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29.08.2016

10:49 Uhr

Mexiko

Die verheerenden Folgen des Avocado-Hypes

Ob als Dip, Salat oder Beilage – die Avocado ist beliebter denn je. Im größten Anbauland Mexiko führt der Boom aber zur illegalen Abholzung von Wäldern. Umweltschützer warnen auch vor den Folgen für das Sozialgefüge.

Nach Angaben der Welternährungsorganisation wurden 2013 in Mexiko über 1,4 Millionen Tonnen Avocado geerntet. Imago

Trend-Frucht Avocado

Nach Angaben der Welternährungsorganisation wurden 2013 in Mexiko über 1,4 Millionen Tonnen Avocado geerntet.

Mexiko-StadtDie Avocado ist der neue Star im Gemüseregal. Ob als Guacamole, Avocado-Toast oder im Salat – die Frucht steht derzeit in jedem Hipster-Lokal zwischen Flensburg und Konstanz auf der Speisekarte. Das Berliner Café Ca.B.Slam bietet ein Eiergericht namens „Douchy Hipster“ (Widerlicher Hipster) an – natürlich mit Avocado. In Foodblogs gibt es Tipps für den „Apfel-Avocado-Smoothie“ oder den „Miso-Tahini-Avocado-Toast mit schwarzem Sesam“. Selbst die dem Lifestyle-Hype unverdächtige Supermarktkette Edeka warb zuletzt bei Instagram mit schicken Fotos für ihre Avocados.

Die US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow veröffentlichte in ihrem neuen Kochbuch „It's all easy“ gleich drei Rezepte für Avocado-Toast. Bei Instagram gibt es mehr als 190.000 Einträge zu dem neuen Trend-Food – wahlweise garniert mit Kresse, Paprika, Tomate oder Ei. Künstlerisch Ambitionierte schneiden Röschen oder Fächer aus dem weichen Fruchtfleisch.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Avocados sind reich an ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E, Kalium und Folsäure. Ihnen wird deshalb nachgesagt, dass sie helfen können, den Blutzucker zu kontrollieren, die Haut weich zu machen und sich positiv auf das schlechte Cholesterin auszuwirken. Fest steht: Die Avocado versprüht reichlich Exotik und hübscht sogar ein einfaches Butterbrot auf.

Der Hype um die Avocado befeuert die Nachfrage und treibt die Preise in die Höhe. Im weltgrößten Anbauland Mexiko warnen Wissenschaftler und Umweltschützer aber bereits, dass der globale Heißhunger auf Avocado zu illegaler Abholzung führt. Betroffen ist vor allem der Bundesstaat Michoacán im Westen des Landes – dort werden rund 40 Prozent aller Avocados weltweit angebaut und geerntet.

„Pro Jahr werden 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen“, sagt Jaime Navia von der mexikanischen Umweltschutzorganisation Gira. Zudem litten die Menschen unter den Folgen der intensiven Landwirtschaft. „Der Einsatz von Pestiziden in den Monokulturen verschmutzt das Trinkwasser“, sagt Navia.

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Auch die Regierung zeigt sich besorgt über die illegalen Abholzungen, auch wenn sie das Ausmaß für geringer hält als Wissenschaftler und Umweltschützer. „Die Avocados wachsen unter den Nadelbäumen“, erklärt Mario Tapia Vargas vom Nationalen Forschungsinstitut für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischfang. „Früher oder später werden die Bauern die Bäume fällen, damit die Avocadopflanzen mehr Sonnenlicht bekommen.“

Zwischen 2000 und 2010 vergrößerte sich die Anbaufläche in Mexiko von 95.000 Hektar auf über 134.000 Hektar. Die starke Nachfrage und steigende Preise machen es für die Bauern ausgesprochen attraktiv, Avocado anzubauen. In Mexiko wird die Frucht auch „grünes Gold“ genannt.

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