Media Markt beauftragten Agentur trennen wollte, habe er sich für den Verbleib seines Bekannten stark gemacht. Um die Rückendeckung von Deutschlandchef Michael Rook zu bekommen, habe der allerdings Geld verlangt. „Damals gab es das gleiche Modell, dass man sich das geteilt hat“, sagte der frühere Manager. Rook streitet die Vorwürfe ab, will allerdings zunächst vor Gericht schweigen. Der Regionalmanager will am Mittwoch zu weiteren Vorwürfen aussagen.

Nach den Angaben des einstigen Süddeutschland-Chefs hat die Korruptionspraxis somit schon früher begonnen als bislang bekannt. Rook und fünf weitere Angeklagte müssen sich in Augsburg eigentlich wegen Bestechung durch den gleichen Vertriebspartner für einen späteren Auftrag zum Verkauf von DSL-Verträgen seit 2005 verantworten. Der Prozess kommt wegen zahlreicher Anträge der Verteidiger nur schleppend in Gang.

Rooks Anwälte forderten das Verfahren auszusetzen, da sie nicht ausreichend Einsicht in die Prozessakten bekommen hätten. Insbesondere hätten sie bislang kaum die 79.000 mitgeschnittenen Telefongespräche und 14 Millionen E-Mails und Dateien nicht eingehend prüfen können. Rook sitzt wie die meisten seiner Mitangeklagten seit vergangenen Herbst in Untersuchungshaft.

Bereits zum Prozessauftakt hatte das Gericht Befangenheitsanträge abgeschmettert. Die Anwälte stören sich an Gesprächen der Kammer im Vorfeld über mögliche Geständnisse der Angeklagten im Gegenzug gegen eine mildere Strafe, die allerdings ergebnislos verlaufen sind.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft legt Rook und dem Regionalmanager zur Last, sich von dem mitangeklagten Personal-Unternehmer mit insgesamt fünf Millionen Euro schmieren haben zu lassen. Im Gegenzug hätten die Angeklagten dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter des Unternehmers aus Wetzlar zwischen 2005 und 2011 bevorzugt für den Vertrieb von DSL-Angeboten bei Media Markt gebucht wurden, obwohl es günstigere Angebote gegeben habe.

Dadurch sei der Wettbewerb ausgehebelt und Konkurrenten geschädigt worden. Rook und der Regionalmanager sollen sich das Geld geteilt haben. Den Betroffenen drohen bis zu fünf Jahre Haft wegen gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit.

Media Markt will nach einem Urteil prüfen Schadenersatzansprüche prüfen. Der Fall war nach einem anonymen Tipp und darauffolgenden internen Prüfungen aufgeflogen. Der Konzern schaltete die Staatsanwaltschaft ein.

Von

rtr

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