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19.01.2014

17:26 Uhr

Medienbericht

Grubes Zukunft wackelt wegen Pofalla

Der Vertrag von Bahn-Chef Grube soll offenbar nicht vorzeitig verlängert werden, heißt es in einem Medienbericht. Demnach ist ein Grund dafür das Ringen um Ronald Pofalla.

Bahn-Chef Rüdiger Grube muss offenbar um seine Vertragsverlängerung bangen. dpa

Bahn-Chef Rüdiger Grube muss offenbar um seine Vertragsverlängerung bangen.

München/Berlin/HamburgBahn-Chef Rüdiger Grube kann einem Medienbericht zufolge derzeit nicht darauf hoffen, dass sein 2017 auslaufender Vertrag vorzeitig verlängert wird. Dies sei „extrem unwahrscheinlich“, zitiert der „Spiegel“ in einem Vorabbericht vom Sonntag Kreise der Regierung und des Bahn-Aufsichtsrats. Erklärt werde die Zurückhaltung vor allem mit dem ungeschickten Vorgehen des Bahn-Chefs bei dem Versuch, Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) als Lobbyisten in den Bahnvorstand zu holen, heißt es in dem Bericht.

Dem Magazin „Focus“ zufolge soll nun eine Ämter-Rochade an der Bahn-Spitze den Posten für Pofalla sichern: Dazu solle sich Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht Ende März zurückziehen und Platz für einen SPD-nahen Nachfolger machen. Im Gegenzug dafür könne Grube dann den Personalvorschlag Pofalla durchbringen, berichtete das Magazin am Samstag vorab.

Der CDU-Politiker solle im Sommer zunächst den niedriger dotierten Job des politischen Beauftragten von Bahn-Cheflobbyist Georg Brunnhuber übernehmen, dessen Vertrag am 31. März ende. 2016 könnte Pofalla laut „Focus“ dann für den Vorstand nominiert werden, um dort im März 2017 neben den Bereichen Politik auch Aufgaben im Bereich Compliance, Datenschutz und Recht zu übernehmen. Der Vertrag des dafür bisher zuständigen Bahnvorstands Gerd Becht läuft demnach Ende Februar 2017 aus.

Die prominentesten Seitenwechsler

Eckart van Klaeden

Er löste mit seinem Wechsel in den Job des Cheflobbyisten bei Daimler vergangenes Jahr sogar noch laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorteilsannahme aus. Der 48-jährige van Klaeden gehörte pikanterweise wie Pofalla vor seinem Wechsel in die Wirtschaft zum engsten Mitarbeiterkreis um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), er war Staatsminister im Kanzleramt.

Kurt Beck

Er wechselte im vergangenen Jahr nur wenige Monate nach seinem mit gesundheitlichen Problemen begründeten Rücktritt als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident als Berater zum Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Kritiker bemängelten fehlende Transparenz bei dem neuen Job des ehemaligen SPD-Chefs: So wurde der Wechsel erst vier Monate nach Becks Seitenwechsel bekannt gegeben.

Georg Fahrenschon

Er bewarb sich von seinem Posten des bayerischen Finanzministers (CSU) aus für den Posten des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, zu dem er dann auch Ende 2011 gewählt wurde. Für Kritik der Opposition sorgte der Wechsel, weil Fahrenschon zuvor als Minister die Sparkassen im Zuge der Rettung der damals noch zu gleichen Teilen vom Freistaat Bayern und den Sparkassen geführten Bayerischen Landesbank geschont haben soll.

Roland Koch

Der CDU-Politiker zog sich im Jahr 2010 freiwillig als Ministerpräsident von Hessen zurück. Nur wenige Wochen später gab es Berichte über einen bevorstehenden Wechsel zum Baukonzern Bilfinger Berger. Dieser wurde 2011 dann tatsächlich vollzogen, inzwischen ist Koch dort Vorstandschef. Kritik gab es, weil Bilfinger Berger in der Regierungszeit Kochs einen 80-Millionen-Euro-Auftrag am Flughafen Frankfurt erhalten hatte. Koch nahm außerdem 2011 ein Aufsichtsratsmandat der Bank UBS an.

Gerhard Schröder

Der Sozialdemokrat zog es nach dem Verlust der Kanzlerschaft im Jahr 2005 ebenfalls ohne längere Pause in die freie Wirtschaft. Er nahm den Posten als Aufsichtsratschef eines deutsch-russischen Konsortiums für den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee an. Damit handelte sich Schröder parteiübergreifend Kritik ein, weil er als Bundeskanzler das Geschäft gemeinsam mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin politisch in die Wege geleitet hatte.

