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21.10.2013

15:58 Uhr

Mehr Freiheit für Post

Briefporto könnte erneut steigen

Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post mehr Spielraum für Portoerhöhungen geben. Damit könnten Briefe teurer werden. Allerdings haben Verbraucherschützer und Wettbewerber auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Im Jahr 2013 war erstmals seit 15 Jahren der Preis für den Standardbrief gestiegen: von 55 auf 58 Cent. Reuters

Im Jahr 2013 war erstmals seit 15 Jahren der Preis für den Standardbrief gestiegen: von 55 auf 58 Cent.

DüsseldorfDie Verbraucher in Deutschland müssen in den nächsten fünf Jahren mit steigenden Briefpreisen rechnen. Hintergrund ist ein Vorschlag der Bundesnetzagentur, der der Deutschen Post für die kommenden fünf Jahre mehr Spielraum für Portoerhöhungen gibt als bisher.

Die Bundesnetzagentur steckt als Regulierungsbehörde für den Briefmarkt den Rahmen ab, in dem sich Erhöhungen der Briefporti der Deutschen Post ab 2014 bewegen können. Leitplanken sollen nach dem aktuellen Vorschlag die Inflationsrate sowie Produktivitätsfortschritte der Post sein, die die Bundesnetzagentur mit 0,2 Prozent veranschlagt - und damit niedriger ansetzt als in den vergangenen Jahren. Damit könnte der Spielraum für Portoerhöhungen steigen: Das nun über fünf Jahre festgeschriebene Produktivitätsplus wird von der Bundesnetzagentur von der Inflationsrate abgezogen. Für 2014 erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute eine Inflationsrate von 1,9 Prozent für die Bundesrepublik.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

„Die geplante Entscheidung ist Grundlage für die Festlegung der Porti der Deutschen Post AG in den nächsten fünf Jahren“, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Die Post müsse dabei mit Erhöhungen unter der Inflationsrate bleiben, unterstrich er. Der Konzern erhalte aber zugleich mehrjährige Planungssicherheit und „ausreichend Spielraum, einen leistungsfähigen Universaldienst“ aufrechtzuerhalten. „Wenn es so bliebe, haben wir einen größeren Spielraum für Preisanpassungen“, sagte ein Post-Sprecher. Die endgültige Entscheidung des Regulierers steht aber noch aus - dieser sammelt noch Reaktionen von Wettbewerbern und Verbraucherschützern ein. Erst danach dürfte die Post konkrete Vorschläge für das Porto 2014 einreichen.

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