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02.12.2016

17:29 Uhr

Modebranche

Strauss Innovation gibt auf

VonGeorg Weishaupt

Kleidung, Rotwein und Partygeschenke - mit dieser bunten Mischung hat die Warenhauskette Strauss Innovation ihre Kunden offenbar nicht mehr erreicht. Spätestens Ende Februar gehen in den letzten Filialen die Lichter aus.

Das Unternehmen macht nach mehreren Insolvenzverfahren endgültig zu. Es fand sich kein Investor, um die Kette für Textilien, Dekoartikel und ausgewählte Lebensmittel zu retten. dpa

Filiale von Strauss Innovation

Das Unternehmen macht nach mehreren Insolvenzverfahren endgültig zu. Es fand sich kein Investor, um die Kette für Textilien, Dekoartikel und ausgewählte Lebensmittel zu retten.

DüsseldorfDie Aussage ist klar und erschütternd: „Trotz intensiver Bemühungen konnte bisher kein Investor gefunden werden, der das Unternehmen und die Belegschaft übernimmt“, heißt es in einer Mitteilung der Kanzlei AndresPartner aus Langenfeld bei Düsseldorf. Der Insolvenzverwalter Dirk Andres werde den Geschäftsbetrieb „stufenweise einstellen und mit dem Abverkauf beginnen“. Betroffen sind 670 Mitarbeiter in 57 Filialen der Ladenkette für Mode, Bettwäsche und Dekoartikel. Die Kanzlei kündigte an, dass in der kommenden Woche Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan beginnen sollen.

Der aktuelle Insolvenzantrag ist bereits der dritte seit 2014. Im Oktober 2015 war die Deutsche Mittelstandsholding GmbH (DMH) aus Frankfurt als Investor eingestiegen, die seitdem große Teile des Handelsunternehmens fortführt. Das Unternehmen, das einst wegen seines innovativen Geschäftskonzeptes gelobt wurde und bei den Kunden beliebt war, konnte nicht mehr an die Erfolgsjahre anknüpfen. Das Unternehmen gründeten vor mehr als 114 Jahren in Düsseldorf die Eheleute Maria und Heinrich Strauss als Geschäft für „Kurz-, Weiß- und Wollwaren“. Es gab alles, was es brauchte, um Strümpfe zu stopfen und Pullover und Hosen auszubessern. Mit dem Verkauf des Mittelständlers 1989 an den langjährigen Mitarbeiter Peter Geringhoff begann die große bundesweite Expansion und der Ausbau der Produktbereiche von Strauss Innovation.

Welche Rechte haben die Kunden noch?

Wenn der Betrieb komplett eingestellt wird

Kommt es infolge der Insolvenz zur vollständigen Geschäftsaufgabe, können Sie ihre Ansprüche weiter beim Insolvenzverwalter geltend machen. Da der Händler seinen Betrieb eingestellt hat, wird eine Reparatur oder ein Austausch über ihn nicht mehr erfolgen. Sie könnten die mangelhafte Ware also auf Ihre Kosten reparieren lassen und diese Kosten im Wege des Schadensersatzes vom Insolvenzverwalter verlangen. Allerdings sind Ihre Erfolgsaussichten, Reparaturkosten erstattet zu bekommen, wegen der Vielzahl der Forderungen gering. Im Fall der Insolvenz wird es daher schwierig werden, Ansprüche auf Gewährleistung durchzusetzen.

(Quelle: Verbraucherzentrale NRW)

Was passiert mit angezahlter Ware?

Im schlimmsten Fall gehen Ihre Anzahlungen oder Vorauszahlungen in die Insolvenzmasse über. Der Insolvenzverwalter kann entscheiden, ob solche teilweise bereits erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Winkt er ab, bleibt Ihnen noch der Versuch, aus der Insolvenzmasse befriedigt zu werden. Allerdings zeigen alle Erfahrungen, dass die Kunden nur einen sehr bescheidenen Anteil erwarten können.

Was passiert beim Ratenkauf?

Die Raten für gelieferte Ware müssen Sie auf jeden Fall weiter bezahlen. Nennt der Insolvenzverwalter eine neue Bankverbindung, sind Sie verpflichtet, die Rate auf dieses Konto zu überweisen. Achtung: Es ist ratsam, die Echtheit der Angaben zu überprüfen, etwa durch telefonische Nachfrage, um nicht auf eventuelle Trittbrettfahrer reinzufallen. Werden trotz regelmäßiger Zahlungen angeblich offene Forderungen geltend gemacht, empfiehlt es sich, dem Inkassobüro die Vereinbarung über die Ratenzahlung sowie die Nachweise der gezahlten Raten vorzulegen. Die Vereinbarungen zur Ratenzahlung mit Verweis auf die Insolvenz zu kündigen, ist unzulässig. Hingegen ist grundsätzlich eine ordentliche Kündigung der Vereinbarung möglich, soweit dies vorgesehen ist. Ein außerordentlicher Kündigungsgrund besteht jedoch nicht, ebenfalls keine Anfechtungsmöglichkeit im Rahmen des Insolvenzrechts.

Bestellte Ware

Haben Sie auf Rechnung gekauft, gilt stets: Erhaltene Ware muss bezahlt werden. Auf Vorkasse sollten Sie sich bei einem insolventen Unternehmen auf keinen Fall einlassen, da Sie das Risiko tragen, dass Ihre Zahlung bei ausbleibender Lieferung in die Insolvenzmasse fällt.

