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18.11.2015

18:42 Uhr

Merkel besucht Lufthansa

Hoher Besuch in Krisenzeiten

VonJens Koenen

Trotz akuter Themen, Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt sich Zeit für eine Stippvisite bei Lufthansa. Konzern-Chef Carsten Spohr führt die Regierungschefin herum und präsentierte seine künftige „Hansa“

Nach der Taufe eines Airbus A380 bekommt Angela Merkel bei ihren Besuch auch eine Modelversion. Reuters

Die Bundeskanzlerin bei der Lufthansa

Nach der Taufe eines Airbus A380 bekommt Angela Merkel bei ihren Besuch auch eine Modelversion.

FrankfurtWie Europas größte Fluggesellschaft mit ihren Premium- und Billigplattformen einmal aussehen wird, kann Angela Merkel sehen, als sie in der riesigen Wartungshalle von Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen zur Taufe des 14. Airbus A380 in der Flotte schreitet. Fein säuberlich haben sich Flugbegleiter aller Airlines der Lufthansa-Gruppe auf der Gangway zum Airbus aufgebaut. Damen von Lufthansa in ihren dunkelblauen Uniformen, die Kolleginnen von der österreichischen AUA ganz in rot und daneben eine Crew der neuen Eurowings in ihrem hellblauen, an die alte PanAm erinnenden Dress.

Jedem schüttelt die Kanzlerin die Hand. Mit Champagner tauft sie dann den Airbus auf den Namen Deutschland. „Wir sind stolz auf das Deutsche in unserem Firmennamen“ schwärmt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Als er eine Begehung der Maschine vorschlägt, entfährt der Kanzlerin ein: „Kenne ich schon“. Sowieso gibt es nicht viel zu sehen. Im Flugzeuginnern ist es zappenduster. „Wir müssen sparen“, scherzt Spohr.

Zuvor hatte sich die Kanzlerin die Ausbildung bei Lufthansa angeschaut. „Macht es Spaß, hier zu arbeiten“, will Merkel von einem Auszubildenden wissen, der sich vor einem Trainingsflugzeug aufgebaut hat. „Was soll er nun schon anderes sagen“, sagt Spohr lachend. Und wie viele Sorten Kartoffelsuppe es denn so bei der Catering-Tochter LSG gebe, fragt Merkel weiter. Die Antwort geht im Gelächter unter.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Es ist ein besonderer Tag für Lufthansa. Noch nie zuvor in der Unternehmensgeschichte hat ein Kanzler den Konzern besucht. Alle sind sie gekommen, der gesamte Konzernvorstand, die Chefs von Lufthansa Cargo und AUA. Sogar Airbus-Chef Thomas Enders ist da. Eigentlich war die Visite für den April geplant – zur 60-Jahr-Feier von Lufthansa. „Doch dann kam der Absturz dazwischen, der mit Abstand schwärzeste Tag in unserer Geschichte“, sagt Spohr und bedankt sich bei Merkel für das Vertrauen in die Airline in diesen schwierigen Tagen.

Es ist nicht der einzige Schatten, der sich über den eigentlich freudigen Tag legt. Auch die Terrorattacken in Paris und die Sorge vor weiteren Angriffen sind stetig präsent. Spohr erinnert an die schreckliche Geiselnahme in einer Lufthansa-Maschine in Mogadischu vor Jahrzehnten. Diese Angst sei heute wieder da.

Air Berlin statt Lufthansa: Carsten Spohr fliegt fremd

Air Berlin statt Lufthansa

Carsten Spohr fliegt fremd

Überraschender Gast auf dem Air-Berlin-Flug AB 6209: Lufthansa-Chef Carsten Spohr musste wegen des Streiks der Flugbegleiter auf die Konkurrenz ausweichen. Mit seinem Sitzplatz zeigte sich der Manager durchaus zufrieden.

Merkel wiederum betont die enorme Hilfsbereitschaft, „die wir in unserem Nachbarland“ beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen erfahren haben. „Wie nahe Deutschland und Frankreich zusammenstehen, das zeigt sich gerade in solchen bitteren Schicksalstagen und auch jetzt wieder“, sagt die Kanzlerin. Die Terrorangriffe in Paris seien ein feiger Anschlag auf „unser aller freiheitliches Leben“ und verlangten nach einer harten Antwort. „Freiheit trotzt jedem Attentat“, ruft Merkel und erntet kräftigen Beifall.

Doch es geht auch um Lufthansa. Bei allem Stolz, mit der Spohr der Kanzlerin die „Hansa“ zeigt, er macht kein Geheimnis daraus, dass sich der Konzern in einer schwierigen Phase befindet. Mitarbeiter würden, wie auch die Bürger, Veränderungen nur zögerlich annehmen, sagt Spohr. Das wisse die Kanzlerin sicher aus eigener Erfahrung. „Wir führen diese Diskussion in den letzten Monaten leider sehr oft auf dem Rücken der Passagagiere“, räumt Spohr mit Blick auf die neuen Streikdrohungen der Flugbegleiter ein Die Kanzlerin nickt und antwortet: „Ich wünsche Ihnen kluge Lösungen für alle internen Konflikte.“

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