Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2013

10:06 Uhr

Mehdorn

Eröffnung von Flughafen BER weiter ungewiss

Die Hängepartie um die Eröffnung des Hauptstadt-Flughafens BER dauert an: Flughafengeschäftsführer Mehdorn wird offenbar auch im Herbst noch keinen Termin nennen können. Das größte Problem ist immer noch der Brandschutz.

Der Termin für eine Eröffnung des Berliner Hauptstadt-Flughafens BER bleibt weiterhin offen. Airport-Mehrdorn will kein weiteres Risiko eingehen. dpa

Der Termin für eine Eröffnung des Berliner Hauptstadt-Flughafens BER bleibt weiterhin offen. Airport-Mehrdorn will kein weiteres Risiko eingehen.

BerlinDer Chef des Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn, hält eine schnelle Eröffnung des Airports nicht mehr für sehr wahrscheinlich. „Anfangs war ich durchaus optimistisch. Bis ich Stück für Stück gemerkt habe, was noch alles gemacht werden muss und wie viel Zeit und Geduld man noch braucht, um fertig zu werden“, sagte Mehdorn der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Das ist schwer zu erklären, aber die bittere Realität.“ Kritischster Punkt sei immer noch der Brandschutz.

Mehdorn ließ offen, ob er noch im Herbst einen neuen Eröffnungstermin nennen kann. Von dieser früheren Ankündigung war er schon vor Wochen abgerückt. Der Manager hatte noch Mitte August eine Teileröffnung für kommenden März in Aussicht gestellt. Anfang September wies der Flughafen Berlin-Brandenburg einen Bericht zurück, die für das Frühjahr 2014 geplante Teileröffnung würde sich verzögern.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Die Inbetriebnahme des neuen Großflughafens wurde bislang vier Mal verschoben – zuletzt im Januar.

Von

afp

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ramses

09.09.2013, 10:21 Uhr

Eröffnung von Flughafen BER weiter ungewiss
--------------------------------------------
Die Eröffnung der Pyramiden hat sich nicht so lange verzögert!

Angela-Wendehals

09.09.2013, 10:45 Uhr

Ein Lachnumer, weltweit.

Genial, wie man hier die deutsche Fähigkeit für Großprojekte unter Beweis stellt. Ich vielleicht hätte man dieses Projekt besser an die Chinesen vergeben sollen.

Der Fisch fängt immer am Kopf das Stinken an.
Wann endlich wird die gesamte politische Spitze von diesem Rohrkrepierer ausgetauscht?

kfvk

09.09.2013, 11:59 Uhr

Man könnte doch erst einmal Wassereimer und Feuerpatschen überall griffbereit aufstellen -- der Rest findet sich dann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×