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24.01.2010

10:16 Uhr

Messewirtschaft

Russland leidet unter der Wirtschaftskrise

VonThomas Wiede

Mit dem Boom an den internationalen Rohstoffmärkten rollte in Russland lange der Rubel. Nun macht sich Ernüchterung breit. Vor allem das schwache Wirtschaftswachstum bremst das Interesse an Westwaren. Die „wilden Jahre“ am russischen Messeplatz sind vorbei.

Millionärsmesse in Moskau: Die fetten Jahre sind vorbei. ap

Millionärsmesse in Moskau: Die fetten Jahre sind vorbei.

MOSKAU. Russlands Messeveranstalter ächzen unter der Wirtschaftskrise. Nach Einschätzung von Beobachtern ist der Markt im vergangenen Jahr um 40 Prozent eingebrochen – nach einer langen Zeit des stürmischen Wachstums. Obwohl auch die deutschen Veranstalter den Einschnitt fühlen, sehen sie die Krise auch als ein Korrektiv für den jungen Markt in Russland. „Es findet endlich die nötige Bereinigung statt“, sagt Eugen Alles von der Messe Frankfurt.

Kaum ein Markt hat in der Vergangenheit so stark geboomt wie der russische, mit für Aussteller recht unangenehmen Nebenwirkungen. Der mit großem Abstand wichtigste Messestandort ist weiterhin Moskau vor St. Petersburg. Andere regionale Zentren haben dagegen bisher kaum Bedeutung erlangt. Dafür ballen sich die Veranstaltungen in der Hauptstadt. Nicht selten kommt es vor, dass zwei Messen mit gleichem Schwerpunkt zur gleichen Zeit stattfinden, was die Entscheidung über die Präsenz erschwert. Lange Zeit galt der russische Markt als der wettbewerbsintensivste der Welt.

Auch die Standmieten schossen in Moskau in den Boomjahren in die Höhe und haben sich erst jetzt wieder dem westeuropäischen Niveau angenähert. Messemanager Alles erwartete, dass sie weiter fallen werden.

Damit sind die „wilden Jahre“ vorbei. Zudem hat sich eine Infrastruktur entwickelt, die mit dem Weltstandard mithalten kann. Viel dazu beigetragen hat der Unternehmer Aras Agalarow. Der in Aserbaidschan geborene Multimillionär hat vor den Toren Moskaus mit insgesamt 500 000 Quadratmeter Fläche eines der größten Messegelände der Welt errichtet: „Crocus Expo“.

Das drängende Standort- und Platzproblem, das vorher herrschte, wurde damit beseitigt. Neben dem schon seit dem Jahr 1959 bestehenden Expo-Center, nur einen Steinwurf vom russischen Regierungssitz entfernt im Stadtzentrum, hatte Moskau zuvor vor allem riesige Hallen mit Sowjet-Charme und einer ebensolchen Ausstattung zu bieten. Bis vor wenigen Jahren krankten viele der Messeveranstaltungen darüber hinaus auch noch an organisatorischen Mängeln.

Die als internationale Luftfahrtmesse eingeführte Moskauer „Maks“ beispielsweise hat inzwischen viele große Unternehmen verloren – Verkehrschaos und ein Gelände mit dem Charme eines großen Grillplatzes bei Standpreisen wie in Paris und London vermochten die Aussteller nicht zu überzeugen. Auf einigen der Ausstellungsgelände in Moskau habe man die Toiletten nur mit der Nase finden können, lästert ein Messemanager. In Russland sei in der Vergangenheit vor allem viel „für Erwartungen“ gezahlt worden.

Während der Boomphase konnte sich Crocus-Expo-Eigentümer Agalarow dafür über rund 20 Messen im Jahr freuen. Doch damit ist es vorbei. „Wenn Crocus nun auf vier bis fünf kommt, dann können sie schon froh sein“, sagt ein internationaler Branchenvertreter. Inzwischen gibt es in Moskau ein deutliches Überangebot an Flächen. Die Messe Frankfurt sieht daher die Zeit reif für eine Konsolidierung und für Übernahmeaktivitäten. Sieben Messen veranstalten die Frankfurter in Russland, darunter die Automechanika. „Wir hatten bisher fünf Konkurrenzveranstaltungen“, sagt Messe-Manager Alles. Ziel sei es nun, als alleiniger Ausrichter übrig zu bleiben. Derzeit richtet die Frankfurter Messe sieben Veranstaltungen in Russland aus. Und bleibt für diese optimistisch gestimmt: „Wir haben gute Nischen gefunden.“

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