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18.01.2014

16:47 Uhr

Messe Boot 2014

Größer, schöner, teurer

VonCaroline Lindekamp

Luxus geht immer. Selbst in der Krise kaufen Superreiche noch ein, während Alltagsprodukte im Regal liegen bleiben. Die Schifffahrtsbranche ist da keine Ausnahme. Sie krankt seit Jahren – mit Ausnahme des Luxussegments.

Luxusyachten soweit das Auge reicht: Die Boot in Düsseldorf hat seit Samstag geöffnet. dpa

Luxusyachten soweit das Auge reicht: Die Boot in Düsseldorf hat seit Samstag geöffnet.

DüsseldorfFür den flauschigen Teppichboden und die glänzenden Holzpaneelen zieht der ehrfürchtige Besucher beinahe ohne Aufforderung rücksichtsvoll die Schuhe aus. Die 30 Meter lange Motoryacht Princess 98 ist der Star der Schifffahrtsmesse Boot, die am Samstag in Düsseldorf eröffnet hat. Die Messe bietet einen Einblick in die Welt der Superreichen – und die Lage der Branche steht für ein Phänomen, das weit über den Bootsbereich hinausgeht.

Vorbei am Steuerraum geht es in die Master-Suite. Dort wartet ein aufgeplustertes Bett mit bestickten Kissen auf seinen neuen Besitzer – der Raum erinnert eher an ein Sternehotel als an eine beengte Bootskabine. Vom Sonnendeck der Yacht der britischen Princess-Werft schweift der Blick durch die Halle 6. Die Halle ist ein Highlight der Boot, das sich wohl die wenigsten Besucher entgehen lassen werden: die Ausstellung der „Superyachten“, wie der Veranstalter die Schiffe im Programm ankündigt.

Doch was bei der größten Schifffahrtsmesse die Augen der meisten Besucher zum Leuchten bringt, ist im Yachtbau erst der Anfang vom Luxus. Neben der Halle 6 stellen sich in der kleineren Halle 7a bei der „Super Yacht Show“ die Ausstatter der gehobenen Luxusklasse vor, die exklusiven Yachtbauprojekte jenseits der 50 Meter.

Inmitten der Info-Stände von Designern, spezialisierten Innenausstattern, einem Hersteller für edle Zeitmesser oder Segeltuch der Extraklasse der Stand der Deutsche Yachten, einer Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes (DBSV). Seit rund 15 Jahren schließen sich in ihr Firmen aus dem Spektrum des deutschen Yachtbaus und der Zulieferindustrie zusammen; nach eigenen Angaben ist sie mittlerweile eine eigenständige Qualitätsmarke in der Yachtindustrie.

„Bei 40 bis 50 Millionen fängt der Spaß an. Hinzukommen kommen jährlich rund 10 Prozent des Kaufpreises an Unterhaltskosten“, sagt Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer der Deutsche Yachten zu den üblichen Preisen in diesem Super-Luxus-Segment. Zum Vergleich: Die Princess 98 in der Halle nebenan gibt’s schon für 6,9 Millionen Euro.

Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer der Deutsche Yachten.

Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer der Deutsche Yachten.

Während der Großteil des maritimen Marktes seit 2008 schwächelt, kommt das gehobene Luxussegment gut durch die Krise. 3500 bis 4000 feste Arbeitsplätze garantiert Meyer zufolge dieser Luxussektor in Deutschland: „Jahrelang wurde das Segment hierzulande unterschätzt, aber der Großyachtbau ist ein entscheidender Bestandteil der maritimen Industrie in Deutschland.“ Er mache mittlerweile 25 Prozent des gesamten Schiffbaus in der Republik aus – anteilig gestiegen vor allem wegen des Rückgangs in anderen Bereichen der Branche.

Luxus geht immer und immer mehr, das zeigen auch andere Bereiche. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Bain wird die Zahl der Käufer von Luxusgütern bis 2020 auf 400 Millionen steigen – im vergangenen Jahr zählten rund 300 Millionen Menschen zu den Käufern von besonders teurer Kleidung, Essen, Autos oder Uhren. Bis 2030 erwartet Bain sogar einen Steigerung auf eine Milliarde Menschen.

Die Käufer der Superyachten kamen in den vergangenen 15 Jahren vor allem aus Russland und dem mittleren Osten, aber auch aus den USA und England, schätzt Meyer den Kundenkreis ein. Gekauft wird vorzugsweise in Deutschland. Weltmarktführer ist Lürssen. Die derzeit weltgrößte Yacht „Azzam“ kommt aus der Bremer Werft und laut Meyer arbeiten die Bremer Schiffsbauer gerade an dem nächsten Rekord: ein Schiff von 185 Meter Länge.

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