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23.06.2014

12:56 Uhr

Mehr Konkurrenz

ADAC und Post blasen zum Angriff auf die Bahn

Der Druck auf die Bahn steigt: Der ADAC Postbus will sein Streckennetz verdoppeln – und ins Ausland ausweiten. Zur Einführung locken ADAC und Post mit drastischen Preisrabatten. Die Bahn bleibt aber nicht untätig.

Der ADAC Postbus weitet sein Streckennetz deutlich aus und macht der Bahn damit immer mehr Konkurrenz. dpa

Der ADAC Postbus weitet sein Streckennetz deutlich aus und macht der Bahn damit immer mehr Konkurrenz.

Berlin/Bonn/DüsseldorfDeutsche Post und ADAC wollen künftig der Bahn noch mehr Konkurrenz machen. Die Partner teilten am Montag mit, ihr Fernbusnetz ab Mitte August zu verdoppeln. 30 weitere Ziele sollten in den Fahrplan aufgenommen werden. Auch würden dann Reisen über die Landesgrenze hinweg, etwa nach Straßburg oder Zürich, angeboten. Auf bestimmten Strecken solle sich zudem durch Expressverbindungen die Reisezeit verkürzen. Insgesamt verbinde der ADAC Postbus ab August auf 15 Linien 60 Städte miteinander. Zur Einführung des neuen Fahrplans gibt es bis Ende Juli 30 Prozent Rabatt auf Tickets zu einem der neuen Ziele.

Kunden schätzen Fernbusse als günstige Alternative zur Bahn, eigenem Auto oder Flieger. Aber die Konkurrenz ist mittlerweile groß. Seit der Öffnung des Fernbusmarktes Anfang 2013 steigt die Zahl der Anbieter stetig an. Nachdem lange nicht klar war, ob ein gemeinsames Konzept zustande kommt, starteten Post und ADAC im November gemeinsam die ersten Fernbusse auf die Straße.

Die wichtigsten Fragen zum Fernbus

Welche Linien fahren welche Städte an?

In Deutschland gibt es Busgesellschaften, die zum Teil nur einzelne Fernbuslinien bedienen, während andere Anbieter fast alle großen Städte des Landes und auch Ziele im europäischen Ausland ansteuern. Alle Routen und ihre Preise zu vergleichen, ist für den Reisenden fast unmöglich.

Wo kann man Fahrkarten kaufen?

Fahrkarten für den Fernbus können bei den jeweiligen Busgesellschaften erworben werden. Am einfachsten geht das über deren Internetseiten. Einige Anbieter verkaufen ihre Tickets auch über Reisebüros oder andere Verkaufsstellen in größeren Städten.

Was kosten Fernbus-Karten?

In der Regel ist die Fahrt mit dem Fernbus günstiger als mit allen anderen Verkehrsmitteln – selbst mit der Bahn. Wer direkt beim Anbieter bucht, geht meist sicher, dass er den günstigsten Fahrpreis zahlt. Reist man mit mehreren Personen, ist mitunter auch eine Gruppenermäßigung drin.

Wo findet man Sparangebote und Aktionen?

Der zunehmende Wettbewerb zwischen den Anbietern von Fernbusfahrten kommt dem Kunden zugute. Sie profitieren von Spar- und Aktionspreisen sowie Rabatten, beispielsweise für Frühbucher. So sind Fahrpreise von wenigen Euro selbst für lange Strecken keine Seltenheit. Zu finden sind die Angebote auf den Internetseiten der Busgesellschaften.

Sind Fahrkarten übertragbar?

Je nach Anbieter können bereits gekaufte Fahrkarten auf einen anderen Namen ausgestellt werden. Dabei kann eine Gebühr anfallen, insbesondere wenn die Änderung des Namens kurzfristig erfolgt.

Lassen sich Karten umbuchen oder stornieren?

Häufig ist eine Umbuchung auf eine andere Zeit – zum Teil auch kostenlos – möglich, allerdings unterscheiden sich die Bedingungen der Anbieter in Bezug auf die Gebühren und auch den Zeitraum, indem eine Umbuchung möglich ist. Eine Stornierung ist wie die Buchung meist problemlos über das Internet möglich, jedoch fällt hier meist eine Stornogebühr an.

Wie viel Gepäck ist erlaubt?

Üblich im Fernbus sind Gewichte und Mengen wie beim Fliegen, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern. Reist man mit mehr als nur Handgepäck, empfiehlt es sich daher, vor Fahrtantritt genauerer Informationen bei der jeweiligen Busgesellschaft einzuholen. Schwere und sperrige Gegenstände wie Sportgeräte, Musikinstrumente oder große Koffer können meist gegen eine zusätzliche Gebühr mitgenommen werden. Rollstühle und Kinderwagen fahren kostenlos mit. Wichtig: Sperrgepäck rechtzeitig anmelden!

Darf ein Fahrrad mit?

Manche Busgesellschaften erlauben die Mitnahme eines Fahrrades. Dafür fallen in der Regel Extra-Kosten von einigen Euro an.

Darf ein Haustier mit?

Das Mitnehmen von Haustieren ist meist nicht erlaubt. Davon ausgenommen ist das Mitführen eines Blindenhundes.

Sind Fernbusse barrierefrei?

