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15.07.2012

13:45 Uhr

Messebericht von der OutDoor 2012

Schneller und leichter gegen die Krise

VonMichael Stahl

Mehr als 200 Premieren zeigen die Aussteller auf der Outdoor-Messe in Friedrichshafen. Doch der letzte große Wurf der Branche liegt schon Jahre zurück. Hersteller und Händler setzen stattdessen auf Nachhaltigkeit.

Besucher schauen sich in Friedrichshafen auf der Freizeitmesse Outdoor ein Zelt am Stand der Firma Easton an. dpa

Besucher schauen sich in Friedrichshafen auf der Freizeitmesse Outdoor ein Zelt am Stand der Firma Easton an.

FriedrichshafenMesse-Veranstaltungen sind ein guter Indikator für den Boom einer Branche. Das gilt auch für die „OutDoor“ in Friedrichshafen. Die internationale Fachmesse für Entwickler und Händler von Natursport-Equipment ist das Stimmungsbarometer der internationalen Outdoor-Szene. Ähnlich wie dort das Wirtschaftswachstum seit Jahren zulegt, wächst auch die Messe im Süden der Republik. Die Besucherzahlen legen seit Jahren kontinuierlich zu, allein zwischen 2005 und 2011 um rund 30 Prozent. Jedes Jahr werden es zudem mehr Aussteller. 2012 präsentierten sich 907 Unternehmen aus 39 Ländern am nördlichen Ufer des Bodensees.

 

Bislang galt die Outdoor-Branche als Wachstumsgarant. Selbst in der aktuellen Krise kann der Wirtschaftszweig bislang regelmäßig zulegen. Europaweit setzten Hersteller und Händler zuletzt zehn Milliarden Euro um. Doch das Ende der Fahnenstange scheint erreicht. „Die Kombination aus Unsicherheit in der Eurozone, weitreichenden wirtschaftlichen Turbulenzen und saisonuntypischen Wetterverhältnissen hat den Durchverkauf in ganz Europa beeinträchtigt“, sagte David Udberg, Präsident der European Outdoor Group, einem Zusammenschluss führender Unternehmen der Branche, zum Auftakt der Messe.

Mit Verzögerung erreicht die Krise nun auch ihre Profiteure. In Zeiten der Ungewissheit, was mit dem Ersparten passiert oder ob der Job sicher ist, verkneifen sich viele Menschen den teuren Auslandsurlaub. Erholung suchen sie stattdessen vor der Haustür, bei Radtouren oder Wanderungen – und dazu braucht es die richtige Ausrüstung.

Das Mantra der Szene

Doch nun, da in den Kleiderschränken der meisten Haushalte inzwischen wetterfestes und robustes Outdoor-Equipment liegt, stößt der Markt an seine Grenzen. Seit wasserdichte Gore-Tex-Beschichtungen und winddichte Softshells den Massenmarkt erobert haben, ist der Branche kein vergleichbarer Wurf mehr gelungen, der die Kunden zu einem regelmäßigen Neukauf animiert. Stattdessen versuchen die Hersteller bisherige Technologien weiter zu perfektionieren, etwa in dem sie ihre Textilien mit einem UV- oder Insektenschutz versehen. Weil das alleine nicht reicht, suchen die Firmen zudem fieberhaft nach neuen Trends oder kreieren diese selbst.

„Leichter und schneller“ ist das aktuelle Mantra der Szene. Mit Outdoor-Spielarten wie Trail-Running oder Speed-Hiking setzen große Ausrüster wie Adidas, der US-Hersteller Columbia oder der britische Ausrüster Berghaus in Friedrichshafen verstärkt auf ein junges Publikum. Vom schnellen Rennen über Stock und Stein abseits von befestigten Wanderwegen und Joggingpfaden erhoffen sich die Hersteller steigende Umsätze. Während Columbia diesen Trend mit selbstkühlenden Shirts zu bedienen versucht, setzt man bei Berghaus auf die Allroundfähigkeit der Produkte. „Multisports ist der Wachstumsmarkt“, sagt Berghaus-PR-Manager Chris Lines. Outdoor-Sportler sollen künftig mit der gleichen Jacke biken, trekken, oder querfeldein laufen.

Besucher der Freizeitmesse Outdoor in Friedrichshafen an einem Stand der Firma Vango. Auf der 19. Outdoor präsentierten vom Donnerstag (12.07.) bis Sonntag (15.07.2012) über 900 Aussteller aus 40 Nationen ihre Produkte. dpa

Besucher der Freizeitmesse Outdoor in Friedrichshafen an einem Stand der Firma Vango. Auf der 19. Outdoor präsentierten vom Donnerstag (12.07.) bis Sonntag (15.07.2012) über 900 Aussteller aus 40 Nationen ihre Produkte.

Bei der Herstellung immer leichterer und funktionalerer Produkte, setzen die Hersteller zunehmend auf recyclebare und naturbelassene Materialien. Nachdem Gore-Tex-Membranen und atmungsaktive Mikrofasern Baumwolljacken und Wollsocken aus der Natur vertrieben haben, kehren die Hersteller wieder zurück zu ihren Wurzeln. Sie tüfteln mit Bambus, Hanf oder Kokosnuss, um Outdoor-Sportler vor Kälte, Hitze, Regen, Sturm und Schweißgeruch zu bewahren. Die große Herausforderung dabei: Die Kernfunktionen sollen erhalten bleiben. Die Kleidung darf nichts von ihrer Funktionsfähigkeit verlieren. Trotz Naturfasern und umweltfreundlichen Produktionsverfahren müssen Hosen, Jacken oder Schuhe  wasser- und winddicht sein und im Winter warm geben, ohne ihre Atmungsaktivität einzubüßen.

Dass sich das nicht ausschließt, zeigt die Textilschmiede Schoeller. Das Schweizer Unternehmen hat eine nachhaltige Soft-Shell-Technologie entwickelt. Dabei sorgt eine Kombination aus Kork und hochwertigen Funktionstextilien laut Schoeller für eine deutlich höhere Wärmedämmung als herkömmliche Soft-Shells ohne die Atmungsaktivität zu beeinträchtigen. Der Clou: Die Schweizer produzieren keinen eigenen Kork für ihre Stoffe, sondern nutzen das Granulat, das bei der Stanzung von Weinkorken als Abfallprodukt zurückbleibt.

Kommentare (1)

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Ben

15.07.2012, 14:18 Uhr

Outdoor in der Krise ist angebracht.
Wenn hier alles zusammenbricht werden viele ihre Häuser verlieren oder kein Geld mehr für Strom haben....
Dauert jetzt nicht mehr lange.....

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