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06.07.2014

15:31 Uhr

Medienbericht

EU wird Air-Berlin-Rettung durch Etihad wohl genehmigen

Für Air Berlin wäre es die Rettung, für Etihad eine attraktive Investition: Die Airline aus Abu Dhabi will die angeschlagene deutsche Fluggesellschaft finanziell unterstützen. Ein EU-Veto ist offenbar nicht zu befürchten.

Flugzeug mit Airberlin-Logo: Auch das Bundesverkehrsministerium werde die 300 Millionen Euro von Etihad „durchwinken“. Reuters

Flugzeug mit Airberlin-Logo: Auch das Bundesverkehrsministerium werde die 300 Millionen Euro von Etihad „durchwinken“.

MünchenDie angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin hat wegen der Finanzspritze ihres Großinvestors Etihad wohl kein Veto der EU-Kommission zu befürchten. Das berichtet der „Focus“. Beim zuständigen Kommissar Siim Kallas bestünden keine Bedenken, berichtete das Magazin unter Berufung auf Luftfahrtkreise. Auch das Bundesverkehrsministerium werde die 300 Millionen Euro von Etihad für Air Berlin „diesmal noch durchwinken“, zitierte „Focus“.

Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, war im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust belief sich auf 315,5 Millionen Euro. Der Konzern kündigte einen umfassenden Rekapitalisierungsplan an, der das Unternehmen „zurück in die Profitabilität“ führen soll. Etihad kauft Wandelanleihen im Wert von 300 Millionen Euro – dazu will Air Berlin 150 Millionen Euro über eine eigene Anleihe erlösen.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

EU und Bundesregierung müssen prüfen, ob Etihad über die finanzielle Hilfe zu viel Einfluss auf Air Berlin ausüben könnte. EU-Kommissar Günther Oettinger sagte dem Magazin, die Verhältnisse bei Air Berlin seien „derzeit nach meinem Kenntnisstand vereinbar mit deutschem und europäischem Recht“.
Bisher hat Etihad knapp 30 Prozent stimmrechtlich relevante Anteile an Air Berlin. Würde die Airline aus Abu Dhabi Mehrheitseigner, könnte Air Berlin seine europäischen Verkehrsrechte verlieren. Der Europa-Abgeordnete Joachim Zeller (CDU) kritisierte im „Focus“ die Beschränkungen für außereuropäische Beteiligungen an EU-Fluglinien als „realitätsfern“. Die europäische Luftverkehrswirtschaft gerate „zunehmend in die Hände von Investoren, die nicht aus der EU kommen“.

Von

afp

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