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21.05.2011

14:50 Uhr

Messegesellschaften

Wettbewerber und bester Kunde zugleich

VonRegine Palm

Deutsche Messegesellschaften vermieten ihre Flächen an private Betreiber, die dann als Veranstalter auftreten. Diese sind einerseits Wettbewerber der Messegesellschaften, aber auch deren bester Kunden.

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) findet in Frankfurt und Hannover statt. Initiator ist der Verband der Automobilindustrie (VDA). Quelle: dapd

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) findet in Frankfurt und Hannover statt. Initiator ist der Verband der Automobilindustrie (VDA).

DüsseldorfDie deutschen Messegesellschaften wetteifern nicht nur untereinander. Sie holen sich die Konkurrenz sogar selbst ins Haus, indem sie ihre Flächen an private Betreiber vermieten, die dann als Veranstalter auftreten.

Beispiel gibt es viele: Etwa die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), die weltweit größte Automobilmesse. Initiator der IAA, die in Frankfurt und Hannover stattfindet, ist der Verband der Automobilindustrie (VDA). Auch die Euroblech in Hannover befindet sich in fremder Hand. Die Leitmesse für Blechbearbeitung wird von der britischen Mack Brooks Exhibitions Ltd. veranstaltet und lockte zuletzt 61.500 Fachbesucher aus 98 Ländern an.

Insgesamt wird nach Angaben des Messeverbands Auma rund ein Viertel der internationalen deutschen Messen von Verbänden oder privaten Anbietern ausgerichtet. Ihr Kennzeichen ist, dass sie in der Regel keinen eigenen Messeplatz haben. Genutzt wird das Gelände der öffentlichen Gesellschaften.

Daraus resultiert zum Teil eine Konkurrenzsituation. „Die privaten Veranstalter sind einerseits Wettbewerber der Messegesellschaften, aber auch deren bester Kunde“, sagte Hans-Joachim Erbel, Geschäftsführer der Reed Exhibitions Deutschland GmbH, dem Handelsblatt. Das Unternehmen ist eine Tochter des weltweit größten privaten Messeanbieters.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hätten sich öffentliche und private Messeanbieter inzwischen miteinander arrangiert. Noch bis in die 90er-Jahre sei es für private, außenstehende Gesellschaften oftmals schwierig gewesen, Gelände anzumieten. Dabei sei die deutsche Messewelt einmalig. „Fast überall besteht sonst eine Trennung zwischen denen, die den Messeplatz betreiben, und denen, die die Messe veranstalten“, erklärt Erbel.

Eine solche Trennung ist in Deutschland eher die Ausnahme. Messegesellschaften, die größtenteils von den Kommunen gestützt werden, profitieren von den privaten Firmen auf ihren Flächen. „Private sorgen dafür, dass die Messegelände besser ausgelastet werden“, sagt Erbel.

Wie Reed ist auch der britische Wirtschaftsmedienverlag und Tagungsveranstalter UBM in Deutschland tätig, vor allem in Frankfurt und Stuttgart. Zudem gibt es einige kleinere Anbieter, die überwiegend regional aktiv sind. Dazu gehören in Süddeutschland die P.E. Schall GmbH oder die Nürnberger AFAG.

Reed Deutschland steht für zehn Marken (Brands) mit 15 Veranstaltungen. In den letzten zwei Jahren lag der Umsatz des Unternehmens konstant bei etwa 45 Millionen Euro. In Zukunft will Reed aber expandieren. „Wir wollen wachsen“, sagt Erbel. In Deutschland strebt er in den nächsten Jahren ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent an.

Kein einfaches Vorhaben, denn die Dichte an Messen in Deutschland ist hoch, der Markt gilt als nahezu gesättigt. „Aber wir haben immer ein paar Pfeile im Köcher“, sagt Erbel, ohne konkrete Projekte zu benennen. Neugeschäft könne zum einen durch ganz neue Messen generiert werden oder durch die Übernahme von Veranstaltungen anderer Messemacher.

Zum Reed-Portfolio gehört diePferdemesse Equitana in Essen. Kräftig gewachsen sind die Aluminium-Messe und die Fibo, eine internationale Leitmesse für Fitness, Wellness & Gesundheit. Beide Veranstaltungen verlassen zum nächsten Termin Essen: Die Aluminium-Messe geht nach Düsseldorf und die Fibo zur Messe Köln.

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