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19.12.2014

15:27 Uhr

Mindestlohn

Taxifahren wird 2015 teurer

Im neuen Jahr kommt der Mindestlohn, auch im Taxigewerbe. Für die Branche bedeutet das einen großen Umbruch, Preiserhöhungen gelten als sicher. Wer am Ende als Gewinner dasteht, ist noch nicht klar.

Ein Taxi in Deutschland: Die Fahrer bekommen künftig mehr Geld für ihre Arbeit. Reuters

Ein Taxi in Deutschland: Die Fahrer bekommen künftig mehr Geld für ihre Arbeit.

FrankfurtFür viele Kunden wird Taxifahren im kommenden Jahr teurer. Grund ist der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde, den bislang kaum ein angestellter Fahrer in den fast 54 000 in Deutschland zugelassenen Taxen erhält.

Die kommunalen Zulassungsbehörden, die für die Festlegung des Fahrpreises zuständig sind, wollen den höheren Löhnen offenbar nicht im Wege stehen: In gut zwei Dritteln der 802 Tarifgebiete werde es spätestens im ersten Quartal 2015 Anpassungen bei den Taxipreisen zwischen 20 und 25 Prozent geben, berichtet der Präsident des Branchenverbandes BZP, Michael Müller.

Doch das allein wird möglicherweise nicht reichen, um den Mindestlohn von jetzt eher 6,50 Euro auf 8,50 anheben zu können. Zumal niemand weiß, wie viele Kunden angesichts der kräftigen Preiserhöhungen künftig auf die ein oder andere Fahrt verzichten werden. „Taxis werden genutzt, wenn Mobilitätslücken geschlossen werden müssen. Und es gibt eine hohe Akzeptanz für die Mindestlöhne. Daraus ziehe ich eine gewisse Hoffnung, dass es nicht zu dramatischen Einbrüchen kommen wird“, meint Müller.

Zahlen zum Taxigewerbe in Deutschland

Fahrgäste

423 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2013 in Deutschland von einem Taxi oder Mietwagen fahren lassen. Rund 2845 Millionen Personenkilometer kamen so zustande, keine Steigerung mehr im Vergleich zu den Vorjahren.

Anbieter

53.554 Taxis teilten sich im Jahr 2012 mit fast 36.000 Mietwagen einen Umsatz von 4,22 Milliarden Euro. Vier Jahre zuvor waren es erst 49.992 Taxis und 29.898 Mietdroschken. Nur 14,6 Prozent der Taxibetriebe hatten mehr als zwei Wagen.

Hier fahren die meisten Taxis

Deutsche Taxihauptstadt ist Berlin mit fast 9000 Taxen und Mietwagen. Die Messestadt Frankfurt hat allerdings die höchste Taxidichte, auf ein Taxi kommen hier nur 404 Einwohner. In Dresden müssen 1082 Menschen die Dienstleistung eines Taxis teilen.

Nur soviel ist sicher: Der gesetzliche Mindestlohn zwingt das deutsche Taxigewerbe zu gewaltigen Umstrukturierungen. Wer letztlich zu den Gewinnern dieses Umbruchs zählen, ist noch nicht ausgemacht. „Die Branche hat schon heute einen ziemlich großen Bereich der Grauwirtschaft“, sagt der Hamburger Sachverständige Thomas Krause, der schon zahlreiche Gutachten zum Taxigewerbe geschrieben hat. „Über Stundenlöhne und Arbeitsbedingungen macht sich da keiner einen Kopf. Die Fahrer haben auch nie nach einem Mindestlohn verlangt.“

Doch der gilt ab dem 1. Januar flächendeckend, wie die zuständige Gewerkschaft Verdi noch einmal feststellt. Sie bedauert das Scheitern eines Tarifvertrags für die Fahrer, mit dem der jetzt abrupte Lohnanstieg noch über zwei Jahre hätte gestreckt werden können. Knackpunkt bei Verhandlungen mit dem BZP war die von der Gewerkschaft verlangte lückenlose Dokumentation der tatsächlichen Arbeitszeit. Dies sei technisch nicht machbar, verteidigten sich die Taxi-Unternehmen, so dass man im September ohne Ergebnis auseinanderging.

Kommentare (4)

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Herr Markus Bullowski

19.12.2014, 15:35 Uhr

Wenn einfache Dienstleistungen teurer werden, versuche ich diese zu vermeiden, so einfach ist das.

Also: kein Taxi mehr, und Frisör nur noch halb so oft. Das ist meine persönliche Art des Protests gegen diese Politik, wer seinen Arbeitsplatz verliert, soll sich an die SPD wenden.

Herr Helmut Metz

19.12.2014, 16:55 Uhr

Staatsinterventionismus der volldepperten Art halt.
Der Markt wird selbstverständlich so reagieren, wie Sie es beschrieben haben: diese Dienstleistungen werden ganz einfach WENIGER NACHGEFREAGT werden, und eher früher als später wird die Arbeitslosigkeit in diesen Branchen steigen.
Arbeitsplätze entstehen bei solchem Staatsinterventionismus wie immer nur bei der Staatskrake selber, etwa, dass dann der Fiskus mehr Leute benötigt, da der Schwarzmarkt ansteigen wird.
Die ultimative Forderung der sozialistischen Staatsinterventionisten wird dann natürlich die nach einer neuen Mauer sein, damit Dienstleistungen auch im Ausland nicht billiger eingekauft werden können: so war ich vor einigen Jahren in Ungarn bei einem Zahnarzt in Behandlung - selbstverständlich deutschsprechend und beste Hygienestandards - und habe für den Zahnersatz weniger als die Hälfte als hier in Deutschland bezahlt.
Und da das ein Einkauf von Dienstleistungen und nicht von Waren ist (die mit Zollabgaben belegt werden können), bleibt für "echte" Sozialisten in solchen Fällen halt nur die Mauer...

Herr Horst Meiller

19.12.2014, 18:18 Uhr

"Anpassungen bei den Taxipreisen zwischen 20 und 25 Prozent"
Wenn dafür die meisten Fahrer auch 20 oder 25% freundlicher würden..., dann mag es ja ok sein.
Manchmal ist man eben auf ein Taxi zwingend angewiesen, und bei JEDEM Einsteigen ahne ich schon, wie das wieder abläuft und das kotzt mich schon länger an!!

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