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17.06.2015

17:11 Uhr

Metro-Tochter

Real steigt aus der Tarifbindung aus

Die Supermarktkette Real hat sich aus den Flächentarifverträgen der Handelsbranche verabschiedet. Die Metro-Tochter will nun mit der Gewerkschaft Verdi über einen eigenen Haustarifvertrag verhandeln.

Die Metro-Tochter ist nicht mehr tarifgebunden. dpa

Real-Markt

Die Metro-Tochter ist nicht mehr tarifgebunden.

DüsseldorfDie Supermarktkette Real kehrt den Flächentarifverträgen der Handelsbranche trotz zahlreicher Warnungen der Gewerkschaft Verdi den Rücken. Die Kette mit rund 37.000 Beschäftigten sei „nicht mehr tarifgebunden“, teilte die Metro -Tochter am Mittwoch mit. Sie wolle mit Verdi nun über einen eigenen Haustarifvertrag verhandeln. Metro-Chef Olaf Koch hatte kritisiert, Konkurrenten hätten wegen der Struktur der Tarifverträge oder des Ausstiegs aus den Verträgen deutlich bessere Kostenstrukturen als Real. Dies sei auf Dauer nicht hinnehmbar. Verdi reagierte mit scharfer Kritik. Metro habe dank des milliardenschweren Verkaufs der Tochter Kaufhof genug Geld in den Kassen und müsse Investitionen bei Real nicht aus den Taschen der Beschäftigten finanzieren.

Real sehe keine Möglichkeit, dass der Arbeitgeberverband HDE und die Gewerkschaft in der notwendigen Geschwindigkeit eine Modernisierung der Flächentarifverträge umsetzen können, begründete die Supermarktkette den Schritt. „Wir brauchen daher einen eigenen Haustarifvertrag“, betonte Arbeitsdirektor Jörg Kramer. Real wolle aber die monatlichen Entgelte der bestehenden Belegschaft nicht verändern.

Kehre Real dem Tarifvertrag den Rücken, um Löhne zu drücken, werde es eine Reaktion geben, hatte Verdi bereits angekündigt. Die Gewerkschaft werde es nicht hinnehmen, wenn Metro "nach der Devise 'einmal hin, nix mehr drin' eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Beschäftigten durchsetzen will", kündigte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger nun an. Der Konzern dürfe Real nicht auf Kosten der Belegschaft für einen möglichen Verkauf „aufhübschen“.

Real konkurriert im hart umkämpften Einzelhandel unter anderem mit Rewe und Edeka, deren selbstständigen Händlern von Verdi Lohndrückerei vorgeworfen worden war. Beide Konzerne hatten die Kritik zurückgewiesen. Der Tarifbindung den Rücken gekehrt haben unter anderem bereits die Karstadt-Warenhäuser und die Supermarktkette Globus. Derzeit laufen Tarifverhandlungen für die Handelsbranche, eine Lohnerhöhung würde den Real-Mitarbeitern nun Verdi zufolge schon nicht mehr zugutekommen.

Die rund 300 Märkte in Deutschland sollen nach dem Willen von Metro-Chef Koch aufgepeppt und das Sortiment aufpoliert werden. Vom Auslandsgeschäft der Kette hatte sich Metro bereits getrennt. Real ist die kleinste Tochter des Konzerns, zu dem auch Großmärkte und der Elektronikhändler Media-Saturn gehören.

Von

rtr

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