Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2017

12:44 Uhr

Mode, Bäcker, Metzger

Den kleinen Läden droht das Aussterben

Kleine Händler sind für das Stadtbild eigentlich unverzichtbar. Doch in den nächsten Jahren könnte etwa jeder zehnte Laden für immer seine Tore schließen. Das Problem: Sie profitieren nicht von der positiven Konsumstimmung,

Vor allem viele kleinere Händler blicken zunehmend pessimistisch in die Zukunft. dpa

Geschlossener Laden

Vor allem viele kleinere Händler blicken zunehmend pessimistisch in die Zukunft.

DüsseldorfDie winzige Boutique in der Vorstadt, der vertraute Schuhladen im eigenen Viertel oder der Metzger nebenan: Die kleinen Einzelhändler in Deutschland geraten immer mehr unter Druck. „Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten fünf Jahren möglicherweise gut 50.000 Läden verlieren. Das wären gut zehn Prozent des Netzes“, warnte am Donnerstag der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth.

Dabei geht es dem Einzelhandel in Deutschland eigentlich gut. Dank der guten Konsumstimmung rechnet die Branche in diesem Jahr mit Umsatzzuwächsen von zwei Prozent. Insgesamt dürften die Bundesbürger rund 493 Milliarden Euro beim Shoppen ausgeben.

Meister-Betriebe: Bäckern und Metzgern geht die Arbeit aus

Meister-Betriebe

Bäckern und Metzgern geht die Arbeit aus

Den Fleischermeister suchen viele nur noch für den Festbraten auf. Auch die Zahl der Bäckereibetriebe sinkt seit Jahren. Die wachsende Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter macht ihnen zu schaffen – aber nicht nur.

Doch profitieren davon eben nicht alle gleichermaßen. Im Gegenteil: Eine Schere tut sich auf. Vor allem viele kleinere Händler blicken zunehmend pessimistisch in die Zukunft, wie eine aktuelle Branchenumfrage des HDE ergab. Fast ein Drittel (32 Prozent) der Händler mit weniger als fünf Beschäftigten beurteilte seine aktuelle Geschäftslage als schlecht, nur jeder siebte als gut. Mehr als ein Drittel von ihnen rechnet in diesem Jahr mit Umsatzrückgängen.

Auf der Gewinnerseite stehen dagegen der Online-Handel und große Geschäfte. Rund die Hälfte des Umsatzzuwachses dürfte laut HDE allein auf den Online-Handel entfallen. Doch gerade in diesem Bereich können viele kleinere Händler nicht mithalten.

Das deutsche Handwerk

Eine Million Betriebe

Rund eine Million Handwerksbetriebe gab es laut Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks 2015, etwa 5,36 Millionen Menschen arbeiten deutschlandweit im Handwerk. Insgesamt machten die Betriebe rund 544 Milliarden Euro Umsatz. Insgesamt zählen mehr als 130 Berufe zum Handwerk. In der Statistik werden sieben Gruppen gelistet.

Ausbaugewerbe

Dazu zählen beispielsweise Klempner oder Maler, also alle Betriebe, die mit dem Ausbau von Gebäuden beschäftigt sind. Sie machten die größte Gruppe im Handwerk aus. 39 Prozent aller Betriebe im Handwerk zählen zum Ausbaugewerbe.

Persönliche Dienstleistungen

Friseure, Schneider, Schuh- und Uhrmacher, aber auch Fotografen zählen zu den Dienstleistern im Handwerk. Mit 23,1 Prozent Anteil an den Handwerksbetrieben ist diese Gruppe die zweitgrößte.

Gewerbe für den gewerblichen Bedarf

Dazu zählen beispielsweise Drucker, Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauer oder Modellbauer zählen in diese Gruppe, die mit 12,7 Prozent die drittgrößte der Handwerksgruppen ist.

Bauhauptgewerbe

Mit 11,9 Prozent gehören Betriebe des Bauhauptgewerbes (Dachdecker, Zimmerer, Gerüstbauer) zur viertgrößten Gruppe unter den Handwerksbetrieben.

Kraftfahrzeuggewerbe

7,2 Prozent der Betriebe zählen zum Kraftfahrzeuggewerbe – und landen damit von der Größe auf Platz fünf. Sie zählen schon zu den kleineren Gruppen unter den Handwerksbetrieben. Darunter fallen etwa Autowerkstätten.

Nahrungsmittelgewerbe

Fleischer, Bäcker, Konditoren, Brauer, Speiseeishersteller und Müller gehören zum Nahrungsmittelhandwerk. 3,5 Prozent aller Handwerksbetriebe zählen dazu.

Gesundheitshandwerk

Dazu zählen Augenoptiker, Hörakustiker, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker und Zahntechniker. Die Firmen zählen überwiegend zu kleinen und mittleren Unternehmen. Deutschlandweit gibt es etwa 26.000 Betriebe der Gesundheitshandwerke. Sie sind die die kleinste Gruppe unter den Handwerksgruppen.

Besonders unter Druck steht der Textilhandel. Fast jeder dritte befragte Händler bewertet die aktuelle Geschäftslage als schlecht. Boutiquen und Modehäuser leiden hier nicht nur unter der Konkurrenz von Online-Händlern wie Zalando, auch der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark hinterlässt Spuren. Und Probleme wie falsche Einkaufspolitik und Rabattschlachten verschärfen die Situation der Branche zusätzlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×