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04.06.2014

17:58 Uhr

Mehdorn feuert BER-Technikchef

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“

Vor einer Woche kam der Korruptionsvorwurf auf, jetzt ist Jochen Großmann seinen Job los. Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat den BER-Technikchef entlassen. Für Chefaufseher Wowereit ist Großmann ein Einzelfall.

So nicht! „Ich habe diesem Mann getraut“, sagte BER-Chef Hartmut Mehdorn über den entlassenen Technikchef. dpa

So nicht! „Ich habe diesem Mann getraut“, sagte BER-Chef Hartmut Mehdorn über den entlassenen Technikchef.

BerlinWegen der Korruptionsaffäre am neuen Hauptstadtflughafen hat Geschäftsführer Hartmut Mehdorn den unter Verdacht stehenden Technikchef Jochen Großmann entlassen. Das sagte Mehdorn am Mittwoch im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Er hatte Großmann in der vergangenen Woche zunächst beurlaubt, nachdem die Staatsanwaltschaft dessen Büros durchsucht hatte. Sie wirft dem Ingenieur Bestechlichkeit vor.

„Ich habe diesem Mann getraut“, sagte Mehdorn. In der Vernehmung durch die Anklagebehörde habe Großmann jedoch „schon halbwegs seine Schuld eingestanden“, so der Flughafenchef. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und wer es einmal tut, der tut es wieder“, sagte Mehdorn, der am Montag eine Anti-Korruptions-Truppe eingesetzt hatte.

Großmann lies Mehdorn am Nachmittag widersprechen. Nach Angaben seines Büros hat er kein Geständnis abgelegt. „Herr Mehdorn irrt wenn er öffentlich und in den Medien behauptet, dass Prof. Jochen Großmann vor der Anklagebehörde irgendeine Schuld eingestanden hat“, teilte Großmanns Unternehmen Gicon in Dresden mit. Es habe keine Vernehmung geben. Gicon kündigte an, die Vorwürfe entkräften zu wollen.

Das sind die größten Probleme des BER

Dauerbaustelle

Bis zu 400 Bauarbeiter sind derzeit im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens im Einsatz. Woran sie nach Angaben der Betreiber arbeiten und was darüber hinaus zu tun ist.

Brandschutz

Weil die Anlage nicht funktionierte, platzte die Eröffnung 2012. Zwei Jahre später glauben die Betreiber, die Lösung zu kennen. Sie teilen die Anlage im kritischen Bereich in drei Abschnitte, das soll die Steuerung einfacher machen.

Kabeltrassen

Weil die Firmen zeitweise bauen konnten wie sie wollten, sind viele Kabelbrücken über- oder fehlbelegt. Nun werden Kabel kilometerweise neu gezogen. Zudem ist ein Teil der 4000 Räume im Flughafen falsch nummeriert, was zu Chaos führen könnte, weil die Lüftungsklappen den Nummern folgen. Auch hier wird nachgearbeitet.

Restarbeiten

Von der gerissenen Kachel bis zu handfestem Baupfusch haben die Betreiber 150.000 Mängel gefunden. Hier arbeiten Firmen nach.

Schallschutz

Die Großbaustelle jenseits der Baustelle: Lange bekamen die Anwohner zu schwachen Schallschutz. Ein Gericht schritt 2013 ein, die Arbeit begann weitgehend von vorn. Es geht um Fenster, Dämmungen und Lüfter für bis zu 25.500 Wohnungen.

Sanierung Nordbahn

Der Neubau übernimmt die Piste vom benachbarten Altflughafen Schönefeld. Sie muss saniert werden, doch die Behörden verlangen zunächst den Schallschutz für die Anwohner. Geplanter Baubeginn: März 2015.

Korruptionsaffäre

Wegen des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann werden nun alle Vergabeverfahren überprüft, mit denen dieser zu tun hatte. Unterlegene Bewerber könnten auf Schadenersatz klagen.

Finanzierung

4,3 Milliarden Euro sind bislang bewilligt, doch das Geld geht im Frühjahr aus. Mehdorn fordert mehr als 1,1 Milliarde Euro zusätzlich. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund dürfen aber nur Geld nachschießen, wenn die EU-Kommission das genehmigt. Dafür wird die Zeit langsam knapp.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Aufsichtsratschef des BER ist, sprach bei Großmann von einem Einzelfall. Er wies Vorwürfe der Opposition zurück, die Strukturen beim Flughafen begünstigten solche Fälle.

Großmann war erst im April beim Flughafen fest angestellt worden. Zuvor soll er als Berater Geld von dem niederländischen Unternehmen Arcadis verlangt haben, damit er diesem zu einem Auftrag auf der Baustelle verhilft. Der Flughafen hatte zunächst eine Summe von 500.000 Euro genannt, im Ausschuss sprach Mehdorn nun von 350.000 Euro.

Mehdorn sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe bereits erste Nachfolge-Kandidaten im Blick. Der Posten solle so schnell wie möglich neu besetzt werden. Bewerber können jedoch nicht darauf hoffen, wie der frühere Technikchef Horst Amann auch in die Geschäftsführung einzuziehen. „Wir haben zwei Geschäftsführer, und das reicht“, meinte Mehdorn, der das Unternehmen zusammen mit Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster führt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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04.06.2014, 15:09 Uhr

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