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31.05.2012

18:36 Uhr

Medikamenten-Preise

Erste Pharma-Preisverhandlung erfolgreich

Es ging um Millionen allein beim Vorreiter-Medikament - nun haben die ersten Preisverhandlungen im Pharmasektor einen Erfolg gebracht. Über Dutzende weitere neue Mittel wird noch verhandelt.

Die erste Verhandlungsrunde in der Pharmabranche ist vorbei. dpa

Die erste Verhandlungsrunde in der Pharmabranche ist vorbei.

BerlinNach vier Monaten ist die erste Preisverhandlung über ein neues Arzneimittel nach den Regeln der schwarz-gelben Pharmareform mit einer Einigung abgeschlossen worden. Nach achtstündigem Ringen einigten sich der Spitzenverband der Krankenkassen in der fünften Verhandlungsrunde am Donnerstag mit dem Hersteller AstraZeneca auf den Erstattungspreis für den neuen Blutverdünner Ticagrelor (Brilique), wie beide Seiten bekanntgaben. Dem Mittel wird ein großes Umsatzpotenzial vorhergesagt.

Die infrage kommende Schiedsstelle muss demnach nicht angerufen werden. Den Preis gaben beide Seiten noch nicht bekannt, weil der Vertrag erst im Juni endgültig unterzeichnet werden soll. Ob es eine Einigung geben würde, war mit Spannung erwartet worden. Denn es war das erste Mal, dass Kassen und Pharmaindustrie nach den Vorgaben des Arzneigesetzes AMNOG verhandelten. Ex-Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte versprochen, das Preismonopol der Pharmaindustrie mit dem Gesetz zu brechen. Bislang konnten die Firmen bei neuen Mitteln mit Patentschutz verlangen, was sie wollten.

Der Verhandlungsführer des Pharmakonzerns AstraZeneca, Claus Runge, sagte: „Wir freuen uns, dass wir uns trotz schwieriger Verhandlungen nun auch auf einen fairen Preis einigen konnten.“ Die Auslegungspraxis des Gesetzes dürfe der Versorgung von Patienten künftig nicht im Wege steht. Kassenverbandssprecher Florian Lanz betonte: „Echte Innovationen brauchen eine Zusatznutzenbewertung und eine Preisverhandlung nicht zu fürchten.“

Nach Brancheneinschätzungen ging es alleine bei den Verhandlungen über dieses Produkt für Herzinfarktpatienten unterm Strich um mögliche Einsparungen bei den Arzneikosten im zweistelligen Millionenbereich. Zuletzt gaben die Kassen rund 32 Milliarden Euro für Arzneimittel aus.

Von den ersten Verhandlungen wurde eine Signalwirkung für Dutzende weitere Verhandlungsrunden zu anderen Mitteln erwartet. Den Gesprächen geht eine Prüfung des Zusatznutzens dieser Mittel gegenüber Altbewährtem durch den Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kassen und Kliniken voraus.


Von

dpa

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