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12.06.2015

17:39 Uhr

Metro-Tochter könnte an Kanadier gehen

Good Morning, Kaufhof!

VonFlorian Kolf

Karstadt-Eigentümer René Benko bekommt offenbar einen Korb: Er wollte Kaufhof mit Karstadt vereinen. Doch nun macht ihm ein Bieter aus Kanada wahrscheinlich einen Strich durch die Rechnung. Wer ist der Fremde?

Die Metro verhandelt nur noch mit einem Interessenten. picture alliance / Keystone

Kaufhof am Alexanderplatz

Die Metro verhandelt nur noch mit einem Interessenten.

DüsseldorfDie kanadische Handelsgruppe Hudson's Bay Company (HBC) steht kurz vor der Übernahme des Kaufhauskonzerns Kaufhof. Wie mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen dem Handelsblatt bestätigten, verhandelt Kaufhof-Eigentümer Metro zurzeit exklusiv mit HBC über die Details eines Kaufvertrags.

Bereits in der kommenden Woche könnte eine Einigung verkündet werden. Neben HBC hat auch die Signa-Gruppe des österreichischen Investors und Karstadt-Eigentümers René Benko für Kaufhof geboten.

Kaufhof – ein Warenhaus mit Tradition

Kaufhofs Geschichte

Die Galeria Kaufhof GmbH ist neben Karstadt das älteste und traditionsreichste Warenhaus in Deutschland. 1996 fusionierte das Unternehmen mit dem Handelsriesen Metro.

Ursprung

Den Grundstein des Unternehmens legte der Textilhändler Leonhard Tietz, der 1879 ein Geschäft in Stralsund für Knöpfe, Garne, Stoffe und Wollwaren gegründet hatte.

Aktiengesellschaft

Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Zukäufe

Der letzte große Zukauf datiert aus dem Jahr 1994, als Kaufhof den Konkurrenten Horten schluckte. Im Frühjahr 2008 setzte der damalige Vorstandschef Eckhard Cordes die Tochterfirma auf die Verkaufsliste.

Verkaufsgespräche waren eingestellt

Im Januar 2012 stoppte die Metro-Gruppe die Verkaufsgespräche für die Warenhauskette Kaufhof. Die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme würden bis auf Weiteres eingestellt. Als Grund gab das Unternehmen die „nicht optimale Situation an den Finanzmärkten“ an. Trotzdem wollte Metro den Konzern gerne loswerden – und sah jetzt dazu die Chance.

Aktuelle Zahlen

Mit gut 3,1 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14 ist Galeria Kaufhof die kleinste von vier Metro-Vertriebslinien. Vor Steuern und Zinsen machte Kaufhof im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ein Plus von 115 Millionen Euro. Vertreten ist das Warenhaus an 119 Standorten in Deutschland und 16 in Belgien.

„Es geht nicht mehr um das ob, sondern nur noch um das wie und wann“, sagte ein Insider. Die Metro wollte sich gegenüber dem Handelsblatt nicht zum Verhandlungsstand äußern. Dem Vernehmen nach bietet HBC knapp 2,9 Milliarden Euro für Kaufhof. Signa hatte ein Angebot in ähnlicher Höhe für Kaufhof abgegeben. Im Umfeld von Signa hieß es, dass auch sie weiter mit Metro verhandele und die ihre Finanzierung stehe.

Da beide Bieter einen ähnlichen Kaufpreis offerieren, sind die entscheidenden Punkte die Finanzierung und die Glaubwürdigkeit des Investors. In beiden Punkten habe HBC die Nase deutlich vor Benko und seiner Signa, hieß es dagegen in Verhandlungskreisen. „Es geht sehr stark um Reputation“, hieß es in Aufsichtsratskreisen von Metro.

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Auch bei Metro-Chef Olaf Koch scheint es starke Vorbehalte gegen den Bieter René Benko zu geben. Noch ist keine Aufsichtsratssitzung für die kommende Woche anberaumt, das könne aber ganz schnell passieren, wenn die Verhandlungen über den Kaufvertrag abgeschlossen sind.

Auf der Arbeitnehmerseite schmelzen die Vorbehalte gegen Hudson's Bay. Zunächst gab es dort eher eine skeptische Einschätzung, weil man fürchtete, dass der kanadische Konzern den deutschen Markt nicht kenne und amerikanische Rezepte übertragen wolle. Doch diese Bedenken konnten offenbar weitgehend zerstreut werden. Beide Bieter wurden von Metro verpflichtet, eine Garantie für die Arbeitsplätze abzugeben und ein Bekenntnis zum Tarifvertrag zu leisten.

Zu HBC gehören die traditionsreiche kanadische Kaufhauskette Hudson’s Bay, die amerikanische Kette Lord& Taylor und die Luxuskaufhäuser von Saks Fifth Avenue. Das Unternehmen hat insgesamt rund 245 Warenhäuser und 85 Outlets.

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