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11.12.2014

12:59 Uhr

Mitfahr-Dienst

BlaBlaCar setzt auf Schwellenländer

Während Uber sich eine Schlacht mit Taxi-Gewerbe und Behörden liefert, hat der Mitfahr-Dienst BlaBlaCar mit seinem Geschäftsmodell keine Probleme. Die Firma will mit Wachstumsmärkten zum weltweiten Branchenführer werden.

Ein Zehntel der über zehn Millionen Nutzer von BlaBlaCar kommt aus Russland. dpa

Ein Zehntel der über zehn Millionen Nutzer von BlaBlaCar kommt aus Russland.

ParisDer in Europa führende Mitfahr-Dienst BlaBlaCar will verstärkt in Ländern wie Russland und Brasilien expandieren. „Ich denke, dass wir in zwei Jahren 80 Prozent unserer Nutzer außerhalb Europas haben werden“, sagte Mitgründer Nicolas Brusson der dpa am Rande der Internet-Konferenz „LeWeb“ in Paris. Auslöser für den neuen Fokus sei der Erfolg in Russland gewesen. „Das Geschäft dort wuchs schneller als in jedem anderen Land.“

Inzwischen stellt Russland rund ein Zehntel der über zehn Millionen Nutzer von BlaBlaCar. Das sei ein „Weckruf“ gewesen, sagte Brusson, der für das operative Geschäft zuständig ist. „Wir stellten fest, dass in Märkten wie Russland, Türkei oder Südamerika der Bedarf an Diensten wie unserem viel höher ist als in Westeuropa.“ Unter anderem sei dort die Verkehrs-Infrastruktur weniger entwickelt.

Das schaffe eine andere Ausgangsposition für das Geschäft, sagte Brusson. „In Deutschland ist man mit einem Mitfahr-Angebot im Auto vielleicht länger unterwegs als mit der Bahn, aber meist günstiger. In der Türkei ist man nicht nur schneller als der Reisebus, sondern fährt auch billiger. Und die Spritpreise sind dort so hoch, dass die Fahrer einen starken Anreiz haben, jemanden mitzunehmen.“ Nach dem Start in Russland und der Türkei in diesem Jahr hat BlaBlaCar jetzt Länder wie Indien und Brasilien ins Visier genommen.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

BlaBlaCar funktioniert wie eine Mitfahrzentrale, die Vergütung der Fahrer ist auf die Betriebskosten beschränkt. Der Richtwert liegt bei etwa fünf Euro pro 100 Kilometer, BlaBlaCar streicht eine Gebühr ein. Das französische Unternehmen sieht sich seit kurzem auch als Marktführer in Deutschland, obwohl dort die Konkurrenz durch lokale Anbieter wie Mitfahrgelegenheit oder Mitfahrzentrale viel stärker als in anderen europäischen Ländern sei. Deswegen stecke die Firma hierzulande auch mehr Geld als anderswo in Suchmaschinenwerbung bei Google.

„Wir wollen der führende Anbieter von Mitfahr-Gelegenheiten in der Welt werden“, sagte Brusson. Pläne für einen Markteintritt in den USA gebe es aktuell aber nicht. Das liege zum einen an den immer noch vergleichsweise niedrigen Spritpreisen. Zum anderen sei die Verkehrsinfrastruktur in Amerika sehr stark auf das Auto ausgerichtet. „Also selbst wenn wir jemanden grundsätzlich von einer Stadt zur anderen bringen können, wäre der restliche Weg eine Herausforderung für ihn.“

Von

dpa

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