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02.05.2013

18:44 Uhr

Mehr Geld für die Bauern

Aldi erhöht Preise für Milch und Butter

Für die Verbraucher werden Milchprodukte teurer: Die Landwirte müssen ihre höheren Kosten decken. Molkereien können dank der Weltmarktnachfrage höhere Preise durchsetzen. Aldi ist Vorreiter.

Ein Milchtropfen in Großaufnahme: Molkereien haben höhere Preise durchgesetzt. dpa

Ein Milchtropfen in Großaufnahme: Molkereien haben höhere Preise durchgesetzt.

DüsseldorfMilch, Butter, Schlagsahne und Quark: Auf die Verbraucher in Deutschland kommen bei einer Reihe von Milchprodukten deutlich steigende Preise zu. Aldi Süd und Aldi Nord vollzogen am Donnerstag Preiserhöhungen. Bei Aldi Süd machen sie in der Spitze 21 Prozent bei Butter aus. Der Discounter verwies auf gestiegene Rohstoffpreise, die an die Kunden weitergeben werden müssten. Aldi Nord begründete die Preiserhöhung auf Anfrage mit der „aktuellen Marktsituation“.

An Aldi-Preisen orientieren sich Supermarkt-Riesen in der untersten Preislage. Daher wird erwartet, dass sie nachziehen. Es hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Molkereien bei der jüngsten halbjährlichen Verhandlungsrunde über Milch am längeren Hebel sitzen. In Asien ist derzeit die Nachfrage nach europäischen Milchprodukten hoch.

So verteilen sich die Aldi-Filialen über die Welt

Deutschland

Den Heimatmarkt haben sich Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt. Hier hat Aldi Nord deutlich mehr Filialen. Das Unternehmen mit Sitz in Essen kommt auf rund 2500 Geschäfte. Aldi Süd mit Sitz in Mülheim an der Ruhr kommt auf mehr als 1800 Filialen.

Australien

Auf mehr als 295 Geschäfte kommt Aldi Süd in Australien. Seit dem Jahr 2001 hat das Unternehmen dort die Expansion vorangetrieben.

Belgien

In Belgien ist Aldi seit dem Jahr 1976 vertreten. Aldi Nord betreibt im Benelux-Land mehr als 440 Filialen.

Dänemark

Unter dem Namen „Aldi Marked“ gibt es Aldi Nord auch in Dänemark. Der Markteinstieg erfolgte 1977, heute kommt Aldi im Nachbarland auf mehr als 230 Filialen.

Frankreich

Eins der größten Aldi-Länder ist Frankreich. Aldi Nord ist dort seit 1988 aktiv und betreibt mehr als 920 Filialen unter dem Namen „Aldi Marché“.

Irland

Den Einstieg auf der grünen Insel wagte Aldi erst 1999. In Irland ist Aldi Süd vertreten und zählt dort mittlerweile mehr als 95 Filialen.

Großbritannien

Mehr als 470 Filialen hat Aldi Süd in Großbritannien. Seit 1990 ist der Discounter dort vertreten.

Luxemburg

Im kleinen Benelux-Land ist Aldi seit dem Jahr 1991 vertreten. Aldi Nord zählt in Luxemburg ein Dutzend Geschäfte.

Niederlande

Die Niederlande waren das erste Land, in das Aldi Nord expandiert. Seit dem Jahr 1973 sind dort mehr als 500 Filialen entstanden.

Österreich

Aldi Süds Markteintritt in Österreich erfolgte bereits 1968. In der Alpenrepublik hat der Discounter mehr als 440 Filialen, die dort „Hofer“ heißen.

Polen

Relativ neu ist Aldi in Polen. Im Nachbarland ist Aldi Nord erst seit 2008 vertreten. Mittlerweile haben dort mehr als 70 Filialen geöffnet.

Portugal

Mehr als 30 Geschäfte betreibt Aldi Nord in Portugal. Dort ist der Discounter seit dem Jahr 2006 aktiv.

Schweiz

Man glaubt es kaum, aber die Schweiz ist erst seit wenigen Jahre „Aldi-Land“. Seit 2005 expandiert Aldi Süd in die Alpenrepublik. Dort gibt es inzwischen mehr als 160 Filialen, die unter „Aldi Suisse“ laufen.

Slowenien

Slowenien ist Aldi Süd-Land. Dort ist die Kette seit dem Jahr 2005 aktiv. Mehr als 65 Filialen gibt es mittlerweile unter dem Namen „Hofer“.

Spanien

Im Krisenland Spanien eröffnete die erste Aldi-Filiale im Jahr 2002. Aldi Nord kommt dort inzwischen auf mehr als 260 Geschäfte.

Ungarn

In Ungarn ist Aldi Süd noch nicht allzu lange vertreten. Im Jahr 2008 erfolgte der Markteintritt. Inzwischen kommt Aldi dort auf die Zahl von mehr als 85 Geschäften.

USA

Nach Deutschland sind die USA das Aldi-Land mit den meisten Filialen. Aldi Süd ist dort seit 1976 vertreten und betreibt mehr als 1230 Filialen. Dazu kommen rund 470 Filialen von Aldi Nord, die dort Traeder Joe's heißen.

