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21.11.2013

14:51 Uhr

Milliardär steigt bei Karstadt ein

Bereitet Berggruen seinen Rückzug vor?

Ein israelischer Diamantenhändler will einem Bericht zufolge bei den Karstadt-Luxushäusern und den Sportfilialen einsteigen. Karstadt-Haupteigner Berggruen könnte sich komplett verabschieden – für einen einzigen Euro.

Nicolas Berggruen: Trennt sich der einst als Karstadt-Retter gefeierte Milliardär von seinem verbliebenen Anteil? Reuters

Nicolas Berggruen: Trennt sich der einst als Karstadt-Retter gefeierte Milliardär von seinem verbliebenen Anteil?

DüsseldorfDer einst als Karstadt-Retter gefeierte Milliardär Nicolas Berggruen könnte sich auch von seinem verbliebenen Anteil an den Karstadt-Warenhäusern weitgehend trennen. Berggruen habe dem österreichischen Immobilieninvestor Rene Benko und dem Diamantenhändler Beny Steinmetz die Option eingeräumt, für einen Euro 75,1 Prozent der kriselnden Karstadt-Stammgesellschaft zu übernehmen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Donnerstag.

Auch das „Manager Magazin“ berichtete über die Option. Die Stammgesellschaft betreibt die bei Berggruen verbliebenen 83 klassischen Karstadt-Warenhäuser. Eine Sprecherin Berggruens wollte sich nicht äußern,. Steinmetz' Immobilien-Gesellschaft in London war nicht erreichbar.

Berggruen hatte bereits die Mehrheit an zwei Filetstücken des Warenhausriesen an Benko verkauft. Dieser kontrolliert nun das operative Geschäft der Luxus-Warenhäuser, zu denen das KaDeWe in Berlin gehört. Auch die Mehrheit an Karstadt-Sport hat sich der österreichische Investor mit seiner Signa Holding gesichert. Die übrigen Warenhäuser hatte Berggruen behalten.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Benko hat bei den Luxuskaufhäusern mit Steinmetz dem „Manager Magazin“ zufolge nun einen neuen Partner mit ins Boot genommen. Steinmetz werde auch Mitbetreiber der Sportsparte mit 28 Filialen. Er übernehme jeweils 37,55 Prozent an der Premium- und der Sportfirma, berichtete das Magazin unter Berufung auf eine Aufsichtsratsvorlage von Benkos Gesellschaft Signa. Im Gegenzug werde Berggruen von Signa und Steinmetz entschädigt, berichtete das Blatt weiter. Der Milliardär werde an einer Gesellschaft beteiligt, der 18 Warenhaus-Immobilien gehörten. Auch eine Beteiligung an den Immobilien von Karstadt-Luxuskaufhäusern stehe im Raum.

Benkos Signa-Gruppe widersprach der Berichterstattung des „Manager Magazins“ zum Teil und teilte mit, dass Steinmetz' Unternehmen BSG Resources seit fast einem Jahr zu den Investoren bei Signa gehöre. „Es ist also nicht richtig, dass ,nun' Anteile ,weitergereicht' oder verkauft würden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Der österreichische Investor Benko ist im deutschen Einzelhandel kein Unbekannter: Er besitzt bereits zahlreiche Karstadt-Immobilien. Zudem hatte er in der Vergangenheit versucht, die Metro-Tochter Kaufhof zu übernehmen. Berggruen hatte Karstadt aus der Insolvenz heraus übernommen. Danach hatte er immer wieder Verkaufspläne entschieden bestritten – auch für die Luxus- und Sporthäuser. Und wer ist Beny Steinmetz?

Kommentare (6)

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CarloCamorro

21.11.2013, 15:36 Uhr

Alles seriöse Geschäftsleute also, wie man dem Artikel entnehmen kann. War ja auch nicht anders zu erwarten angesichts der beteiligten Personen, die ihr Geld auf ehrliche Weise hart erarbeitet haben.

Wahrsager

21.11.2013, 15:40 Uhr

Zeit für Verdi, nun einzusteigen und alles besser zu machen.

Freigeist

21.11.2013, 17:10 Uhr

Na ja, den 1 € ist das was man zeigt und über das man berichtet, die wesentlichen contributions laufen vermutlich unter dem Tisch. Wetten? Diese Deals schmecken mir nicht.

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