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31.05.2012

18:26 Uhr

Mega-Pleite

Schlecker-Insolvenz war schon 2010 ein Thema

VonSönke Iwersen, Fabian Gartmann

ExklusivHeute entscheidet der Schlecker-Insolvenzverwalter über die Zukunft von 14.000 Mitarbeitern. Die Chancen stehen schlecht. Ex-Führungskräfte berichten im Handelsblatt, der Konzern habe wie ein Schneeballsystem gearbeitet.

Schlecker ist nicht nur die Geschichte eines beispiellosen Erfolges, sondern ebenso eines beispiellosen Scheiterns. dpa

Schlecker ist nicht nur die Geschichte eines beispiellosen Erfolges, sondern ebenso eines beispiellosen Scheiterns.

DüsseldorfDie insolvente Drogeriemarktkette Schlecker arbeitete nach Recherchen des Handelsblattes bereits seit Jahren defizitär. Wie mehrere ehemalige Direktoren des Unternehmens dem Handelsblatt (Freitagausgabe) bestätigten, schrieben schon 2008 rund 4.000 der 10.000 deutschen Filialen von Schlecker Verluste. Den Angaben zufolge liefen allein zwischen 2005 und 2011 rund 650 Millionen Euro Minus auf.

2010 scheiterten Gespräche zwischen Schlecker und verschiedenen Banken über eine Finanzspritze von 300 bis 400 Millionen Euro. Danach wollte der damalige Finanzvorstand einen Insolvenzberater ins Unternehmen holen. Schlecker lehnte ab, der Vorstand ging.

Die Direktoren von Schlecker machen die extreme Expansionsstrategie des Firmengründers für den Zusammenbruch verantwortlich. „Wenn wir ehrlich sind, dann funktionierten wir ab Mitte der 90er Jahre wie ein Schneeballsystem. Es ging nur weiter, weil wir es ständig erweiterten“, sagte ein Altdirektor dem Handelsblatt. „Das ist die eigentliche unternehmerische Leistung von Schlecker, dass er die Pleite so lange hinausgezögert hat.“

Galgenfrist bis Freitag: Kaum noch Hoffnung für Schlecker

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Die Zeit läuft davon. Offenbar gibt es immer noch keine unterschriftsreifen Angebote.

Schlecker-Konkurrent Dirk Roßmann sagte dem Handelsblatt, auch ihm sei die Expansionsstrategie merkwürdig vorgekommen. „Ich habe nie verstanden, warum Schlecker in Orten mit 3.000 Einwohnern noch einen zweiten Laden eröffnet hat. Das kann sich meiner Erfahrung nach nicht rechnen“, sagte  Roßmann.

Die Direktoren von Schlecker erklärten, dass Schlecker vor allem wuchs, um seine Einkaufsmacht zu erhöhen und seine Lieferanten in immer größerem Stil als Bank zu nutzen. Schlecker handelte die längsten Zahlungsfristen der Branche aus — teilweise 90 Tage und mehr. Bevor Schlecker die Rechnung für die Seifen, Shampoos und Deo Roller zur Überweisung freigab, hatten die Kunden sie längst bezahlt. In der Zwischenzeit konnte Schlecker mit Geld agieren, das er eigentlich gar nicht hatte.

Heute will der Insolvenzverwalter von Schlecker, Arndt Geiwitz, verkünden, ob er einen Investor gefunden hat und wie es mit der Drogeriekette weitergeht. Betroffen sind 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Sechs Wochen langen recherchierten die Handelsblatt-Redakteure Fabian Gartmann und Sönke Iwersen an der größten Pleite Deutschlands. Erstmals ist es dabei gelungen, die engsten Vertrauten von Anton Schlecker zu befragen, die sogenannten S-Klasse-Direktoren. Ihre Aussagen zeichnen ein dramatisches Bild über den Firmengründer. Die Geschichte über Aufstieg und Fall von Schlecker lesen Sie am 1. Juni im Handelsblatt.

Kommentare (6)

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szleka

31.05.2012, 21:25 Uhr

Dass diese Direktoren namentlich nicht genannt werden, ist schon klar. Doch was ist mit den Direktoren, die vor jeder Ladenvisite durch Anton Schlecker veranlassten, dass Ware entweder versteckt wurde, oder von Laden zu Laden transportiert wurden. Auch auf Ratschläge von "unten" wollten sie nicht hören unter Hinweis auf die Hierarchie.

muckababy

31.05.2012, 23:55 Uhr

Das ist klares Insiderwissen, genau so war es.
Hr.Schlecker wurde von seinen eigenen Aufsichtspersonen belogen und betrogen.
Wir wussten, dass dieses Kartenhaus aus Lügen irgendwann einstürzt.
Eine Mitarbeiterin

kulanz

01.06.2012, 01:01 Uhr

Wer kontrolliert denn einen eingetragenen Kaufmann? Die nächste Person wäre ja ein Prokurist. Aber einen Aufsichtsrat gibts doch garnicht.

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