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10.03.2016

18:36 Uhr

Milliardär Rotenberg und Aeroflot

Putin-Freund fliegt auf die Staats-Airline

VonAndré Ballin

Russland steckt in der Krise. Seit dem Ölpreisverfall sucht Moskau nach neuen Einnahmequellen – zur Not auch aus dem Verkauf von Staatsbetrieben. Bei der Fluggesellschaft Aeroflot werden Korruptionsvorwürfe laut.

Putins Einmarsch in die Wirtschaft - mit Hilfe von mächtigen Freunden

Handelsblatt in 99 Sekunden: Putins Einmarsch in die Wirtschaft - mit Hilfe von mächtigen Freunden

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MoskauKommt es zu einer neuen Verteilung russischen Staatseigentums an die Oligarchen? Berichte um den angeblich bevorstehenden Einstieg Arkadi Rotenbergs bei der Fluggesellschaft Aeroflot nähren Korruptionsgerüchte um eine neue Privatisierungswelle.

Klar ist: Russland braucht Geld. Der niedrige Ölpreis hat trotz jüngster Erholungstendenzen tiefe Löcher in den Haushalt gerissen. Die Sanktionen erlauben es dem Kreml nicht, Kredite im Ausland aufzunehmen. So hat die russische Regierung Anfang des Jahres den lang hinausgeschobenen Verkauf von Anteilen an mehreren Staatsbetrieben wieder ins Visier genommen. Auf der Liste stehen Ölkonzerne wie Rosneft oder Baschneft, der Diamantenförderer Alrosa, die Banken VTB und Sberbank, aber auch Transportunternehmen wie die Reederei Sowkomflot oder die Fluggesellschaft Aeroflot.

Aeroflot: Russische Airline fliegt weniger Verlust ein

Aeroflot

Russische Airline fliegt weniger Verlust ein

Die russische Wirtschaftskrise zieht auch die Luftfahrtbranche runter: Die Russen sparen bei Flugreisen, die Abwertung des Rubels macht die Tickets teurer. Bei Aeroflot stiegen die Passagierzahlen dennoch kräftig.

An letzterer hält der russische Staat direkt 51,17 Prozent, weitere 3,26 Prozent gehören der staatlichen Industrie- und Rüstungsholding RosTech, der Sergej Tschemesow, ein Vertrauter Wladimir Putins aus gemeinsamen Agententagen in der DDR, vorsteht. Laut einem FT-Bericht sollen nun aber 25 Prozent der Aeroflot-Aktien an einen weiteren Putin-Intimus gehen: Arkadi Rotenberg.

Laut FT soll der Verkauf bereits von Putin abgesegnet worden sein. Aeroflot kostet derzeit an der Börse rund 9,7 Milliarden Dollar. Rotenberg hat den Bericht dementiert: „Wir planen nicht, irgendwelche Anteile von Aeroflot zu kaufen“, sagte ein Sprecher des Milliardärs.

Auch Alexander Ponomarenko, Geschäftspartner Rotenbergs, wies die Spekulationen zurück. TPS Avia habe kein Interesse an einem Aeroflot-Paket, sagte er. Bei Aeroflot selbst wies man auf Schwierigkeiten einer möglichen Privatisierung der Airline hin: Aeroflot unterstütze die russischen Flugzeugbauer mit Großaufträgen und erhalte zudem die Tantiemen aus den Überflugrechten ausländischer Fluggesellschaften über Sibirien – pro Jahr immerhin 300 Millionen Euro. In privater Hand sei dies deutlich schwieriger zu rechtfertigen, heißt es im Vorstandskreis.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Es wäre freilich nicht das erste Mal, das Rotenberg mit der Wahrnehmung staatlicher Projekte beauftragt würde. Der 64-jährige langjährige Judo-Partner von Putin hat bereits bei der Vorbereitung der Olympischen Winterspiele in Sotschi eifrig mitgewirkt. Daneben gelten Arkadi und sein Bruder Boris als Prototypen für Milliardäre der Putin-Ära. In den 90er-Jahren noch relativ unbekannte und unbedeutende Geschäftsleute ging ihre Karriere nach dem Machtwechsel im Kreml steil nach oben. Bauunternehmen, Banken, Stahlrohrproduzenten, Energieversorger und Düngemittelhersteller zählen zum Firmenimperium.

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