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11.03.2014

21:47 Uhr

Mehdorn präsentiert Jahresbilanz

Berliner Flughäfen nicht fertig, aber im Plus

Wann der Hauptstadtflughafen BER kommt, steht nicht fest. Dass die Alternativen in Tegel und Schönefeld Gewinne einfahren, allerdings schon. Flughafenchef Mehdorn zieht eine positive Bilanz und denkt nicht an Rücktritt.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn auf dem Flughafen in Berlin Schönefeld. Das Debakel um den neuen Hauptstadtflughafen hatte die Betreibergesellschaft in die roten Zahlen gedrückt. dpa

Flughafenchef Hartmut Mehdorn auf dem Flughafen in Berlin Schönefeld. Das Debakel um den neuen Hauptstadtflughafen hatte die Betreibergesellschaft in die roten Zahlen gedrückt.

SchönefeldNach einem Jahr auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens BER hat Hartmut Mehdorn sich entschlossen gezeigt, das Projekt zu Ende zu führen. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt antwortete der 71-Jährige am Dienstagabend im RBB: „Die Frage überspringen wir, weil das nie stattfindet.“ Der frühere Bahnchef bekannte, dass es noch große Herausforderungen gebe. „Wir müssen da quasi eine völlig neue Entrauchung und Entlüftung einbauen, in einem fertig gebauten Gebäude“, sagte er. „Wir kommen voran, Schritt für Schritt, an vielen Stellen nicht so schnell wie wir das wollen.“

Einen Eröffnungstermin für den drittgrößten deutschen Flughafen wolle er „demnächst“ nennen, kündigte Mehdorn an. Zuletzt hatte er gewarnt, der Start könne sich bis 2016 hinziehen. Er widersprach dem Vorwurf, die Kosten für den Bau liefen aus dem Ruder. „Die Kosten des BER sind nicht explodiert.“ Der Flughafen sei heute doppelt so groß wie ursprünglich geplant. Auch die Kosten hatten sich seit Baubeginn verdoppelt.

Je länger es bis zum Start dauert, desto wahrscheinlicher dürften die bis Herbst 2012 bereitgestellten 4,3 Milliarden Euro nicht reichen. Mehdorn hatte kürzlich von Kosten über 5 Milliarden Euro gesprochen. Diese Summe nannte er auch am Dienstag, brachte sie aber in Zusammenhang mit einer Passagierkapazität von 45 Millionen pro Jahr.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Aktuell ist der neue Flughafen für 27 Millionen ausgelegt. Für 2016 rechnet Mehdorn mit mehr als 30 Millionen Passagieren in Berlin, 2020 mit 35 Millionen. „Das Wachstum ist phantastisch.“

In einem Mitarbeiterbrief machte Mehdorn am Dienstag deutlich, dass das laufende Geschäft an den Flughäfen Tegel und Schönefeld 2013 wieder einen Gewinn gebracht habe. In diesem Kerngeschäft sind wir kerngesund.“ Es ist jedoch zu erwarten, dass die Aufwendungen für den neuen Flughafen die staatliche Betreibergesellschaft unterm Strich auch 2013 ins Minus gedrückt haben. Einen Termin für die Bilanzvorlage gibt es noch nicht.

Mehdorn beteuerte, auf der Baustelle sehr bewusst mit dem Steuergeld umzugehen. „Hier wird nichts vermasselt, nichts verschleudert.“ Den Anwohnern in den rund 25 000 berechtigten Haushalten versprach der Flughafenchef: „Bis der Flughafen ans Netz geht, werden wir alle mit Schallschutz versorgt haben.“

Beim Antritt vor einem Jahr hatte Mehdorn gefordert, den Flughafen Tegel nach dem Start des neuen Hauptstadtflughafens für Geschäfts- und Charterflieger offen zu halten. Angesichts großen Widerstands spricht Mehdorn davon aber seit Monaten nicht mehr. Jetzt stellte er zu Tegel klar: „Dass er geschlossen wird, sechs Monate später.“

Von

dpa

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