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17.06.2014

17:23 Uhr

Medienbericht

Rewe bestreitet Verkauf von gepanschtem Olivenöl

Der Skandal um gepanschtes Olivenöl zieht weitere Kreise. Laut eines Berichts soll auch Rewe das minderwertige und teils ranzige Öl verkauft haben. Die Supermarktkette selbst bestreitet den Vorwurf

Öl aus Oliven ist einigen Verbrauchern viel Geld wert. In Italien gibt es nun einen Skandal um zusammengepanschtes Öl, das als hochwertiges ausgezeichnet wurde. gms

Öl aus Oliven ist einigen Verbrauchern viel Geld wert. In Italien gibt es nun einen Skandal um zusammengepanschtes Öl, das als hochwertiges ausgezeichnet wurde.

HamburgEin Skandal um gepanschtes italienisches Olivenöl zieht einem Bericht zufolge weitere Kreise. Neben Olivenöl-Marktführer DeOleo, zu dem Marken wie Bertolli und Carapelli-Firenze gehören, zählte offenbar auch die Supermarktkette Rewe zu den Kunden der unter Betrugsverdacht stehenden Lieferanten, wie der „Stern“ am Dienstag vorab aus seiner neuen Ausgabe berichtete. In Ermittlungsunterlagen der Staatsanwaltschaft sei der Name Rewe aufgetaucht, berichtete das Magazin. Rewe selbst bestreitet das vehement in einer Stellungnahme.

Schon seit 2012 ermittelt demnach die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Panscherei bei der Olivenöl-Herstellung. Eine toskanische Firma stehe unter dem Verdacht, in großem Stil Olivenöl unterschiedlicher Herkunft als italienisches Öl etikettiert und minderwertige, teilweise sogar ranzige Öle zusammengemischt und als Spitzenqualität „extra vergine“ verkauft zu haben. In Kürze soll laut „Stern“ in Siena der Prozess gegen neun Angeklagte beginnen.

So finden Sie ein gutes Olivenöl

Wahl des Geschäfts

Suchen Sie sich ein Geschäft, in dem Sie Olivenöle vor dem Kauf verkosten können und dessen Personal ein paar grundsätzliche Fragen dazu beantworten kann, wie, wo und von wem sie hergestellt wurden. Olivenölfachgeschäfte und Ölbars gibt es immer mehr – auch bei Feinkostanbietern, auf Märkten und in Supermärkten.

Wahl anderer Anbieter

Wenn Sie das Öl vor dem Kauf nicht kosten können, wählen Sie einen Anbieter mit strikten Qualitätskontrollen bei Produktion und Auswahl. Dazu gehören Olive Press (www.theolivepress.com), Zingerman's (www.zingermans.com), Beyond the Olive (www.beyondtheolive.com) oder Corti Brothers (www.cortibros.biz).

Frisches Öl

Natives Olivenöl wird nicht im Alter besser wie ein guter Wein. Im Gegenteil, es ist leicht verderblich und verliert nach dem Pressen an Geschmack und Aroma. Das passiert noch schneller, wenn das Öl in Flaschen abgefüllt ist. Deshalb sollten Sie so nah am Produzenten (z.B. einer Olivenmühle) wie möglich kaufen und das Öl in sauberen Edelstahlcontainern lagern.

Behälter

Am besten eignet sich als Behälter dunkles Glas – es schützt vor Licht.

Etiketten

Wenn Sie keinen Verkäufer zu rate ziehen können, vertrauen Sie auf das Etikett. Besonders wichtig ist dabei, dass das Öl als „nativ extra“ ausgezeichnet ist. Bei anderen Bezeichnungen wie zum Beispiel „rein“ oder „Olivenöl“ wurde das Öl noch chemisch raffiniert.

Haltbarkeitsdatum

Um der Frische Ihres Öls sicher zu sein, sollten Sie Produkte mit Haltbarkeitsdatum oder gar Erntetermin kaufen. Nach Möglichkeit sollten Sie Öle aus der diesjährigen Ernte bevorzugen. Wenn ein Öl noch zwei Jahre lang haltbar ist, wird es vermutlich noch frisch sein. Aber Vorsicht: Auch beim Haltbarkeitsdatum kann gepfuscht werden. Statt der Ernte wird dann der Tag der Abfüllung als Ursprung gewählt. Kontrollierbar ist das nicht.

Herkunft

Wenn ein Etikett besagt, das Olivenöl sei in Italien verpackt oder abgefüllt worden, heißt das nicht, dass das Öl auch aus Italien stammt. Italien ist einer der größten Importeure von Olivenölen. Eine italienische Flagge auf der Verpackung heißt aber noch nichts. Öle, bei denen der genaue Herstellungsort nicht auf der Packung steht, sollten Sie daher meiden.

Farbe des Öls

Die Farbe des Öls sollte keine Rolle spielen. Ob Grün oder Gold oder Strohgelb – echte native Olivenöle sind nicht an der Farbe, sondern am fruchtigen Geschmack und Geruch zu erkennen.

Typ des Öls

Der Öltyp sollte zum Essen passen. Kräftiges Öl – oft bezeichnet als „robust“, „frühe Ernte“ oder „körperreich“ – sollten Sie dabei für deftige Speisen wie Pfeffersteak, bruschetta oder aromatisches Gemüse verwenden. Mildere Öle mit Auszeichnungen wie „mild“, „zart fruchtig“ oder „späte Ernte“ eignen sich besser für Fisch, Hühnchen oder Kartoffeln.

Preis

Auch, wenn der Preis eine Rolle spielt: Wer ein gutes Öl kaufen will, sollte sich nicht von Schnäppchenpreisen verführen lassen. Echtes natives Olivenöl ist kostspielig, dafür sollten Sie mindestens acht Euro einplanen. Natürlich ist aber auch ein hoher Preis kein Garant für Qualität.

Zertifizierungen

Zertifizierungen auf Etiketten sind nicht immer eine Qualitätsgarantie. Vertrauen kann man aber nationalen und staatlichen Olivenölverbänden wie Australian Olive Association, California Olive Oil Council und Association 3E. Auch die North American Olive Oil Association und der internationale Olivenölrat zertifizieren Olivenöl.

Informationen

Ausführliche Informationen und aktuelle Ressourcen zum Kauf und Genuss guter Öle finden Sie auf www.extravirginity.com.

Auf den Namen Rewe seien die Ermittler im Frühjahr 2012 bei einer Razzia in den Räumen der verdächtigen Firma gestoßen, berichtete der „Stern“ weiter. Sie hätten dort Mischanweisungen eines Zwischenhändlers für ein für Rewe bestimmtes Öl gefunden. Dabei habe es sich um eine Mixtur aus acht verschiedenen Öl-Qualitäten gehandelt, darunter auch Öl, das gar nicht für den Verzehr geeignet sei.

Die Supermarktkette selbst widerspricht der „Stern“-Geschichte. Insbesondere die Behauptung, die Mixtur enthalte Lampantöl, sei „sachlich falsch“, heißt es in einem Statement des Konzerns. Der Einsatz dieses Öls sei grundsätzlich untersagt. Für den fraglichen Zeitraum lägen zudem „eigene Untersuchungsergebnisse vor, die keinerlei Abweichungen oder gar Rechtsverstöße – die eine Sperrung der Ware zur Folge hätten – dokumentieren“, schreibt Rewe.

Von

afp

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