Joschka Fischer

Der Grüne ließ sich als Ex-Koalitionspartner Schröders länger Zeit und erfüllte damit die Forderungen nach einer Karenzzeit für Politiker. Dafür stieg Fischer dann aber so umfassend wie wenige andere in den Lobbyismus ein. Der ehemalige Außenminister gründete eine eigene Beraterfirma mit Sitz in Berlin, die mit der Albright Group der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright verbunden ist. Fischer sicherte sich Verträge mit namhaften Unternehmen wie Siemens, BMW oder dem Rewe-Konzern und beriet etwa den Energiekonzern RWE beim Bau einer Gas-Pipeline.

Helmut Kohl

Er nutzte ebenfalls schon kurz nach Ende seiner 16-jährigen Kanzlerschaft seine Kontakte in die Wirtschaft. Kohl schloss etwa mit dem Medienmogul Leo Kirch 1999 einen zunächst geheim gebliebenen Beratervertrag, der ihm für bis zu zwölf persönliche Gespräche im Jahr jährlich 600.000 D-Mark (rund 307.000 Euro) brachte. Zwielichtig erschien dies, weil Kohl Kirch als Kanzler beim Aufbau des Privatfernsehens geholfen hatte. Außerdem arbeitete Kohl ebenfalls schon ab 1999 im Beirat der Schweizer Bank Credit Suisse. Nach Bekanntwerden der CDU-Parteispendenaffäre wurde die eigentlich auf Lebenszeit gedachte, gut dotierte Zusammenarbeit aber vorzeitig beendet.

Unterdessen muss die Bahn einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge ihre Gewinnprognose nach unten korrigieren: Grube rechne in diesem Jahr wegen der lahmenden Konjunktur in Europa mit einem Umsatz von nur noch 41,5 Milliarden Euro statt den bislang erwarteten 45,4 Milliarden Euro, berichtete das Magazin am Wochenende vorab unter Berufung auf die ihr vorliegende Budgetplanung für 2014. Den erwarteten Gewinn nach Abzug von Zinsen und vor Steuern habe der Bahn-Chef sogar um knapp die Hälfte reduziert – von 2,4 Milliarden auf 1,4 Milliarden Euro. Damit würde die Bahn 2014 etwa so viel Umsatz und Gewinn erreichen wie 2013.

Eine Ursache für die kassierten Ziele sei die schwache europäische Konjunktur, die vor allem die Speditionstochter Schenker und die Schienennetz-Sparte treffe. Ein Teil der Belastungen habe sich auch durch zusätzliche Personalausgaben nach Engpässen in den Stellwerken im vergangenen Jahr ergeben. Ein Bahn-Sprecher wollte den Bericht am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht kommentieren.

Zu den möglichen personellen Überlegungen wollte die Bahn am Samstag ebenfalls keine Stellung nehmen. Am 9. Januar hatte Regierungssprecher Steffen Seibert einen ähnlichen Bericht dementiert. Das Bundesverkehrsministerium teilte seinerzeit mit: „Aus unserer Sicht ist Herr Felcht der richtige Aufsichtsratsvorsitzende.“

Anfang Januar waren die Wechselabsichten Pofallas publik geworden und auf scharfe Kritik gestoßen. Die schwarz-rote Koalition will den Zeitabstand bei einem Wechsel ausgeschiedener Bundesminister in die Wirtschaft nun per Gesetz regeln.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

20.01.2014, 08:09 Uhr

Ich bin für die Weiterbeschäftigung von Herrn Grube, einen Schläge androhenden Ex. Politiker nicht.
Auch einen neuen Frühstücksdirektor mit viel zu hohen Einkommen ist nicht erforderlich.
Dieser Ronald Pofalla hat nichts mehr im öffentlichen Amt verloren. Seine Zukunft ist in seiner Anwaltskanzlei, er soll dort ruhig kleine Brötchen backen.

Account gelöscht!

20.01.2014, 08:41 Uhr

Manus manum lavat
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■ Grube hofft, dass sein Vertrag vorab verlängert wird.
■ Die SPD hofft, ihr Mann bekommt einen "Schonposten".
■ Pofalla hofft auf einen Aufsichtsratsposten.

Dem Magazin „Focus“ zufolge soll nun eine Ämter-Rochade an der Bahn-Spitze den Posten für Pofalla sichern: Dazu solle sich Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht Ende März zurückziehen und Platz für einen SPD-nahen Nachfolger machen. Im Gegenzug dafür könne Grube dann den Personalvorschlag Pofalla durchbringen, berichtete das Magazin am Samstag vorab.

Ist der Staatsbetrieb Bahn jetzt das neue Abstellgleis für abgehalfterte Politiker aller Parteien?

Account gelöscht!

20.01.2014, 09:38 Uhr

Stuttgart 21, ENBW, Pofalla, ADAC ... das Maß ist voll !!!

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