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11.06.2014

16:17 Uhr

Middelhoff gerät in die Defensive

Der Besuch der armen Dame

Die Karstadt-Quelle-Erbin Schickedanz gibt dem Prozess gegen den früheren Arcandor-Chef eine neue Wendung. Für Middelhoff sind die Aussagen prekär. Ganz im Stich ließ Schickedanz ihren Ex-Arbeitnehmer aber doch nicht.

Madeleine Schickedanz trat am Mittwoch als Zeugin vor dem Essener Landgericht auf. dpa

Madeleine Schickedanz trat am Mittwoch als Zeugin vor dem Essener Landgericht auf.

Essen/DüsseldorfMit einem einzigen Satz bringt Madeleine Schickedanz ihren früheren Arbeitnehmer in die Bredouille. „Dass ich Privatflüge übernehme – wie komme ich dazu?“, sagte die Großaktionärin am Mittwoch in Essen. Sie war als Zeugin im Untreue-Prozess gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff geladen. Für den könnte die Aussage von Schickedanz unangenehme Folgen haben.

Der Prozess geht der Frage nach, ob Middelhoff auf Firmenkosten private Flüge in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro abrechnete. Unter anderem soll er immer wieder mit dem Hubschrauber von seinem Wohnort Bielefeld zur Arcandor-Zentrale in Essen geschwebt sein. Der 61-Jährige bestritt dies an den bisherigen Prozesstagen vehement. Sein bestes Argument: Madeleine Schickedanz habe sich bereit erklärt, die Kosten für jegliche privaten Flüge zu tragen. Er habe deshalb gar kein Interesse daran gehabt, Arcandor Kosten für private Flüge in Rechnung zu stellen, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe, argumentierte Middelhoff.

Doch diese Aussage ist nun wohl hinfällig – Schickedanz sagte am Mittwoch deutlich, dass es einen solchen Deal zwischen ihr und Middelhoff nicht gab. „Es gab keine Vereinbarung und es wäre nicht gerechtfertigt – es ist privat“, sagte Schickedanz vor dem Essener Landgericht. Die Karstadt-Quelle-Erbin sagte, sie habe lediglich in einem Fall vorgeschlagen, Middelhoff solle einen Privatjet nutzen und sei dabei auch davon ausgegangen, dass es sich um einen dienstlichen Flug handele.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Für Middelhoff sind diese Aussagen prekär, machen sie doch seine ganze bisherige Verteidigungsstrategie zunichte. Der frühere Arcandor-Chef hatte stets beschworen, nur auf Anraten von Schickedanz überhaupt auf Charterflüge umgestiegen zu sein. Das bestreitet Schickedanz auch nicht. Nur die Aussage, sie trage Middelhoffs Kosten, weist sie zurück.

Doch ganz fallen ließ Schickedanz den früheren Arcandor-Chef nicht. Die 70-Jährige räumte ein, dass sie nicht ausschließen könne, dass ihr Vermögensverwalter Josef Esch in ihrem Namen derartige Absprachen getroffen habe. „Er war sehr autark“, sagte sie. Schickedanz berichtete, Esch habe Middelhoff auch für die Führung des Handelsriesen ins Spiel gebracht. Über Middelhoffs Vertragskonditionen sei mit ihr nie geredet worden.

Ein Rettungsanker könnte für Middelhoff die Aussage seiner früheren Chefin sein, dass sie sich an viele Dinge nicht erinnern könne. Sie habe immer wieder Dokumente unterzeichnet, ohne diese gelesen zu haben, gab Schickedanz zu. Sie habe fast blind ihren Beratern vertraut.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.06.2014, 17:49 Uhr

Fluege ueber 1,1 mal zehn hoch neun. Durch Draghi kommt alles durcheinander

Account gelöscht!

11.06.2014, 19:52 Uhr

steht zwar so im artikel. könnten aber maximal 1,1 mal 10 hoch sechs sein.

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