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11.01.2006

10:21 Uhr

Middelhoff kämpft erbittert

Gerüchte um Karstadts Börsenabgang

VonC. Schlautmann

Thomas Middelhoff rückt die randlose Brille zurecht, setzt sein unschuldigstes Schulbubengesicht auf und beugt sich leicht nach vorn. „Wir haben keine Kenntnis über solche Pläne“, ruft der Karstadt-Quelle-Chef einem neugierigen Kleinaktionär zu.

Wie Middelhoff und Schickedanz den Essener Handelskonzern steuern. Klicken Sie zur Vergrößerung auf das Pluszeichen.

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DÜSSELDORF. Der hatte auf der Hauptversammlung des Handelskonzerns wissen wollen, ob Großaktionärin Madeleine Schickedanz demnächst Karstadt-Quelle von der Börse nehmen und zerschlagen wolle.

Seither wird der Ex-Bertelsmann-Lenker nicht müde, immer wieder solche Gerüchte zu zerstreuen. Journalisten, die sich nach den Absichten seiner Mentorin erkundigen, speist Middelhoff mit beißender Ironie ab. Er werde erst von Bord gehen, beteuert er gebetsmühlenartig, wenn er den Konzern als Ganzes auf Vordermann gebracht habe. Als Datum nennt er frühestens das Jahr 2008.

Allein: Viele erinnern sich noch an Middelhoffs Schwur, die Geschicke des Essener Konzerns allein vom Aufsichtsrat aus begleiten zu wollen, um wenige Monate später dann doch an die Spitze des Vorstands zu wechseln. „Die Ankündigungen Middelhoffs besitzen eine ausgesprochen kurze Halbwertzeit“, lästert ein Branchenbeobachter.

So könnte es auch mit dem möglichen Delisting, dem Rückzug von der Börse, aussehen. Seit mehreren Monaten stockt Madeleine Schickedanz, zum Teil über verbundene Unternehmen, ihren Firmenanteil über ratenweise Aktienkäufe drastisch auf und dürfte mittlerweile über 60 Prozent am Unternehmen besitzen. Analysten rechnen vor, dass Schickedanz zusammen mit dem Aktienpaket der Allianz, den verbliebenen Anteilsscheinen Ingo Riedels, der Ehemann ihrer Nichte Margarethe Dedi-Riedel ist, und den konzerneigenen Aktien von Karstadt-Quelle auf einen Anteil von 73,5 Prozent kommt. „Um Karstadt-Quelle von der Börse zu nehmen, müsste sie womöglich nur noch 26,5 Prozent der Konzernaktien kaufen“, heißt es bei einer großen Frankfurter Investmentbank. Nach heutigem Kurs hätte sie dafür 880 Mill. Euro auf den Tisch zu legen.

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