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13.01.2005

07:36 Uhr

Modehaus soll bis 2006 operativ Gewinne schreiben

Jil Sander kämpft um Glaubwürdigkeit

VonMarcello Berni (Handelsblatt)

Die Wogen glätten, Vertrauen schaffen, Optimismus ausstrahlen: Seit November 2004 sind das die zentralen Aufgaben von Gian Giacomo Ferraris, dem italienischen Vorstandschef des Hamburger Modehauses Jil Sander. Denn nach dem zweiten und vermutlich endgültigen Abschied der als „Queen of less“ gefeierten Firmengründerin ist die Verunsicherung groß.

Die Modeschöpferin hat das Ruder abgegeben. Foto: dpa.

Die Modeschöpferin hat das Ruder abgegeben. Foto: dpa.

MAILAND. Die Fans der Marke, aber vor allem die Händler fragen sich: Verliert das Label ohne seine Schöpferin die Identität? Wird der edle, kühle Stil verwässert? Verschärft sich die Krise, in der das Unternehmen seit der Übernahme durch den Mailänder Luxusgüterkonzern Prada im Jahr 1999 steckt? Die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ hatte im November zahlreiche Händler zitiert, die sich entsetzt über den erneuten Ausstieg von Jil Sander äußerten. Einige der Treuesten sollen sogar spontan alle Bestellungen storniert haben.

Doch Firmenchef Ferraris verbreitet im Gespräch mit dem Handelsblatt Zuversicht: Die Geschäfte seien 2004 mit einem Umsatzplus von 15 Prozent auf über 140 Mill. Euro gut gelaufen. Und auch ohne die Gründerin werde Jil Sander bis Ende 2006 operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Kurz: „Wir haben die richtigen Leute und die richtige Strategie.“

Das sind für den früheren Gucci-Manager in erster Linie jene fünf Designer, die künftig der Marke ihren Stempel aufdrücken werden. Ähnlich wie jüngst bei Gucci nach dem Abschied von Tom Ford wird auch bei Jil Sander ein Team und nicht mehr ein einzelner Superstar für die Linien verantwortlich sein. Dass die Beteiligten bislang alle mit Jil Sander zusammengearbeitet haben und größtenteils von der Meisterin ausgewählt worden sind, garantiere absolute Kontinuität, versichert Ferraris. „Wir werden nicht den Fehler wiederholen, unseren Stil zu verändern.“

Das war zwischen 2000 und 2003 geschehen. Damals pausierte die Hamburgerin nach Meinungsverschiedenheiten mit Prada-Boss Patrizio Bertelli. Als Chefdesigner amtierte Milan Vukmirovic, der nach Meinung von Branchenexperten die Faszination der Marke fast zerstörte.

Doch auch nach der Rückkehr von Sander blieben die Verluste hoch: Im ersten Halbjahr 2004 waren es 17 Mill. Euro – bei einem Umsatz von 63 Mill. Euro. 2003 musste die Mutter Prada rund 30 Mill. Euro überweisen. Die Wirtschaftsprüfer vermerkten damals im Geschäftsbericht: „Zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit ist die Jil Sander AG auf die Unterstützung durch die Prada Holding NV angewiesen.“ Das hat sich 2004 nicht geändert, bestätigt Ferraris. Aber der Mutterkonzern springt erneut ein: Prada habe bereits frische Mittel in unbekannter Höhe garantiert, sagt Ferraris.

Doch mit den Subventionen soll bald Schluss sein. Ferraris’ Sanierungsplan, durch den das Unternehmen Jil Sander bis zum kommenden Jahr auf Basis des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wieder einen Gewinn machen soll, steht auf drei Säulen: Erstens will der Manager den Absatz durch den Großhandel und die Eröffnung neuer Geschäfte – darunter zwei Shops in Japan – weiter steigern. Zweitens will er die Effizienz durch eine Vereinfachung aller Prozesse erhöhen und Kosten kappen. Drittens soll sich der Produktmix wandeln. Ferraris will vor allem den Anteil margenträchtiger Accessoires am Umsatz von derzeit 15 Prozent auf über 30 Prozent erhöhen. Dazu beitragen sollen unter anderem zwei neue Düfte, deren Markteinführung jeweils für dieses und das kommende Jahr geplant ist.

Ob die Sanierung aber wie vorgesehen ohne tiefe Schnitte etwa beim Personal gelingt, bezweifeln Kenner der Branche. Denn Ferraris muss ein Unternehmen wieder in die Gewinnzone bringen, das derzeit unter dem Strich ein Viertel seines Umsatzes verliert.

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