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10.09.2016

17:41 Uhr

Modehandel in der Krise

Zerrieben zwischen H&M und Zalando

Der Siegeszug des Online-Handels und die Erfolge internationaler Ketten machen immer mehr klassischen Modehändlern zu schaffen. Kreditversicherer warnen vor einem deutlichen Anstieg des Insolvenzrisikos in der Branche.

Das mehr als 80 Jahre alte Nürnberger Familienunternehmen mit seinen 34 Modehäusern muss sich in ein Schutzschirmverfahren retten. dpa

Modekaufhaus Wöhrl

Das mehr als 80 Jahre alte Nürnberger Familienunternehmen mit seinen 34 Modehäusern muss sich in ein Schutzschirmverfahren retten.

NürnbergOnline-Händler, Textil-Discounter und internationale Modeketten wirbeln die Strukturen im deutschen Modehandel durcheinander. Das bringt immer mehr traditionsreiche Modehäuser in Schwierigkeiten. Der jüngste Fall: Das mehr als 80 Jahre alte Nürnberger Familienunternehmen Wöhrl mit seinen 34 Modehäusern muss sich in ein Schutzschirmverfahren retten. Durch eine Sanierung in Eigenregie soll eine drohende Insolvenz verhindert werden.

Sinkende Umsätze und steigende Verluste drohen dem 1933 gegründeten Familienunternehmen die Luft zum Atmen zu nehmen. Doch Wöhrl ist mit solchen Problemen nicht allein. Der Deutschland-Chef des Kreditversicherers Euler Hermes, Ron van het Hof, warnte erst kürzlich, das Insolvenzrisiko sei zuletzt in der deutschen Textilbranche „besonders stark“ gestiegen.

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Der Chef des Modehauses Wöhrl hatte ganz andere Lebenspläne. Dann wurde er doch Vorstandschef des Familienunternehmens. Jetzt muss er um dessen Zukunft bangen. Denn die Textilkette hat das Schutzschirmverfahren beantragt.

Es sind stürmische Zeiten für den deutschen Modehandel. Das Branchen-Fachblatt „Textilwirtschaft“ fand in seiner jüngsten Ausgabe drastische Worte für die Stimmung unter den Händlern: „Der Markt brennt.“ Die Zahl der selbstständigen Textilhändler hat sich seit der Jahrtausendwende fast halbiert, schätzt der Bundesverband des deutschen Textilhandels (BTE) - von damals mehr als 35.000 auf aktuell rund 18.000 Unternehmen. Stattdessen boomen Online-Händler wie Zalando, internationale Ketten wie H&M und Textil-Discounter wie Primark oder Kik.

Im mittelständischen Modefachhandel sanken die Umsätze im ersten Halbjahr 2016 nach Angaben des Branchenverbandes BTE um durchschnittlich rund ein bis zwei Prozent. Und eine Trendwende ist eher nicht in Sicht. Denn immer mehr Verbraucher kaufen Hosen, Kleider und Mäntel im Internet.

Nach Angaben des E-Commerce-Verbandes bevh stiegen die Online-Umsätze mit Bekleidung im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf über 10 Milliarden Euro. Davon profitieren reine Internethändler wie Amazon und Zalando, aber auch Unternehmen wie H&M oder Bonprix, die auf mehreren Kanälen verkaufen. Verlierer sind vor allem kleinere Händler, die sich kein attraktives Online-Standbein leisten können. Jeder Euro, der online ausgegeben werde, mache es für sie schwieriger, die Kosten für Mieten und Personal zu erwirtschaften, sagte die Handelsexpertin Kerstin Lehmann von OC&C Strategy Consultants.

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