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04.05.2017

09:20 Uhr

Mehr Umsatz, mehr Gewinn

Adidas startet fulminant ins Jahr

VonJoachim Hofer

Adidas übertrifft mit seinem Jahresstart die Erwartungen der Analysten bei weitem. Der Umsatz schießt um fast ein Fünftel in die Höhe. So soll es weiter gehen, wenn es nach dem neuen Chef Kasper Rorsted geht.

Umsatzzahlen bei Adidas

Adidas will noch höher hinaus – Aber es gibt Zweifel, ob das gelingen kann

Umsatzzahlen bei Adidas: Adidas will noch höher hinaus – Aber es gibt Zweifel, ob das gelingen kann

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MünchenDeutschlands größter Turnschuh-Hersteller ist glänzend in Form. Im ersten Quartal ist der Umsatz von Adidas um fast ein Fünftel auf knapp 5,7 Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Der Gewinn ist sogar um 30 Prozent auf 455 Millionen Euro geklettert. Damit hat Vorstandschef Kasper Rorsted die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen.

„Wir haben weltweit eine sehr gute Nachfrage nach unseren Produkten erlebt“, betonte Rorsted am Donnerstagmorgen. „Daher konnten wir unsere Profitabilität, trotz anhaltender negativer Währungsentwicklungen, erneut steigern.“ Der 55-Jährige führt den Dax-Konzern erst seit Herbst.

Adidas-Konkurrent macht Verlust: Under Armour stürzt ab

Adidas-Konkurrent macht Verlust

Under Armour stürzt ab

Under Armour ist katastrophal ins neue Jahr gestartet: Das Umsatzplus des Adidas-Konkurrenten fällt bescheiden aus, unterm Strich steht der erste Verlust seit dem Börsengang. Die Investoren sind trotzdem erleichtert.

Am stärksten aufwärts ging es in Nordamerika. Zwischen New York und Los Angeles kletterte der Umsatz um knapp ein Drittel auf fast eine Milliarde Euro. Damit hat Adidas den amerikanischen Rivalen Under Armour weit hinter sich gelassen. Zeitweise hatte die ambitionierte Marke aus Baltimore Adidas von Rang zwei auf dem amerikanischen Sportmarkt verdrängt. Zuletzt stagnierten die Erlöse von Under Armour auf dem Heimatmarkt jedoch. Der größere US-Konkurrent Nike hatte von Dezember bis Februar nur fünf Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet und Gewinneinbußen hinnehmen müssen.

In einer Mitteilung von Adidas heißt es, vor allem die Modelinien Adidas Originals und Neo seien zu Jahresbeginn gefragt gewesen. Außerdem sei das Plus auf höhere Umsätze im Laufsport und bei Outdoor-Ausrüstung zurück zu führen. Auch die angeschlagene US-Tochter Reebok habe zugelegt, wenn auch nicht so stark wie die Kernmarke Adidas.

Die Baustellen von Adidas

Anspruchsvolles Erbe

Für den Sportartikelkonzern Adidas läuft es zur Zeit richtig gut. So gut, dass sich der seit rund einem halben Jahr amtierende Vorstandschef Kasper Rorsted schon des Öfteren die Frage gefallen lassen musste, ob es nicht eine Bürde sei, die Führung eines Unternehmens zu übernehmen, das in so guter Verfassung ist. Um eine Antwort nicht verlegen, konterte der 55-jährige Däne stets mit einem Bild aus der Welt des Fußballs: Lieber trainiere er einen Club aus der Champions League als einen Verein aus der zweiten Liga. Einige Baustellen hat Rorsted indes von seinem Vorgänger Herbert Hainer geerbt.

US-Geschäft braucht weitere Investitionen

Die USA waren vor einigen Jahren noch ein Problemmarkt. Um das zu ändern, pumpte Langzeit-Chef Hainer viel Geld ins Marketing und orientierte sich stärker am Geschmack der Amerikaner. Inzwischen ist Adidas bei der jungen Zielgruppe wieder angesagt. Rorsted muss aber weiterhin viel in den USA investieren. Der Abstand zu Marktführer Nike ist noch immer gewaltig und auch die anderen Konkurrenten schlafen nicht. „Der Wettbewerb wird intensiver werden“, prophezeit Matt Powell, Analyst beim Marktforscher NPD Group. Innovative Produktionswege, Schnelligkeit und Nachhaltigkeit seien entscheidend, um langfristig Erfolg zu haben.

Unsicherheitsfaktor Trump

Welche Auswirkungen die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf deutsche Unternehmen hat ist derzeit noch ein Rätsel. Sollte es allerdings zu den befürchteten Importsteuern kommen, könnte das Adidas oder auch Puma empfindlich treffen, glaubt Julian Easthope von der britischen Bank Barclays. Die meisten Waren der Sportartikelhersteller würden in Asien hergestellt. Es sei gut möglich, dass die Konzerne erwägen, bald mehr lokal zu produzieren.

