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22.05.2012

13:09 Uhr

Medienbericht

Schlecker droht der Todesstoß

Pro Tag verliert die Drogeriemarktkette einen sechsstelligen Geldbetrag. Dass sich ein Käufer für das Unternehmen findet, ist unwahrscheinlich. Immer näher rückt die Zerschlagung. In dieser Woche könnte es so weit sein.

Blick auf die Front einer Schlecker-Filiale in Dortmund. dpa

Blick auf die Front einer Schlecker-Filiale in Dortmund.

HamburgDie insolvente Drogeriemarktkette Schlecker steht einem Bericht zufolge vor dem endgültigen Aus. Der Rettungsplan von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz drohe zu scheitern, berichtete das „Manager Magazin" am Dienstag unter Berufung auf mit dem Verfahren vertraute Personen. Noch in dieser Woche könnten die Gläubiger die Zerschlagung des Unternehmens beschließen, das derzeit pro Tag im Schnitt einen sechsstelligen Geldbetrag verliere. Die Insolvenzverwaltung war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Zu den anhaltenden Verlusten kommen rechtliche Unsicherheiten aufgrund der knapp 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter. Mögliche Kosten aus derartigen Gerichtsprozesse müsste ein Investor tragen. Laut Magazin könnten sich diese Kosten auf bis zu 120 Millionen Euro belaufen. Da sich der Schuldenberg des Unternehmens somit bedrohlich der Milliardengrenze nähere, drängten die Gläubiger nun auf eine rasche Lösung.

Die derzeitige Lage mache es allerdings kaum möglich, einen Investor zu finden, der die Schlecker-Gruppe als Ganzes weiterführen wolle. Wahrscheinlicher sei stattdessen der Verkauf einzelner Unternehmensteile. Ein solches Prozedere ist bereits in Gang gesetzt: Anfang Mai wurde bekannt, dass das tschechische Auslandsgeschäft an den dortigen Marktführer PKS geht. Ein Verkauf der Schlecker-Tochter „Ihr Platz" an die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft Dubag steht kurz bevor. Dem Bericht zufolge gibt es außerdem Interessenten für den spanischen Schlecker-Ableger.

Für die Mehrheit der derzeit noch rund 3200 deutschen Schlecker-Filialen könnte eine Einzellösung allerdings das Ende bedeuten. Eigentlich bis Pfingsten wollte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz einen neuen Investor für das angeschlagene Unternehmen präsentieren. Anfang Mai hatte er aber angegeben, dass aufgrund der hohen Zahl von Kündigungsschutzklagen und einer weiterhin ungeklärten Diskussion um einen Sanierungstarifvertrag für die verbleibenden Mitarbeiter der Zeitplan nicht einzuhalten sei. Am 5. Juni tritt in Ulm die Gläubigerversammlung zusammen.

Schlecker hatte Ende Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen über Jahre Verluste angehäuft hatte. Allein im Jahr 2011 machte die Drogeriemarktkette dem Insolvenzverwalter zufolge mehr als 200 Millionen Euro Minus. Im Rahmen seiner Sanierung schloss Schlecker im März mehr als 2000 Filialen und entließ rund 10.000 Mitarbeiter.

Von

afp

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