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06.09.2016

12:49 Uhr

Metro-Aufspaltung

Kellerhals bleibt unbequem

VonChristoph Kapalschinski

Die Details zur geplanten Aufspaltung der Metro lassen nicht auf Ruhe im Konzern hoffen. Der von Media-Saturn-Mitgründer Kellerhals ungeliebte Manager Haas wird Chef der neuen börsennotierten Übergesellschaft.

Der Minderheitseigentümer der Media-Saturn-Holding kritisiert die Aufspaltung von Metro. dpa

Erich Kellerhals

Der Minderheitseigentümer der Media-Saturn-Holding kritisiert die Aufspaltung von Metro.

HamburgKeine Ruhe bei Media-Saturn: Der streitbare Minderheitseigner Erich Kellerhals hält bei der angekündigten Aufspaltung des Metro-Konzerns dagegen. „Kein vernünftiger Aktionär möchte eine Aktie von einem Unternehmen wie Media-Saturn erwerben, bei der sich die Geschäftsführung in einem Ausnahmezustand befindet“, schreibt Kellerhals auf seiner Website. Besonders stört ihn, dass Pieter Haas, schon jetzt für Media-Saturn zuständig, künftig Vorstandschef des eigenständigen börsennotierten Elektrohandels-Konzerns sein soll. „Geschäftsführer mit einem neuen Erfahrungs-Horizont sind seit mindestens zwei Jahren dringend notwendig“, kritisierte Kellerhals.

Am Montag hatte Metro-Chef Olaf Koch angekündigt, die Trennung von Metro in das Groß- und Lebensmittelhandelsgeschäft (Metro Cash & Carry, Real) einerseits sowie in einen Elektrohändler (Media-Saturn) andererseits solle organisatorisch bereits Ende September umgesetzt werden. Zugleich hatte er mitgeteilt, wie die Vorstände der Unternehmen, die 2017 getrennt an der Börse notiert sein sollen, besetzt werden.

Warum sich die Metro aufspaltet

Was ist genau geplant?

Zäsur bei der Metro: Deutschlands einst größter Handelskonzern spaltet sich auf. Der Metro-Großhandel und die Supermarkttochter Real auf der einen, die Elektronikketten Media Markt und Saturn auf der anderen Seite sollen in Zukunft getrennte Wege gehen. (Quelle: dpa)

Ist die Idee einer Aufspaltung neu?

Nein. Im Gegenteil. Schon 2008 liebäugelte der damalige Metro-Chef Eckhard Cordes mit einer Zerschlagung des Konzerns. Er wollte die Warenhaustochter Kaufhof verkaufen und dachte auch über einen Börsengang von Media Saturn nach. Vereitelt wurden die Vorhaben aber von der Finanzkrise. Erst seinem Nachfolger Olaf Koch glückte im Sommer vergangenen Jahres der Verkauf der Warenhäuser an die kanadische Hudson's Bay Group, der Milliarden in die Kassen spülte. Die Aufspaltung des verbleibenden Konzerns sei nun der logische nächste Schritt, betonte Koch.

Was verspricht sich Metro von der Aufspaltung?

Mehr Wachstum und mehr Börsenwert. Mehr Wachstum, weil die dann klar auf ein Geschäftsfeld ausgerichteten Unternehmen dynamischer agieren und sich ganz auf ihre Kundengruppe konzentrieren können. Mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen.

Was spricht gegen eine Aufspaltung?

Wenig. Denn Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftsbereichen gibt es kaum. Koch selbst räumte am Dienstag ein, der Zusammenschluss der Metro-Großmärkte, der Real-Supermärkte und der Elektronikketten Media Markt und Saturn unter einem Dach habe zuletzt die Geschäfte eher behindert als gefördert.

Und was bedeutet der Schritt für die Mitarbeiter?

Erst einmal einiges an Unruhe und Unsicherheit. Denn die Metro hat vor der Aufspaltung ihre Restrukturierungsbemühungen noch einmal beschleunigt – und das bedeutet auch den Wegfall etlicher Arbeitsplätze. Doch rechnet Metro-Chef Koch damit, dass die durch die Aufspaltung erwarteten Wachstumsimpulse den Stellenverlust schon bald mehr als wettmachen.

Und was erwartet die Verbraucher?

Sie dürften erst einmal am wenigsten von den Veränderungen merken. Denn der Verkauf wird selbstverständlich unverändert weitergehen. Auf Dauer würden aber auch die Verbraucher profitieren, meint Koch, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten.

Steht schon fest, wer die neuen Unternehmen leiten wird?

Ja. Die Leitung des Lebensmittelgeschäfts übernimmt Koch selbst, Aufsichtsratsvorsitzender soll der bisherige Metro-Chefkontrolleur Jürgen Steinemann werden. An der Spitze der Elektronikkette wird der Media-Saturn-Chef Pieter Haas stehen. Für den Aufsichtsratsvorsitz ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vorgesehen.

Koch selbst wird den Großhändler führen, Haas den Elektrohändler. Auf diese Vorschläge hat Kellerhals keinen Einfluss: Er ist nicht am Metro-Konzern beteiligt, sondern als Mitgründer nur an dessen Tochter Media-Saturn mit 21,6 Prozent. In mehreren Prozessen versuchte Kellerhals, mehr Einfluss geltend zu machen und den von Koch eingesetzten Haas loszuwerden. Koch betonte am Dienstag in einer Telefonkonferenz, Metro sei bei Media-Saturn handlungsfähig. Die Entscheidungsstrukturen seien „kristallklar“. Kellerhals sei ein „geschätzter Mitgesellschafter“ – mit wenig Mitsprache.

Dabei bekommt der entstehende europaweit tätige Elektrohändler sogar noch eine Mitgift: Er soll zehn Prozent an dem künftig abgespaltenen Großhandelskonzern erhalten. Das soll ihm ein Rating im Investment-Grade sichern. Solch eine Bewertung der Kreditwürdigkeit ermöglicht eine relativ günstige Finanzierung am Kapitalmarkt – etwa für Zukäufe. Der Großteil der Immobilien geht jedoch an den Großhändler.

Metro hat Immobilien mit einem Buchwert von 4,5 Milliarden Euro in den Bilanzen. Der Marktwert liege noch darüber, sagte Koch. Kellerhals bemängelte, durch die Beteiligung seien beide Unternehmensteile weiterhin verbunden. Technisch werden Cash & Carry, Real und die Immobilien aus dem Konzern gelöst und verselbständigt. Dieser abgetrennte börsennotierte Teil wird allerdings voraussichtlich den Namen Metro behalten. Eine Erhöhung des Grundkapitals soll es dabei nicht geben.

Für die Aufspaltung 2017 habe er die Unterstützung der drei Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim, betonte Koch. Zudem sei eine Einigung mit den Finanzbehörden über Steuerfragen erzielt worden. Der Konzern rechne mit einer Steuerbelastung in Höhe eines mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrages. Zudem geht ein Teil der Verlustvorträge, die sich steuermildernd auf künftige Gewinne auswirken können, verloren.

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