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02.01.2007

17:40 Uhr

Mehrwertsteuererhöhung

Runter mit den Preisen

Damit die Läden trotz Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht leer stehen, starten viele Einzelhändler mit Rabattaktionen anstatt mit Preiserhöhungen ins neue Jahr. Doch vom Tisch ist die befürchtete Verteuerung deshalb noch lange nicht.

Rabatte locken verängstigte Verbraucher in die Geschäfte. Foto: dpa Quelle: dpa

Rabatte locken verängstigte Verbraucher in die Geschäfte. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Wie schon in den Vorjahren senkten viele Händler nach dem Weihnachtsgeschäft ihre Preise. „Was wir vorausgesagt haben, ist jetzt eingetreten: Der Handel kommt wieder mit massiven Rabattangeboten,“ sagte am Dienstag der Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherschützer, Christian Fronczak. In vielen Fällen hätten Händler die Steuererhöhung aber schon vor Wochen auf die alten Preise draufgeschlagen, fügte er hinzu. Zum 1. Januar ist die Mehrwertsteuer auf 19 von 16 Prozent gestiegen.

Die Deutschen würden dies erst im Februar stärker zu spüren bekommen, sagte der Sprecher Hauptverband des Deutschen Einzelhandels Hubertus Pellengahr am Dienstag in Berlin. Nur etwa ein Drittel der Unternehmen könne die Steigerung jetzt direkt an die Konsumenten weitergeben: „Zwei Drittel müssen Einzelhandel und Industrie selbst tragen, weil der Preiswettbewerb zu scharf ist.“ Einen Preisschock werde es daher nicht geben. „Im Gegenteil: Die Unternehmen haben Probleme, die Mehrwertsteuererhöhung an die Verbraucher weiterzugeben.“ Auch die Vorzieheffekte der Steuererhöhung nannte Pellengahr gering: „Im vergangenen Jahr sind die Preise um 0,8 Prozent gestiegen, da kann keine Rede davon sein, dass nennenswerte Effekte der Erhöhung vorgezogen worden sind.“

Der größte deutsche Elektronikanbieter MediaMarkt warb für den 2. Januar mit einer Preissenkung von 19 Prozent bei Fernseh- und HiFi-Geräten. Die zum Metro-Konzern gehörenden Kaufhof-Warenhäuser verkündeten eine „Saisonräumung um bis zu 50 Prozent“, und der Rivale Karstadt versprach für die beiden ersten Wochen im Januar ebenfalls Preissenkungen um bis zu 50 Prozent. Der Mobilfunkanbieter E-Plus setzte eine Ankündigung vom Oktober um und senkte seine Nettopreise zum Jahreswechsel.

In Wiesbaden schlossen sich gut 500 Ladenbesitzer, Gastronomen und Handwerker zusammen und erklärten, ihren Kunden auch künftig nur 16 Prozent Mehrwertsteuer zu berechnen. Allerdings kassieren die Verbraucher diesen „Steuerrabatt“ nicht in bar, sondern in Gestalt von Bonuspunkten, die in Prämien umgetauscht werden können. Viele Handelsunternehmen hatten schon vor Wochen angekündigt, die Mehrwertsteuererhöhung nicht weiterzugeben. So erklärten zum Beispiel die Textilkette C&A und der Modeanbieter Esprit, die Preise unverändert zu lassen.

Handel: Umtausch trotz Steuererhöhung kein Problem

Der Umtausch von Waren, die im vergangenen Jahr gekauft wurden, verlaufe trotz der Mehrwertsteuererhöhung ohne Probleme, erklärten am Dienstag mehrere Handelsunternehmen. „Gegen Kassenbon gibt es bei uns Umtausch ohne Wenn und Aber,“ sagte ein Kaufhof-Sprecher. Die Kunden würden entweder das Geld zurückerhalten, einen Gutschein über die Kaufsumme erhalten oder eine gleichartige Ware bekommen. „Wer 2006 einen Pullover in Größe 42 gekauft hat und ihn jetzt in Größe 44 umtauscht, muss nichts draufzahlen, auch wenn dieser Pullover durch die Mehrwertsteuererhöhung teurer geworden sein sollte.“ In gleicher Weise verfährt nach eigenen Angaben Karstadt.

Ein Sprecher der Elektronik-Händlergruppe ElectronicPartner sagte, ein Geräteumtausch oder der Tausch Ware gegen Kaufpreis seien auch bei einem steuerbedingten Preisaufschlag ohne Aufpreis möglich. Der Umtausch von Weihnachtseinkäufen gehe ohnehin seit Jahren zurück. „Unsere Beobachtung ist, dass die Leute immer gezielter einkaufen und auch mehr Gutscheine oder Bargeld verschenken“, sagte der Kaufhof-Sprecher.

Die Bundeszentrale der Verbraucherschützer warnte angesichts der neuen Rabattwelle vor Spontankäufen. „Der Handel hat nichts zu verschenken und betreibt immer eine Mischkalkulation - das müssen die Verbraucher stets bedenken“, sagte Verbandssprecher Fronczak. In vielen Fällen habe der Handel die Steuererhöhung schon vorweggenommen und entweder die Preise angehoben oder die Inhaltsmengen von Produkten bei gleichem Preis verringert.

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