Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2013

17:23 Uhr

Medienkaufhaus

Pleite von Virgin Megastore wird Fall für die Politik

VonTanja Kuchenbecker

Das französische Medienkaufhaus Virgin Megastore steht vor der Zahlungsunfähigkeit. In den Kampf um die Arbeitsplätze hat sich die Kulturministerin eingeschaltet. Die Mitarbeiter wollen auf dem Champs-Elysées streiken.

Mitarbeiter von Virgin Megastore: Die Probleme bekommen eine politische Dimension. dapd

Mitarbeiter von Virgin Megastore: Die Probleme bekommen eine politische Dimension.

ParisDas Medienkaufhaus Virgin Megastore in Frankreich steht vor der Pleite. Die Kette, die DVDs, CDs und Bücher verkauft, will seine Zahlungsunfähigkeit erklären, sagte ein Firmensprecher. Am Montag wurde eine Betriebsversammlung einberufen, die am Dienstag mit einem Vertreter des Hauptaktionärs, der französische Investor Butler Capital Partners, fortgesetzt werden soll. Die Geschäfte leiden seit Jahren unter dem Internet.

Die Medienkette, die 26 Geschäfte mit insgesamt 1000 Angestellten in ganz Frankreich betreibt, kann nach Erklärung der Zahlungsunfähigkeit einen Sanierungsplan vorlegen oder die Geschäfte sogar ganz schließen, falls sich die Situation als aussichtslos erweist. Die Probleme bei Virgin bekommen deshalb auch schon eine politische Dimension. Die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti hat sich eingeschaltet und erklärt, dass sie „auf die bestmögliche Lösung für jeden der 1000 Angestellten achten will.“ Die Internet-Konkurrenz sei nicht loyal, weil sie nicht in Frankreich beheimatet sei und für sie andere Steuergesetze gelten.

Die Angestellten des Virgin Megastore haben für Mittwoch zum Streik vor dem Geschäft auf der Prachtstraße Champs-Elysées aufgerufen. Die Gewerkschaften befürchten, dass alle Läden in Frankreich geschlossen werden. Sie forderten deshalb das Treffen mit einem Vertreter des Hauptaktionärs.

Die Kette, die aus dem ehemaligen Firmenimperium des britischen Milliardärs Richard Branson hervorging, kann mit dem Wandel nicht mithalten. Branson verkaufte seine Medienkaufhäuser in den verschiedenen Ländern an unterschiedliche Investoren. Betroffen von der Zahlungsunfähigkeit sind derzeit nur die französischen Filialen. In vielen anderen Ländern wie in Großbritannien haben die Läden schon vor einigen Jahren geschlossen.

Seit mehreren Jahren machen die französischen Geschäfte, die seit 2008 von dem französischen Investor Butler Capital Partners kontrolliert werden, Verluste. Allein 2012 gingen die Verkäufe um 34 Prozent auf 251 Millionen Euro zurück. Die Schulden belaufen sich nach eigenen Angaben derzeit auf 22 Millionen Euro. Die Ankündigung der Zahlungsunfähigkeit kommt nicht überraschend. Die Gruppe kann schon länger die Sozialabgaben, Mieten und Lieferanten nicht mehr bezahlen. Virgin hatte versucht, mit Geschäftsschließungen und Entlassungen gegen die Schulden anzukämpfen, in den vergangenen zwei Jahren wurden bereits 200 Angestellte gekündigt. Doch das reichte offenbar nicht aus.

Das Unternehmen, das vor allem durch seinen Vorzeigeladen auf dem Champs-Elysées bekannt ist, will den Mietvertrag für dieses Geschäft kündigen. In dem Laden, der vor 25 Jahren eröffnete, werden 20 Prozent des Umsatzes des Unternehmens erwirtschaftet. Doch die Miete ist zu hoch. Volkswagen soll schon an dem Laden auf der begehrten Vorzeigestraße interessiert sein.

Auch die Konkurrenz Fnac, die zur Unternehmensgruppe PPR gehört, ist von der Konkurrenz aus dem Internet betroffen und macht seit Jahren Verluste. Fnac kündigte bereits an, sich von 500 Mitarbeitern von insgesamt 11.000 trennen zu wollen. Seit drei Jahren sucht PPR vergeblich einen Käufer für Fnac. Die Gruppe will sich in diesem Jahr per Börsengang von Fnac trennen und sich auf das Luxusgeschäft mit Labels wie Gucci und Yves Saint Laurent konzentrieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.01.2013, 19:33 Uhr

Tja, ob Autos oder auch nur Musik und Bücher, vielleicht merken diese
trotteligen Beamten in Frankreich endlich mal, dass man Faulheit im
überbordenden Staatsapparat nicht dauerhaft über immer höhere Steuern
und Gebühren finanzieren kann. Das wird eben über Preise weitergegeben.
Und das wird aufm Champs-Elysées dann halt teuer.
Wenn die eigenen Knechte dann kein Geld zum Kaufen haben, darf man
sich nicht wundern.

Weiter so…. bald sind sie alle pleite oder schon in Russland,
mal schauen wird dann noch Steuern zahlt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×