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22.09.2013

12:24 Uhr

Medienbericht

Benko will in Karstadt-Häuser investieren

Der Investor René Benko will Millionen in die Hand nehmen, um Karstadt zu modernisieren. Die Mitarbeiter müssten „keine Angst um ihre Arbeitsplätze“ haben, verspricht er. Die Gewerkschaft Verdi stellt eigene Forderungen.

Der US-Investor Nicolas Berggruen trennt sich von der Mehrheit der Luxus- und Sport-Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Darunter ist auch das Berliner KadeWe. Der Karstadt-Vermieter Signa übernimmt je 75,1 Prozent Häuser. dpa

Der US-Investor Nicolas Berggruen trennt sich von der Mehrheit der Luxus- und Sport-Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Darunter ist auch das Berliner KadeWe. Der Karstadt-Vermieter Signa übernimmt je 75,1 Prozent Häuser.

Der österreichische Investor René Benko will nach der Übernahme der Karstadt-Luxushäuser und -Sportfilialen in diese Standorte investieren. „Unser Ziel ist es, die Handels-Geschäfte langfristig auszubauen und die Standorte weiter zu entwickeln“, sagte der 36-Jährige der „Bild am Sonntag“. Die Mitarbeiter dieser Häuser müssten „keine Angst um ihre Arbeitsplätze“ haben. Die Gewerkschaft Verdi verhandelt ab Montag über die Rückkehr von Karstadt in die Tarifbindung.

Benkos Immobiliengesellschaft Signa, der bereits zahlreiche Karstadt-Gebäude gehören, will eine Mehrheit von 75,1 Prozent an den drei Karstadt-Luxuskaufhäusern KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger sowie an den 28 Sporthäusern übernehmen. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Der Verkaufserlös von 300 Millionen Euro soll in die Modernisierung aller Karstadt-Häuser fließen. „Das Geld kann nicht verpfändet, verliehen oder ausgeschüttet werden“, versicherte Benko gegenüber der "Bild am Sonntag“.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Die „klassischen“ 83 Karstadt-Filialen, die der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen behält, sollen von den 300 Millionen Euro laut „Spiegel“ aber nur 150 Millionen Euro erhalten. Davon sollen lediglich zehn Prozent - 15 Millionen Euro - innerhalb der kommenden fünf Jahre investiert werden. Laut „Spiegel“ soll allein der Umbau von Karstadt in Düsseldorf acht Millionen Euro gekostet haben; der Bedarf für das KaDeWe sei auf 30 bis 50 Millionen Euro veranschlagt worden.

Die drei Premium-Häuser sollen dem Bericht zufolge dagegen mit 100 Millionen Euro modernisiert werden, die Sporthäuser mit 50 Millionen Euro. Benko sagte der „Bild am Sonntag“, er wolle in die Häuser investieren und gleichzeitig expandieren. Die „Wirtschaftswoche“ berichtete aus dem Umfeld von Signa, die Luxushäuser könnten "zum Kern eines internationalen Netzwerks von Nobelkaufhäusern“ werden. In Deutschland, Österreich und den Nachbarländern gebe es genug kaufkräftige Kundschaft.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

22.09.2013, 14:04 Uhr

Ich denke, dass es in D nur 5 bis 6 Städte für Luxury Department Stores gibt.
- Berlin (-> KaDeWe)
- München (-> Oberpollinger)
- Hamburg (-> Alsterhaus)
- Düsseldorf
- Frankfurt
- Köln
(und jetzt ist auch mal definitiv Ende)

Und daran sieht man auch wie schwierig die Auswahl in D ist, weil es in D keine Superduper-Metropole gibt wie in anderen Ländern (z.B. London, Moskau, Paris, New York, Tokyo, Singapur, Hongkong, etc.)

Im Grunde hat der Berggruen, den Karstadtkonzern schon genau richtig aufgeteilt: (a) Schmuckstück, (b) ganz Ok, (c) End-Game. Damit will ich aber nicht sagen, dass beim End-Game der Retailkaufhäuser der Berggruen alles richtig gemacht, ganz im Gegenteil.
An quasi jeden Standort wo ein Karstadt in direkter Nachbarschaft mit einem Kaufhof steht, verliert Karstadt mit seinen Sortiment, seiner Zielgruppenstrategie, einfach mit Allem.
Und Nein es gibt nicht nur Kaufhof. Viele mittelgroße Großstädte haben in den letzten Jahren sehr große Fortschritte in der Vermarktung mit ihrer Innenstadtlagen gemacht, wo den Retailkunden ein schönes Essemble an Einkaufsmöglichkeiten geboten wird.
Und selbst in Städten wo das Standortmarkting schlecht bis mittelmäßig ist, stecken zeitgenössische Shopping-Malls jeden Karstadt in die Tasche.

Nachdem ich micht letztens in einen Karstadt verlaufen hatte, habe ich mir zwar ein paar Klamotten gekauft, um die Wartezeit zu überbrücken (Ich bin ja hineingezerrt worden). Aber seitdem ist mir auch bewusst geworden, dass ich niemals selber auf die Idee kommen würde zum Karstadt zu gehen, weil ich garnicht weiß was man dort kaufen kann. Wenn ich eine Uhr haben will gehe ich in eien Uhrenlande, wenn ich Anzug/Hemd/Krawatte brauche gehen ich zu einen Herrenausstatter, wenn ich Schuhe brauche gehe ich in einen Schuladen, wenn ich ein Buch brauche gehe ich in einen Buchladen, usw. Eigentlich ist nur bei Sportsachen klar, dass man das in einem "Karstadt Sport" bekommen kann.

Bartender

22.09.2013, 21:01 Uhr

So ein Käse. Benko braucht die Kontrolle über die Mieter in seinen Immobilien, um sie gegen lukrativere auszutauschen oder sie ganz rauszuwerfen, um den Wert der Häuser zu steigern. Karstadt wird rausfliegen. Wer bitte glaubt einem wegen Bestechung zu 12 Monaten auf Bewährung Verurteilten, der auch im Verdacht steht, Geldwäsche zu betreiben. Karstadt ade!

Liskow

23.09.2013, 01:04 Uhr

Das wichtigste ist jetzt auf jeden fall, dass Karstadt zurück muss, zu den Tariflöhnen! Und 10tage Sonderurlaub im Jahr, bei 34 h Woche.
Habe ich was missverstanden, oder die Verdi Leute? Die Teile von Karstadt wechseln den Eigentümer doch nicht weil die gerettet sind, oder, tz, tz, tz
Wäre ich dort angestellt, würde ich mir neue Perspektiven suchen und nicht auf Lohnerhöhung pochen. Co op lässt Grüßen .

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