Was ist mit Gutscheinen?

Problematisch wird die Einlösung von Gutscheinen ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dann können Sie Ihre Forderungen aus dem Gutschein nur noch beim Insolvenzverwalter anmelden. Soweit dann noch Geld vorhanden sein sollte, erhalten Verbraucher eine entsprechende Quote ausgezahlt. Meist gehen derartige Forderungen aber wegen der geringen Insolvenzmasse ins Leere.

Ebenso könnte auch jetzt schon der vorläufige Insolvenzverwalter die Nichteinlösung von Gutscheinen anordnen, da es sich um Verbindlichkeiten des Unternehmens handelt und er die Insolvenzmasse zusammenhalten muss.

Die Verbraucherzentrale rät den Besitzern von Gutscheinen, sich nochmals in die nächstgelegene Filiale zu begeben, um den Gutschein einzulösen. Falls dies nicht möglich ist, steht es Ihnen offen, sich an den vorläufigen Insolvenzverwalter zu wenden. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt nicht zuletzt von der Höhe des Gutscheinbetrags ab.

Was passiert mit Kundendaten?

Bislang ist völlig unklar, was mit Kundendaten geschieht. Die Verbraucherzentrale hält einen Verkauf an Dritte nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt. Ihrer Auffassung nach muss der Insolvenzverwalter dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden. Das Ende eines Unternehmens darf nicht zu einem Datenschlussverkauf führen.

Fehlerhafte Ware

Die gesetzliche Pflicht zur Gewährleistung hat der Händler; das bedeutet: Er muss im Fall der Gewährleistung die Ware kostenlos reparieren oder austauschen. Für die Beurteilung im Falle der Insolvenz kommt es darauf an, ob der Anspruch vor oder nach Eröffnung der Insolvenz entsteht: Alle Gläubiger mit Ansprüchen aus der Zeit vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens müssen ihre Forderungen nur zur Insolvenztabelle anmelden.

Ob in diesem Fall Ansprüche auf Gewährleistung erfüllt werden, hängt vom Insolvenzverwalter ab. Denn er kann entscheiden, diese Ansprüche trotzdem zu erfüllen, zum Beispiel um den zufriedenen Kunden an den Betrieb zu binden. Bei Ansprüchen, die erst nach dem schon eröffneten Verfahren entstanden sind, kann der Insolvenzverwalter wählen, ob er den Anspruch auf Reparatur oder Ersatzlieferung erfüllt oder nicht.

Reparaturkosten

Haben Sie die Ware noch nicht vollständig bezahlt, bietet es sich an, die Reparaturkosten mit den noch ausstehenden Zahlungen zu verrechnen. Dies sollten Sie mit dem Insolvenzverwalter abstimmen. Ausstehende Raten sollten Sie bis zu einer Einigung in Höhe der Reparaturkosten zurückbehalten.

Von der Insolvenz unberührt bleiben jedoch die Ansprüche, die sich aus den freiwilligen Garantien der Hersteller ergeben. Hat der Produzent eine Garantie gegeben, können Sie mangelhafte Ware im Rahmen der Garantie direkt dort beanstanden.

Ihm gelang es, den alten Kern von Haushaltstextilien beizubehalten, das Sortiment aber um ausgesuchte Lebensmittel, Dekoartikel und Damen- und Herrenkleidung zu erweitern. Vor allem verstand er es, mit Sonderaktionen wie stark reduzierter Ware von Topmodefirmen wie René Lezard kaufkräftige Kunden in die Läden zu locken. Doch im Laufe der Jahre ging das Gespür für Trends verloren. Außerdem machte immer neue Konkurrenz dem Mittelständler das Leben schwer. Dazu gehörten Einrichtungsketten wie Butlers und Depot, aber auch diverse Discount-Textilketten. Zugleich drängte ihn die steigende Zahl von Mode-Outlets mit aggressiven Rabattaktionen in die Defensive.

Die Produkte von Strauss Innovation wurden immer austauschbarer, so austauschbar, dass es Insolvenzverwalter Dirk Andres nicht gelang, die dringend erforderlichen Investoren zu finden. Er hatte seit dem Insolvenzantrag Ende September 2016 an einer Lösung gearbeitet, um das Unternehmen fortzuführen. Er sieht nun die Chance, den Geschäftsbetrieb in den meisten der 57 Filialen zumindest noch bis Ende Februar 2017 aufrechtzuerhalten.

Er will selbst jene Läden bis dahin offenhalten, deren Mietvertrag bereits zum 31. Dezember 2016 gekündigt wurde. „Hier kommt es darauf an, ob die jeweiligen Vermieter einer Verlängerung des Geschäftsbetriebs um einige Wochen über das Jahresende hinaus zustimmen. Gespräche dazu laufen“, teilte die Kanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters Dirk Andres mit, den das Amtsgericht Düsseldorf gestern zum Insolvenzverwalter bestellt hat. Sollte der sich aber mit den Vermietern nicht einigen, werde der Geschäftsbetrieb dann doch bereits zum 31. Dezember 2016 eingestellt. Einige Läden wie die große Filiale in der Düsseldorfer Altstadt wurden bereits vor Monaten geschlossen.

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