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07.03.2017

16:44 Uhr

Metro

Offenbar Klagen gegen Aufspaltung eingereicht

Gegen die Aufspaltung des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro gibt es laut einem Bericht juristischen Widerstand. Ob Rivale Kellerhals hinter den eingereichten Anfechtungsklagen steckt, ist noch ungeklärt.

Der Media-Saturn-Gründer Erich Kellerhals kämpft seit Jahren um seine Macht. Doch die Metro führt die Mehrheit der Media-Saturn-Anteile. dpa

Metro und Media-Saturn

Der Media-Saturn-Gründer Erich Kellerhals kämpft seit Jahren um seine Macht. Doch die Metro führt die Mehrheit der Media-Saturn-Anteile.

DüsseldorfDie Pläne des Handelsriesen Metro zu seiner Aufspaltung stoßen einem Agenturbericht zufolge auf Widerstand. Gegen die Pläne seien vor Gericht Anfechtungsklagen eingereicht worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Klagen, die nun der Metro noch offiziell zugestellt werden müssen, könnten zur Belastung für die Teilung des Konzerns werden. Ein Metro-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Metro-Chef Olaf Koch hatte dem Düsseldorfer Konzern eine Teilung in einen Elektrohändler rund um Media-Saturn und einen Lebensmittelhändler verordnet. Das Geschäft um die Cash&Carry-Großmärkte und die Supermarktkette Real soll dabei abgespalten werden. Koch will so beide Teile schlagkräftiger machen.

Die Anteilseigner der Metro hatten sich bei einer Hauptversammlung Anfang Februar mit breiter Mehrheit hinter die Pläne gestellt. Media-Saturn soll bei der jetzigen Metro verbleiben und wird Teil einer Holding mit dem Namen Ceconomy. Die Trennung soll im Sommer über die Bühne gehen, beide Gesellschaften sollen dann wie die bisherige Metro im Nebenwerteindex MDax notiert werden.

Warum die Metro sich aufspaltet

Warum will sich die Metro überhaupt aufteilen?

Die Geschäfte beim Düsseldorfer Handelsriesen liefen zuletzt nicht gerade berauschend. Die Konkurrenz ist groß und das Unternehmen schrumpft seit Jahren. Immer wieder wurden große Konzernteile verkauft – wie etwa die Warenhäuser Galeria Kaufhof oder das Auslandsgeschäft der Supermarktkette Real. Die Folge: Der Konzern verlor nicht nur den inoffiziellen Titel des größten deutschen Handelskonzerns, er musste auch seinen Platz in der höchsten Börsenliga, dem Dax-30, räumen. Die Aufspaltung soll nun zu neuem Schwung verhelfen.

Was verspricht sich Metro-Chef Olaf Koch von der Aufspaltung?

Mehr Wachstum und mehr Börsenwert. Mehr Wachstum, weil die getrennten Unternehmen sich besser auf ihre jeweilige Kundengruppe konzentrieren und dynamischer agieren können. Mittelfristig soll der bereinigte Umsatz bei beiden Gesellschaften um mindestens drei Prozent pro Jahr steigen. Im zurückliegenden Jahr schaffte die Metro als Ganzes weniger als ein Prozent. Mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. Tatsächlich hat die Metro-Aktie seit Bekanntgabe der Aufspaltungspläne rund 25 Prozent an Wert gewonnen.

Sehen das auch Branchenexperten so?

Viele Analysten halten die Teilung für sinnvoll. Laurence Hofmann vom Investmenthaus Oddo sieht mehr Spielraum für Zukäufe und Partnerschaften. Dies hat aus seiner Sicht vor allem Media-Saturn nötig, will die Tochter ihre Stellung als größter Elektronikhändler Europas gegen mächtige Internetriesen wie Amazon auf Dauer verteidigen. Der Lebensmittelteil wiederum dürfte sein Geschäft mit der Belieferung sowie Kooperationen mit Start-Up-Unternehmen für das Hotel- und Restaurantgewerbe ausbauen, erwartet Christian Bruns von der Investmentbank Equinet. Der Experte verspricht sich zudem schnellere Entscheidungen auf Managementebene und insgesamt mehr Transparenz.

Wie funktioniert die Aufspaltung?

Heute vereint die Metro unter ihrem Dach zwei Geschäftsbereiche, die eigentlich wenig gemeinsam haben: die Lebensmittelsparte mit den Metro-Großmärkten und den Real-Supermärkten auf der einen Seite, sowie die Elektroniksparte mit den Ketten Media Markt und Saturn auf der anderen. Nach der Trennung Mitte 2017 sollen diese Sparten als eigenständige Unternehmen getrennte Wege gehen. Dabei behält die Lebensmittelsparte den Traditionsnamen Metro. Die Elektroniksparte erhält den neuen Kunstnamen Ceconomy. Die Elektronikketten selbst werden aber weiter unter den altbewährten Namen Media Markt und Saturn firmieren. Beide Unternehmen werden weiterhin an der Börse notiert sein.

Und was ändert sich für die Verbraucher?

Erst einmal wenig. Denn der Verkauf wird in den Großmärkten ebenso wie bei Real, Media Markt oder Saturn unverändert weitergehen. Auf Dauer würden aber auch die Verbraucher profitieren, meint Koch, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten.

Was spricht gegen eine Aufspaltung?

Wenig, außer vielleicht den hohen Kosten. Denn Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftsbereichen gibt es kaum. Konzernchef-Koch meint sogar, der Zusammenschluss der Metro-Großmärkte, der Real-Supermärkte und der Elektronikketten Media Markt und Saturn unter einem Dach habe zuletzt die Geschäfte eher behindert als gefördert. Die Aufspaltung ist allerdings nicht billig. Der Konzern beziffert die Kosten auf rund 100 Millionen Euro.

Steht schon fest, wer die neuen Unternehmen leiten wird?

Ja. Die Leitung des Lebensmittelgeschäfts übernimmt Koch selbst, Aufsichtsratsvorsitzender soll der bisherige Metro-Chefkontrolleur Jürgen Steinemann werden. An der Spitze der Elektronikkette wird der Media-Saturn-Chef Pieter Haas stehen. Für den Aufsichtsratsvorsitz ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vorgesehen.

Ist die Idee einer Aufspaltung ungewöhnlich?

Im Gegenteil. Zurzeit ist das Aufspalten oder Abspalten bei deutschen Konzernen geradezu in Mode. Die Energieriesen Eon und RWE spalteten sich kürzlich jeweils in zwei Teile auf, um das wenig zukunftsfähige Geschäft mit konventionellen Kraftwerken vom lukrativeren Zukunftsgeschäft um Ökostrom, Vertrieb und Netzbetrieb zu trennen. Und der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer brachte 2015 seine Kunststoffsparte als Covestro an die Börse, um sich stärker auf das lukrativere Geschäft mit der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze zu konzentrieren.

Quelle: dpa

Media-Saturn-Anteilseigner Erich Kellerhals hatte sich eine Klage gegen die Aufspaltung vorbehalten. Ein Sprecher seiner Investmentgesellschaft Convergenta wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob Kellerhals nun eine Klage eingereicht habe. Kellerhals liefert sich seit Jahren einen Machtkampf um das Sagen bei Media-Saturn mit dem Düsseldorfer Handelskonzern, der die Mehrheit der Media-Saturn-Anteile hält. Seit einiger Zeit versucht der Investor Clemens Vedder, eine Lösung zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

Von

rtr

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