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24.11.2016

16:27 Uhr

Mehr Konkurrenz für die Bahn

Deutschland im falschen Takt

VonDieter Fockenbrock

Mehr Verkehr auf die Schiene – acht Verbände fordern gemeinsam die Politik auf, das Schienennetz für den Taktverkehr aufzurüsten und die Schienenmaut zu halbieren. Das hätte gravierende Folgen für eine Bahn-Tochter.

Verkehrsverbände fordern von der Politik Maßnahmen, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. AP

Der Bahnverkehr soll attraktiver werden

Verkehrsverbände fordern von der Politik Maßnahmen, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen.

DüsseldorfBahnfahren in Deutschland ist unattraktiv. Die Folge: Zu viele Menschen blockieren täglich mit ihren Autos die Straßen und Autobahnen. Acht Verkehrsverbände haben deshalb jetzt erstmals gemeinsam in einem Papier Forderungen an die Politik formuliert, den Bahnverkehr in Deutschland attraktiver zu machen – besonders im Personennahverkehr: Sowohl mit eine besseren Taktung als auch durch die Halbierung der sogenannten Trassenmaut.

Doch gerade die Umsetzung der zweiten Forderung hätte gravierende Folgen für die Bahntochter DB Netz AG, die das 33.000 Kilometer umfassende deutsche Schienennetz betreibt. DB Netz erzielte zuletzt 4,8 Milliarden Euro Umsatz mit Nutzungsentgelten. Bei einer Halbierung könnten gerade noch die Personalkosten gedeckt werden, Investitionen in Instandhaltung und Reparatur allerdings nicht mehr. Die Verbände verlangen deshalb, dass der Bund „mehr Finanzverantwortung“ übernehmen und zusätzliche Haushaltsmittel bereitstellen müsse.

Was die Fernreise kostet

Neue Angebote ab August

Die Deutsche Bahn setzt in den Sommerferien ihre Preisschlacht gegen Fernbusse und Billigflieger fort. Die Strategie zeigt bei den Kunden offenbar Wirkung – für das erste Halbjahr 2016 meldete die Bahn am Mittwoch einen neuen Fahrgastrekord im Fernverkehr mit 66,7 Millionen Fahrgästen. Allerdings wird für Bahnfahrer mancher Service ab August auch teurer.

Sparpreis-Rabatt auch bei Bahncard50

Auch Kunden mit einer BahnCard 50 bekommen ab 1. August dauerhaft einen Rabatt von 25 Prozent auf Sparpreise im Fernverkehr. Dies war bisher regulär Inhabern einer BahnCard 25 vorbehalten.

Sparpreise für 19 Euro noch bis Ferienende

Eigentlich fangen die Sparpreise bei der Deutschen Bahn bei 29 Euro an. Sie lockt aber immer wieder für einen begrenzten Zeitraum mit 19-Euro-Angeboten. Diese Aktion wird nun noch einmal verlängert: 19-Euro-Sparpreise gibt es auf Fernstrecken noch bis zum 12. September, also bis zum Ende der Sommerferien.

Keine Sparpreis-Erstattung am Reisetag

Sparpreis-Tickets können ab August nur noch bis zum Tag vor der Abfahrt umgetauscht oder erstattet werden. Bisher war dies auch am Tag der Reise noch möglich. Allerdings führte diese Regelung dazu, dass gerade am Reisetag viele Tickets zurückgegeben wurden. Dem schiebt die Bahn nun einen Riegel vor.

Höherer Zuschlag für Ticketkauf im Zug

Wer erst im Zug ein Ticket kauft, muss ab August einen Bordzuschlag von 12,50 Euro zahlen – fünf Euro mehr als bisher. Damit will die Deutsche Bahn den Fahrkartenverkauf per Smartphone ankurbeln, der quasi bis wenige Sekunden vor Abfahrt möglich ist. Zudem soll das Bordpersonal mehr Zeit für Service bekommen. Allerdings kauft nach Angaben des Unternehmens ohnehin nur etwa ein Prozent der Kunden die Fahrkarte erst im Zug.

Teurere Reservierungen in der ersten Klasse

Beim Kauf einer Fahrkarte für die erste Klasse bleibt die Sitzplatzreservierung inklusive; Besitzer der BahnCard100 für die erste Klasse bekommen hundert Freireservierungen. Doch wer nur reserviert, ohne ein Ticket zu kaufen, muss dafür ab August 5,90 Euro statt bisher 4,50 Euro zahlen. Damit will die Bahn unterbinden, dass reservierte Sitzplätze am Ende nicht in Anspruch genommen werden.

Die Verkehrsverbände sorgen sich dabei um die Wettbewerbsfähigkeit der Eisenbahn. Kosten und Preise werden als entscheidender Faktor im Konkurrenzkampf gegen Busse, Luftverkehr und vor allem Pkw gesehen.
Das Thema wird seit einiger Zeit auch in politischen Kreisen diskutiert. Hohe Entgelte für die Nutzung von Strecken und Bahnhöfen werden als ein Grund dafür angesehen, dass der Schienenverkehr nicht konkurrenzfähig ist.

Sie machen etwa ein Drittel der Kosten eines Bahnbetreibers aus. Und davon gibt es inzwischen Dutzende neben der Deutschen Bahn selbst. Private Unternehmer wickeln etwa ein Drittel des Güterverkehrs ab, knapp 30 Prozent des Schienenpersonennahverkehrs fährt unter der Regie von Eisenbahngesellschaften wie Abellio, Keolis oder Transdev.

Hohe Priorität erhält auch der Deutschland-Takt – ein besseres Zusammenspiel zwischen Nah- und Fernverkehr, damit Reisezeiten deutlich verkürzt werden. Davon versprechen sich die Verkehrsverbände vor allem mehr Attraktivität für den Personenverkehr. Das sei „der entscheidende Baustein für eine Verkehrswende“, heißt es in dem Papier. Neben dem Personen- werde aber auch der Güterverkehr davon profitieren.

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