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17.02.2016

15:23 Uhr

Media Saturn

Mit dem Spacelab ins Start-up-Universum

Vier Start-ups, eine alte Fabriketage: Media Saturn fördert in München seit einigen Wochen junge Dienstleister. Das ist für Europas größten Elektronikhändler mindestens so wichtig wie für die Firmengründer.

Spacelab-Gründer Martin Sinner (im blauen Hemd) inmitten von Firmengründern. PR

Im Spacelab

Spacelab-Gründer Martin Sinner (im blauen Hemd) inmitten von Firmengründern.

MünchenDie europäische Raumfahrtbehörde ESA hat ihr Spacelab vor fast 20 Jahren eingemottet. Media Saturn lässt zumindest den Namen jetzt wiederauferstehen – nicht in Cape Canaveral, sondern in der Münchener Lothstraße. In einem alten Fabrikgebäude hat die Elektronikkette das Gründerzentrum Spacelab eingerichtet und nimmt dort Start-ups unter ihre Fittiche. So will sich die Metro-Tochter selbst in eine neue Dimension katapultieren.

Zwei Münchener können dem Handelsriesen womöglich bei der schwierigen Reise helfen: Lutz Küderli und Stefan Gersmann. Sie sind die Gründer von Expertiger, eines von vier Start-ups, das jüngst für 20 Wochen ins Spacelab eingezogen ist. Das Geschäftsmodell ist einfach: Wer Schwierigkeiten mit seinem Rechner zuhause hat, der ruft bei Expertiger an und wird mit einem IT-Experten verbunden. Der greift dann per Fernwartung auf den Computer zu. Die Spezialisten sind freie Mitarbeiter, die je nach Zeit und Lust zur Verfügung stehen. Die ehemaligen Unternehmensberater Küderli und Gersmann haben dafür eine Internetplattform entwickelt, die Kunden und die sogenannten Freelancer zusammen bringt.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Eine gute Idee, doch wie erfahren die Verbraucher von dem Service? Da kommt Media Saturn ins Spiel. Für die zwei Jungunternehmer ist der Zugang zum Filialnetz von Media Saturn und den Online-Shops wie ein Sechser im Lotto. So leicht kommen Start-ups normalerweise nicht an so viele Kunden.

Doch der Handelsriese öffnet sich natürlich nicht ohne Hintergedanken. „Für uns ist das ein weiterer Baustein der Digitalisierungsstrategie und Teil des kulturellen Wandels“, erklärt Martin Sinner, der das Internet-Geschäft von Media Saturn verantwortet und das Spacelab ins Leben gerufen hat.

Streit im Start-up: Drum prüfe, wer zusammen gründet

Streit im Start-up

Drum prüfe, wer zusammen gründet

Ein Start-up ist wie eine Beziehung. Oft verbringen Gründer mehr Zeit miteinander als mit ihren Lebenspartnern. Doch wenn diese Beziehung scheitert, steht viel auf dem Spiel. Ein warnendes Beispiel.

Keine Frage, Media Saturn hat Nachholbedarf. Im ausgehenden 20. Jahrhundert waren die Filialen von Media Markt und Saturn der Sehnsuchtsort der deutschen Jugend. Die Heimstatt des Walkman zog die Käufer massenhaft an. Doch im neuen Jahrtausend war es bald vorbei mit dem Sturm auf die Läden. So wie die Ingolstädter 20 Jahre zuvor mit ihren Mega-Märkten den Handel aufgemischt hatten, so drängten jetzt aggressive Online-Händler wie Amazon und Ebay ins Geschäft.

Die Strategen in Ingolstadt versuchten jahrelang auf Gedeih und Verderb ihr Filialkonzept zu verteidigen. Die Angreifer aus dem Netz wollten aber einfach nicht wieder verschwinden. „Wir haben lange den Kopf in den Sand gesteckt und das Digitale als eine Bedrohung gesehen“, gibt sich Media-Saturn-Chef Pieter Haas selbstkritisch.

Mit Initiativen wie dem Spacelab versucht der Konzern inzwischen neue Geschäftsfelder zu erschließen und Trends schnell zu erkennen. „Wenn es gut läuft, dann stoßen wir früher auf interessante Firmen als die Konkurrenz“, meint Manager Sinner. Und nicht nur das: „Wir reduzieren das Risiko, unpassende Unternehmen zu kaufen.“

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