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15.07.2014

18:44 Uhr

Millionen-Bußgelder

Alles hat ein Ende – auch das Wurstkartell

Böklunder, Meica, Rügenwalder oder Wiesenhof: Mehr als 20 Wursthersteller haben über Jahre Preise miteinander abgestimmt. Nun greift das Kartellamt mit Bußgeldern durch. Doch nicht alle wollen das auf sich sitzen lassen.

Schweinehälften in einem Kühlhaus: Das Bundeskartellamt verhängt Millionen-Bußgelder gegen mehr als 20 Fleischproduzenten. dpa

Schweinehälften in einem Kühlhaus: Das Bundeskartellamt verhängt Millionen-Bußgelder gegen mehr als 20 Fleischproduzenten.

BonnHaben Millionen Verbraucher in Deutschland jahrelang zu viel Geld für Wurst und Schinken bezahlt? Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte das Bundeskartellamt am Dienstag Geldbußen von mehr als 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und zahlreiche Führungskräfte der Branche.

Betroffen sind auch bekannte Marken wie Böklunder (Tönnies-Gruppe), Herta, Meica, Rügenwalder und Wiesenhof, wie die Wettbewerbsbehörde am Dienstag in Bonn mitteilte. Die Hersteller hätten sich jahrelang über Preisspannen für Produktgruppen wie Brühwurst oder Schinken abgestimmt und beim Handel so höhere Preise durchgesetzt, erklärte die Wettbewerbsbehörde.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte: „Die Preisabsprachen wurden über viele Jahre praktiziert.“ Das Gesamtbußgeld erscheine zwar hoch, relativiere sich aber vor dem Hintergrund der großen Zahl der beteiligten Unternehmen, der Kartelldauer und der Milliardenumsätze der Branche. Angaben zur Höhe der einzelnen Bußgelder machte die Behörde nicht. Die Bandbreite reiche von wenigen Hunderttausend Euro bis hin zu hohen Millionenbeträgen, hieß es lediglich.

Die größten Fleischfabrikanten Deutschlands

Platz 10 – Brandenburg

Umsatz 2012: 660 Millionen Euro
Umsatz 2011: 608 Millionen Euro

Platz 9 – Sprehe-Gruppe

Umsatz 2012: 750 Millionen Euro
Umsatz 2011: 730 Millionen Euro

Platz 8 – Rothkötter-Gruppe

Umsatz 2012: 817,7 Millionen Euro
Umsatz 2011: 800 Millionen Euro

Platz 7 – Zur Mühlen-Gruppe

Umsatz 2012: 825 Millionen Euro
Umsatz 2011: 825 Millionen Euro

Platz 6 – Müller-Gruppe

Umsatz 2012: 852 Millionen Euro
Umsatz 2011: 852 Millionen Euro

Platz 5 – Heristo

Umsatz 2012: keine Daten
Umsatz 2011: 1,5 Milliarden Euro (Schätzung)

Platz 4 – PHW

Umsatz 2012: 2,34 Milliarden Euro
Umsatz 2011: 2,23 Milliarden Euro

Platz 3 – Westfleisch

Umsatz 2012: 2,48 Milliarden Euro
Umsatz 2011: 2,21 Milliarden Euro

Platz 2 – Vion

Umsatz 2012: keine Daten
Umsatz 2011: 3,89 Milliarden Euro

Platz 1 – Tönnies

Umsatz 2012: 5 Milliarden Euro
Umsatz 2011: 4,6 Milliarden Euro

Quelle: AFZ, Lebensmittelzeitung

Im Laufe des Verfahrens hätten insgesamt elf Unternehmen mit der Behörde kooperiert und schließlich Geständnisse abgelegt, berichtete das Kartellamt. Auf die Spur des Kartells waren die Wettbewerbshüter durch einen anonymen Hinweis gekommen.

Deutschlands größter Wursthersteller, die Zur-Mühlen-Gruppe, bestritt allerdings bereits die Vorwürfe und kündigte an, sich gegen ein Bußgeld wehren und Rechtsmittel einlegen zu wollen. Zur Zur-Mühlen-Gruppe gehören auch die Marken Böklunder und Könecke. Der Wursthersteller Bell und der Lebensmittelkonzern Nestlé kündigten ebenfalls Widerstand an.

Auch die betroffene Privatfleischerei Reinert will gegen den Bescheid klagen. „Wir waren an keinen Absprachen mit Konkurrenten beteiligt, die das Ziel verfolgten, illegal Preise zu manipulieren“, erklärt Firmenchef Hans-Ewald Reinert in einer Pressemitteilung. Gegenwärtig herrsche „tiefe Verunsicherung“ in der Branche darüber, welches Verhalten noch erlaubt sei und welches nicht. Man sei schneller mit dem „Vorwurf der Kartellbildung“ konfrontiert, als man denke, so Reinert. Deshalb brauche man als Mittelständler Rechtssicherheit.

Kommentare (9)

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Herr Chris B.

15.07.2014, 11:26 Uhr

Mich persönlich würde es freuen, wenn sich das Bundeskartellamt mal mit den Spritpreisen beschäftigen würde...

Herr Ben Hu

15.07.2014, 11:39 Uhr

Geht ja nicht, dann müsste man gegen sich selbst vorgehen, wenn man bedenkt, welcher Anteil erstmal an den Bund abgeführt werden muss.

Ob die Peanuts, die am Ende übrig bleiben, wirklich abgesprochen sind...

Sergio Puntila

15.07.2014, 12:10 Uhr

Auch Marktordnungen befinden sich in stetem Wandel, da beisst die Maus keinen Faden ab.
Was früher noch geordneter Markt genannt wurde kann heute unversehends zum Kartell geraten.
Und was da alles sonst noch ins Rutschen kommen wird - siehe TTIP - wird noch viel Freude bereiten vmtl.
Sage da keiner Kuhandel beim Pferdefuss-Abverkauf.

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