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26.08.2015

08:18 Uhr

Media-Saturn fördert Start-ups

„Immer an den eigenen Weg glauben“

VonFlorian Kolf

Media-Saturn-Manager Martin Sinner will Start-ups mit Kapital und Expertenrat in die Erfolgsspur bringen. Im Interview erklärt er, wie sein Unternehmen davon profitiert und was einen erfolgreichen Gründer ausmacht.

Der Manager verantwortet das Internet-Geschäft der Media-Saturn-Holding. Thomas Einberger für Handelsblatt

Martin Sinner

Der Manager verantwortet das Internet-Geschäft der Media-Saturn-Holding.

DüsseldorfEr ist ein Vorbild für viele junge Unternehmer: Vor 15 Jahren gründete Martin Sinner das Preisvergleichsportal Idealo und verkaufte es für einen Millionenbetrag an den Konzern Axel Springer. Später war er Mitglied der berühmten Silicon-Valley-WG von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, die neue unternehmerische Ideen in Kalifornien aufspüren sollte. Heute verantwortet der beim Elektronikhändler Media-Saturn das Geschäft mit dem Onlinehandel und will nun selber Start-ups fördern. Das Unternehmen hat den Inkubator Spacelab“ gegründet, der junge Unternehmen aus dem Bereich Konsumelektronik mit Kapital und intensiver Beratung unterstützen soll.

Hilft Ihnen Ihre Erfahrung als Gründer zu beurteilen, welche Erfolgschancen neue Start-ups haben?
Dadurch, dass ich selbst gegründet habe, kenne ich die Bandbreite von Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Das ist nicht nur die Idee, sondern reicht von der IT-Infrastruktur bis zum richtigen Auftritt gegenüber Investoren. Im "Spacelab" ermöglichen wir deshalb den Gründern jeden einzelnen dieser Aspekte gemeinsam mit Experten nachzuschärfen. Insofern hilft mir meine Erfahrung natürlich.

Media-Saturn als  Inkubator : Ein Spacelab für den Gründergeist

Media-Saturn als Inkubator

Premium Ein Spacelab für den Gründergeist

Der Elektronikhändler Media-Saturn will Start-ups mit Kapital und Expertenrat fördern. Pro Jahr werden zehn Unternehmen in das Programm aufgenommen. Auch zahlreiche andere Konzerne haben schon eigene Modelle.

Was muss aus Ihrer Sicht ein Start-up mitbringen um sich am Markt durchzusetzen?
Zu allererst mal ein gutes Team, in dem sich die Fähigkeiten gut ergänzen. Start-ups brauchen zudem eine besondere Mischung aus Beharrlichkeit und Offenheit: Auf der einen Seite muss man an vielen Stellen gegen Widerstände kämpfen und auch bei Widerspruch an den eigenen Weg glauben. Auf der anderen Seite muss man gute Impulse aufnehmen können. Schließlich kann man nicht alles selbst am besten können.

Was ist wichtiger für Start-ups: die finanzielle Beteiligung oder das Coaching?
An dem Punkt, an dem wir investieren – wenn es bereits ein Produkt gibt, aber das Unternehmen noch nicht in die Breite vorgestoßen ist – braucht man beides. Die Frage müsste aber aus unserer Sicht lauten: Wo kann Media-Saturn Start-ups am meisten helfen. Und da muss ich sagen, dass das Coaching deutlich wichtiger ist. Denn niemand in Europa hat so umfassende Erfahrung im Consumer Electronics Retail wie wir. Gemeinsam mit unseren Partnern und Mentoren ermöglichen wir deshalb eine Informationsdichte, die den Start-ups wirklich hilft, die nächste Entwicklungsstufe für ihr Unternehmen zu zünden, von der Vernetzung ganz abgesehen.

Was verspricht sich die Media-Saturn Holding für ihr eigenes Geschäft davon?
Ziel der Media-Saturn-Holding ist es, sich durch das Programm weiteren strukturierten Zugang zu Investitionsoptionen, Innovationen, Talenten und Entrepreneurship zu verschaffen.

Der Einzelhandel in Zahlen

Unternehmen

Bundesweit gibt es etwa 300.000 Einzelhandelsunternehmen mit knapp 3 Millionen Beschäftigten.

Kunden

Etwa 50 Millionen Kundenkontakte täglich.

Umsatz

459,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr – ohne Kfz, Tankstellen, Brennstoffe und Apotheken.

Umsatz Online-Handel

39 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, 2005 waren es 13,8 Milliarden Euro.

Umsatz Bio-Lebensmittel

7,55 Milliarden Euro 2013, zehn Jahre zuvor 3,1 Milliarden Euro.

Quelle: dpa

Gibt es ein festgelegtes Investitionsbudget für „Spacelab“?
Das „Spacelab“ wird in jedes Start-up 30.000 Euro Kapital und noch zusätzlich einen wesentlich höheren Betrag in Sachleistungen investieren, zu der neben dem Büro vor allem die zahlreichen Dienst- und Beratungsleistungen von Marktforschung bis zum Pitch-Präsentationstraining zählen. Es werden voraussichtlich fünf Start-ups pro Runde ausgewählt. Pro Jahr soll es zwei Runden geben.

Ist es eher geplant, erfolgreiche Start-ups später zu übernehmen oder ist es das primäre Ziel, sie an die Börse zu bringen oder die Anteile gewinnbringend zu verkaufen?
Unser Ziel ist es Start-ups zu finden, die zu uns passen, entweder in unserer Wertschöpfungskette oder zum Produktsortiment. Das Ergebnis können zum Beispiel neue Produkte in den Regalen sein, Apps, die unsere Kunden spannend finden, sowie Services oder Optimierungen für unsere Logistikprozesse. Daran, diese jungen Unternehmen an die Börse zu bringen, denken wir noch nicht. Wenn das Team und die Ideen zu uns passen, möchten wir sie an uns binden und gegebenenfalls irgendwann auch übernehmen.

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