Quelle: Unternehmen, Stand: 4. April 2013

Trinkmilch der untersten Preislage wird nach Einschätzung von Discountexperte Matthias Queck damit so teuer werden wie seit Jahren nicht mehr. Aldi Süd und Aldi Nord hoben nach eigenen Angaben den Preis für die günstigste Frischmilch um fünf Cent je Liter auf 59 Cent (1,5 Prozent Fett) beziehungsweise 65 Cent (3,5 Prozent Fett) je Liter an. Das entspricht einem Preisanstieg in der untersten Preislage um gut neun beziehungsweise gut acht Prozent. Ein Rekordpreis stellen die neuen Preise laut Queck aber nicht da: Im längerfristigen Vergleich ragten der Winter 2007/2008 mit 73 Cent je Liter und der Sommer 2008 mit 68 Cent je Liter bei der günstigsten Milch (3,5 Prozent Fett) heraus.

„Neben Milch wurde auch Butter teurer und verschiedene, aber nicht alle nahen Produkte wie Schlagsahne und Quark“, sagte der Experte vom Handelsinformationsdienst Planet Retail. Aldi Süd bestätigte das und listete mit Verweis auf steigende Rohstoffpreise auf: Ab Donnerstag koste beispielsweise Bio-ESL-Milch (1 Liter, 1,5 %) 0,95 Euro (alter Verkaufspreis: 0,89 Euro) und Butter 1,15 Euro statt bisher 0,95 Euro. Moderat ist der Preisanstieg dagegen bei der Schlagsahne (200 g), deren Preis von von 0,42 Euro auf 0,45 Euro anzieht und beim Speisequark (250 g), der um 3 Cent teurer wird. Queck geht davon aus, dass andere Discounter und Supermärkte nachziehen.

Die Milchlieferverträge zwischen den einzelnen Molkereien und Handelskonzernen werden in der Regel für ein halbes Jahr geschlossen. In der zurückliegenden Runde im vergangenen Herbst hatten Molkereien bereits höhere Preise durchgesetzt. Aldi Süd hob Anfang November 2012 den Milchpreis im Laden um 9 Cent je Liter an. Aldi Süd geht mit dem selbstständigen Schwesterunternehmen Aldi Nord üblicherweise im Gleichschritt vor. Aldi Nord äußerte sich am Donnerstag allerdings nicht zu den Preise bei Frischmilch und anderen Milchprodukten.

Als Hintergrund der steigenden Preise sehen Branchenkenner die Nachfrage auf dem Weltmarkt: „Der Hauptgrund ist die nach wie vor sehr gute Nachfrage auf dem europäischen und internationalen Parkett“, sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, Rudolf Schmidt. Vor allem in Asien sei die Nachfrage groß. Nicht nur die klassischen Exportprodukte Milchpulver, Butter und Käse liefen gut. „Neu ist, dass H-Milch nicht nur in Europa nachgefragt wird, sondern inzwischen auch auf Schiffe geladen wird“, verdeutlichte er. Einzelne Molkereien verschifften Milch in Tetrapaks containerweise nach China. Auch in anderen Ländern wie Indien und Vietnam seien Milchprodukte aus Europa derzeit gefragt.

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hatte die steigenden Milchpreise erwartet. „Die Erhöhung ist überfällig“, sagte der Sprecher des Verbandes, Hans Foldenauer, vor zwei Wochen der dpa. Zum einen hätten die Milchpreise der Marktlage folgend bereits in den vergangenen Monaten steigen müssen. Zum anderen könnten mit einer solchen Anhebung die kräftige Kostensteigerungen insbesondere bei Energie und Futtermittel noch nicht völlig ausgeglichen werden. Der Verband ging davon aus, dass auch der Käsepreis tendenziell steigt.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Wandering

02.05.2013, 18:09 Uhr

Wenn die Nahrungsmittel in den Tanks und in Biogasanlagen verschwinden, übrigens eine Todsünde!, muss sich keiner mehr über weiter steigende Preise wundern. Den Murks hat die Politik eingeführt. Damit ist sie unfähig und nicht mehr wählbar.

Account gelöscht!

02.05.2013, 18:28 Uhr

Was immer auch vorgeht, die EZB wird jede Deflation entschieden bekaempfen. Der Konsument sollte froh sein, dass Aldi hier der EZB bei der Deflationsbekaempfung hilft. Nichts gegen Aldi - die haben sicherlich ihre berechtigten Gruende, wie unzaehlige andere auch. Es wird ja nichts billiger wie wir alle sehen und die Preissteigerungen sind erheblich, auch wenn die "Inflation" gering ist :-))))

Unserer Regierung ist dieses Missverhaeltnis zwischen Verbraucherleid und EZB-Politik voellig egal. Ein CDU/CSU Politiker fand sogar die noch schnellere EZB-Enteignung durch niedrigere Zinssaetze voellig angebracht. Also wer sowas waehlt...

Irgendwo sollte man seit Helmut Kohl verstanden haben, was der Euro dem EINFACHEN deutschen Buerger brachte - wenn man wollte. Aber man weigerte sich ja gar den zum Euro zu befragen ;-)

ReichtSchonLange

02.05.2013, 19:32 Uhr

Ich habe keine Nachricht darüber gelesen, dass die Bauern jetzt mehr Geld kriegen für den Liter Milch! Redaktion, bitte nachreichen!

Sollte diese Nachricht nicht existieren, werde ich den Verbrauch von Molkereiprodukten einschränken...

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