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11.07.2014

10:41 Uhr

Medienbericht

Bahn soll tödliche Unfälle in Kauf genommen haben

Mehrere Mitarbeiter von Fremdfirmen sollen in den vergangenen Jahren bei Arbeiten an Oberleitungen ums Leben gekommen sein. Offenbar verschärfte die Deutsche Bahn die Sicherheitsvorschriften nicht – aus Kostengründen.

Reparatur von Oberleitungen der Bahn: „Finanzielle Nachteile für unser Unternehmen zu erwarten“. ap

Reparatur von Oberleitungen der Bahn: „Finanzielle Nachteile für unser Unternehmen zu erwarten“.

DüsseldorfDie Deutsche Bahn soll jahrelang tödliche Unfälle ignoriert und ihre Sicherheitsvorschriften bei Arbeiten an Oberleitungen nicht verschärft haben. Das sei offenbar aus Kostengründen geschehen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Aus internen Mails und Dokumenten soll hervorgehen, dass Mitarbeiter wiederholt vor Gefahren gewarnt und strengere Regeln gefordert haben.

In den Jahren 2008 bis 2012 seien mindestens sieben Mitarbeiter von Fremdfirmen gestorben, die von der Bahn mit Arbeiten in Gleisnähe beauftragt wurden. Dabei ging es beispielsweise um das Fällen von Bäumen oder Reparaturen an Bahnhöfen.

In etlichen Fällen seien die Sicherheitsvorkehrungen offenbar mangelhaft gewesen, schreibt die Zeitung. Interne Vermerke legten nahe, dass auch Führungskräfte diese Einschätzung teilten. Über Jahre hätten Bahn-Mitarbeiter Sicherheitsprobleme etwa bei Mindestabständen zu Oberleitungen gemeldet, ohne das etwas geschehen sei.

Das sind die größten Bahn-Konkurrenten im Nahverkehr

Platz 9 – HZL und SWEG

Die Hohenzollerische Landesbahn (HZL) und die Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft (SWEG) haben identische Geschäftsführungen und werden daher gemeinsam betrachtet. Sie betreiben viele Verbindungen in Baden-Württemberg. Zusammen werden für die beiden Bahnen 7,3 Millionen Zugkilometer für 2014 prognostiziert.

Quelle für die Prognose: Mofair, Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (PDF)

Platz 8 – EB

Die Erfurter Bahn (EB) ist über die Stadt hinaus in Thüringen aktiv. Ende 2013 gab sie aber Strecken an die Bahn ab. 2014 soll sie auf 7,9 Millionen Zugkilometer kommen.

Platz 7 – Keolis

Keolis ist die internationale Tochter des französischen Bahnunternehmens SNCF. In Deutschland fährt sie unter dem Namen Eurobahn und bedient dabei Strecken ab dem westfälischen Hamm. 2014 werden für Keolis 12 Millionen Zugkilometer in Deutschland prognostiziert.

Platz 5 – AVG

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist das städtische Verkehrsunternehmen von Karlsruhe. Das Unternehmen betreibt aber auch Verbindungen über die Stadt hinaus. 2014 kommt die AVG laut Prognose auf 14,2 Millionen Zugkilometer.

Platz 5 – HLB

Mit 14,2 Millionen prognostizierten Zugkilometern 2014 ist die Hessische Landesbahn (HLB) gleichauf mit der AVG. Damit könnte die HLB ihre gefahrenen Kilometer steigern.

Platz 4 – Benex

Die Benex (Akronym für „better nexus“ - zu deutsch „bessere Verbindung“) ist ein Sonderfall auf dem deutschen Nahverkehrsmarkt. 51 Prozent des Unternehmens gehören der Hamburger Hochbahn, 49 Prozent einem englischen Infrastrukturfonds. Inklusive Beteiligungen soll die Verkehrsleistung 2014 bei 22,3 Millionen Zugkilometern liegen.

Platz 3 – Netinera

Netinera ist eine Tochter der italienischen Staatsbahn. Sie hat zuletzt unter anderem die Waldbahn in Ostbayern übernommen. Prognose für 2014: 24,6 Millionen Zugkilometer.

Platz 2 – Veolia

Das Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern ist der größte Konkurrent der Bahn im Nahverkehr. Veolia ist eine Tochter der französischen Transdev, dem nach eigenen Angaben größten privaten Eisenbahnbetreiber der Welt. Mit 34,5 Millionen Zugkilometern 2014 ist Veolia aber weit von der Deutschen Bahn entfernt.

Platz 1 – Deutsche Bahn

473 Millionen Zugkilometer werden für die Bahn in 2014 prognostiziert – an das Staatsunternehmen kommt kein privater Konkurrent ran.

Gegen eine entsprechende Arbeitsanweisung zum Schutz der Fremdarbeiter habe es Widerstand im Staatskonzern gegeben. In einer Mail werde davor gewarnt, dass „finanzielle Nachteile für unser Unternehmen zu erwarten“ seien, wenn die Mindestabstände über die gewohnten Schutzabstände hinausgingen.

Nach Informationen der SZ wurde die fertiggestellte Arbeitsanweisung nicht wie geplant in Kraft gesetzt. Stattdessen hieß es, man müsse sie „unbedingt“ einer „unternehmerischen Bewertung“ unterziehen. Erst nach dem Tod zweier Arbeiter im Juli 2012 sei die Anweisung veröffentlicht worden. Die Deutsche Bahn antwortete auf Fragen der „Süddeutschen Zeitung“ zu dem Sachverhalt nicht.

Von

td

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