Schwebender Golf-Verkauf

Beim Verkauf der Golfmarken Taylormade, Adams und Ashworth hakt es. Anders als geplant hat Adidas derzeit noch keinen Käufer. Die Verluste der Marken seien viel höher als angenommen, schrieb die „New York Post“ vergangene Woche. Fakt ist, dass immer weniger Menschen Golf spielen, der Markt schrumpft. Adidas will sich daher auf die Produktion von Kleidung und Schuhen für den Sport beschränken. Die Investitionen hierfür sind deutlich geringer als diejenigen für die Entwicklung neuer Schläger oder Bälle.

Ungewisse Reebok-Zukunft

Der Druck auf die Fitness-Tochter nimmt zu. Reebok wächst nur außerhalb des amerikanischen Heimatmarkts und weitaus schwächer als die Hausmarke Adidas. Seit Jahren wird spekuliert, wann sich Adidas von der 2006 zugekauften Tochter wieder trennt. Rorsted scheint zumindest ungeduldiger zu sein als sein Vorgänger. In jedem Sport müsse jedes Mannschaftsmitglied seinen Beitrag zum Gesamterfolg des Teams leisten, hatte er im Herbst gesagt und erste Einschnitte eingeleitet. Dazu gehört der Abbau von 150 Jobs. Zudem wird etwa die Hälfte der Outlets und Läden von Reebok in Nordamerika geschlossen.

Digitalisierung soll Chancen eröffnen

Rorsted will Adidas noch digitaler machen. Bereits jetzt schon vernetzt sich der Konzern mit seinen Konsumenten, studiert das Kaufverhalten und die Sportgewohnheiten, um besser auf Wünsche reagieren zu können. Digitaler heißt auch schneller. Im fränkischen Ansbach testet Adidas seit dem vergangenen Jahr Automatisierungstechniken für die Herstellung von Schuhen. In der so genannten Speed-Factory sollen Roboter eine halbe Million Paar pro Jahr fertigen. Eine weitere Anlage ist in den USA geplant. Test gab es auch kürzlich mit Klamotten. In einem Pop-up-Store in Berlin konnte man sich für kurze Zeit seinen persönlichen Pullover stricken lassen.

Quelle: dpa

Adidas ist nicht der einzige deutsche Sportkonzern, der in diesen Tagen große Erfolge bei den Konsumenten feiert. Auch der Herzogenauracher Lokalrivale Puma lässt die Muskeln spielen. Die Shirts, Shorts und Turnschuhe mit dem Raubtier-Logo waren zu Jahresbeginn begehrt wie noch nie in der 69-jährigen Geschichte des fränkischen Unternehmens. Erstmals hat Puma in einem Quartal mehr als eine Milliarde Umsatz erzielt. Der Zuwachs zwischen Januar und Ende März: satte 18 Prozent.

Das gute Geschäft sorgte im ersten Quartal auch für einen Gewinnsprung. Unterm Strich blieben knapp 50 Millionen Euro übrig, damit hat Puma-Chef Björn Gulden den Überschuss im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Für den Rest des Jahres ist Gulden zuversichtlich, aber nicht überschwänglich. Er verspricht ein Umsatzplus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern soll auf bis zu 200 Millionen Euro klettern, das entspricht einem Zuwachs von mehr als der Hälfte.

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Kommentare (8)

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Herr Marc Hofmann

04.05.2017, 08:32 Uhr

Adidas lässt auch in Billiglohnländer produzieren und ist deshalb nur noch auf Grund seines Namen (Gründung) ein Deutsches Unternehmen. Die Deutsche Gesellschaft kann sich davon wenig kaufen.

Herr Kuno van Oyten

04.05.2017, 09:01 Uhr

@ Herr Marc Hofmann - 04.05.2017, 08:32 Uhr - Wenn sie anscheinend schon keine Ahnung haben wie man Internationale und vor allem Nationale Qualitätsstandards einhält sollte man sich mit dümmlichen AFD Phrasen á la D.Trump gepflegt zurück halten.

Herr Marc Hofmann

04.05.2017, 10:22 Uhr

@Kuno van Oyten
Nochamal! Uns Deutschen braucht keiner etwas über Standards, Qualität, Fleiß und Leistung erzählen....das hatten und haben wir im Blut.
Die Globalisierung hingegen schafft nichts....außer eine rießen Große Spielwelt für Finanzzocker, Betrüger und Minderwertigkeitsschaffer bzw. Mehrwert Abschaffer (Schuldner ohne Wertbasis für die Zukunft).

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