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14.01.2004

07:18 Uhr

Mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, gelingt der Bahn nur in bescheidenem Umfang

Eher Selters statt Sekt

VonEberhard Krummheuer

Zehn Jahre nach ihrem Start feiert die Deutsche Bahn AG am Mittwoch ihren bescheidenen Geburtstag. Denn Pleitenserien bei neuen Fahrzeugen, gravierende Probleme mit der Pünktlichkeit und der Reinfall mit dem neuen Preissystem haben das Image des einst als "Unternehmen der Zukunft" gestarteten Konzerns ramponiert.

BERLIN. Unter funkelnden Kristalllüstern im Ballsaal des neuen Berliner Luxushotels Ritz Carlton leistet sich die Deutsche Bahn AG heute zu ihrem zehnjährigen Bestehen ein wenig von dem Glanz, der ihr im grauen Alltag sonst eher abgeht. Festredner im noblen Ambiente mit Marmor und Edelhölzern, direkt neben der Bahn-Zentrale am Potsdamer Platz, ist der oberste Dienstherr – Bundeskanzler Gerhard Schröder. Den Eisenbahnern selbst ist nicht unbedingt zum Feiern zumute. Das Zehnjährige, so Norbert Hansen, Chef der größten Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, sei „kein Anlass, in Jubel auszubrechen“.

Mehr Verkehr auf die Schiene holen – das war das große Ziel der Bahnreform. Die Behördenbahnen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn wurden abgeschafft. Als privatwirtschaftlich organisierter Verkehrskonzern sollte die „neue Bahn“ einen hohen Anteil des wachsenden Verkehrsaufkommens von der Straße auf die Schiene umlenken.

Doch da ist eher Selters als Sekt angesagt. Im Personenverkehr stieg das Aufkommen Bahn-Berechnungen zufolge von 1993 bis 2003 um magere 11 %, im Güterverkehr immerhin um rund ein Fünftel – bei nur bescheidenen Marktanteilen. Marktwachstum gab es nach milliardenschwerer Sanierung und Angebotsverbesserungen mit neuen Zügen und besseren Fahrplänen lediglich im Schienennahverkehr – aber auch nur von 6,3 auf 9 %.

Besser sehen lassen kann sich die finanzpolitische Bilanz. Unaufhörlich waren die alte Bundesbahn und die marode Reichsbahn der DDR immer tiefer in die roten Zahlen gefahren. Im politischen Bonn galten sie bereits als „Haushaltsrisiko“. Zum Jahresende 1993 hinterließen sie einen Schuldenberg von 66 Mrd. DM, knapp 34 Mrd. Euro. Hochrechnungen des Bundesverkehrsministeriums prognostizierten seinerzeit, dass die Behördenbahnen bis 2003 die Belastungen des Bundeshaushaltes auf über 290 Mrd. Euro getrieben hätten.

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