Im Zuge der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes wurde auch die Barrierefreiheit von Fernbussen beschlossen. Demnach muss jeder Fernbus mit zwei Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet sein. Allerdings wurde den Busgesellschaften eine Übergangsfrist bis 2016 eingeräumt. Bereits angeschaffte Busse müssen gar erst 2019 barrierefrei sein.

Bekommen Schwerbehinderte Ermäßigungen?

Gegen Vorlage eines Schwerbehindertenausweises gewähren die Busgesellschaften Ermäßigungen. Rollstühle, orthopädische Hilfsmittel wie Krücken und ggf. eine Begleitperson dürfen kostenlos mit an Bord. Voraussetzung ist natürlich ein entsprechender Nachweis sowie eine rechtzeitige Anmeldung.

Quelle

Mit den neuen Zielen ändern sich den Angaben zufolge auch Abfahrts- und Ankunftszeiten, sie seien „besser auf das Reiseverhalten der Fahrgäste abgestimmt“. Die Busse sollen nach Angaben von Postbus-Geschäftsführer Joachim Wessels häufiger am Donnerstag, Freitag, und an Wochenenden und seltener von Montag bis Mittwoch unterwegs sein.

Die Deutsche Bahn bleibt aber nicht untätig. So bieten die Fernbusse der Deutschen Bahn ab sofort auch die Fahrradmitnahme an, wie das Unternehmen Berlinlinienbus am Montag in Berlin mitteilte. 100 Busse seien mit Radträgern ausgestattet worden, sie könnten jeweils drei Räder transportieren. Die Mitnahme kostet demnach zehn Euro und muss spätestens vier Tage vor der Abfahrt online, im Reisebüro oder telefonisch unter 030-3384480 gebucht werden. E-Bikes, Pedelecs oder Tandems könnten allerdings nicht befördert werden.

Busunternehmern in Deutschland dürfen seit rund eineinhalb Jahren in großem Stil Linienverkehr für Fernstrecken anbieten. Mittlerweile sind 40 Unternehmen aktiv, die aktuell knapp 170 Linien anbieten. Im vergangenen Jahr waren Schätzungen zufolge rund neun Millionen Reisende im Fernbus unterwegs. Laut einer Marktstudie des Forschungs- und Beratungsinstituts IGES rangierte der Postbus zuletzt nur auf Platz vier. Größter Anbieter ist demnach Mein Fernbus gefolgt vom Angebot der Deutschen Bahn (Berlin-Linien-Bus) und dem Unternehmen Flixbus.

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Kommentare (5)

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23.06.2014, 14:00 Uhr

Wie kann es sein, dass die DB von Frankfurt nach Köln teurer ist als ein Bus der parallel zur Autobahn genau die gleiche Strecke fährt? Die Sonderpreise der DB muss man erst mal finden, sollen wahrscheinlich auch gar nicht in Anspruch genommen werden, dienen nur als Lockangebote, solange der (kleine) Vorrat reicht.
Wenn dabei der Bus knacke voll und der Zug halbleer ist, dann muss der Bahn doch was einfallen, oder auch nicht? Tut es aber nicht. Pofalla wird es sicher richten, der war bisher ja auch intensiv mit solchen Themen beschäftigt, außer wenn er sich von der NSA an der Nase herumführen ließ. Ab einem gewissen Managemnetniveau ist aber Sachkenntnis wahrscheinlich sowieso eher hinderlich, da zählen dann eher die Verbindungen zu Mutti. Bis dann die vollen Busse links und rechts vorbeifahren. Wie sagte der unsägliche Mehdorn doch: "Auf manchen Strecken transportieren wir nur warme Luft." Als Hellseher ist er vielleicht zu gebrauchen, sonst weniger, siehe DB und BER.

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23.06.2014, 15:44 Uhr

Sie haben über den Sparpreisfinder der Bahn immer die Möglichkeit, sich eine passende günstige Verbindung herauszusuchen. Je früher Sie buchen, umso eher kommen Sie an einen solchen günstigen Sparpreis heran. Die Vorausbuchungsfrist dauert 92 Tage. Zur tagesgenauen Berechnung können Sie auch die Firstbooker-App benutzen. Setzen Sie noch die Bahncard 25 ein, da gibt es dann 25% Rabatt auf Spar- und Normalpreis. Das kann den Kauf der Karte lohnen, wenn Sie etwas häufiger mit der Bahn fahren.

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23.06.2014, 16:21 Uhr

"Wie kann es sein, dass die DB von Frankfurt nach Köln teurer ist als ein Bus der parallel zur Autobahn genau die gleiche Strecke fährt?"

Die Fernbusanbieter fahren mit Verluste. Plus die Bahn wird vom Steuerzahler subventioniert. Auf lange Sicht haben 90% der Fernbusanbieter keine Chance.

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Die meisten Anbieter machen indessen wegen des harten Preiskampfes immer noch Verluste. „Es gibt kein Unternehmen, das Geld verdient“, sagt Donker van Heel, ohne Zahlen zu nennen. Laut dem Branchenreport „ÖPNV aktuell“ hat City2City in den ersten beiden Betriebsjahren Verluste von sieben Millionen Euro einkalkuliert.

http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Fernbusse-Ruinoeser-Preiskampf
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