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20.06.2014

08:24 Uhr

Modekette American Apparel

„Es macht uns keinen Spaß“

VonAxel Postinett

Erfolgreich geworden ist American Apparel mit greller aber simpler Mode und dem Versprechen „Made in California“. Der Verwaltungsrat suspendiert den extravaganten Chef Don Charney – und will ihn auch endgültig feuern.

American-Apparel-Filiale in New York: Der extravagante Gründer der Kette wird vor die Tür gesetzt. AFP

American-Apparel-Filiale in New York: Der extravagante Gründer der Kette wird vor die Tür gesetzt.

San FranciscoLang hat es gedauert, und vielleicht ist es auch schon längst zu spät. Das Board der Modekette American Apparel will in einem letzten Aufbäumen CEO und Gründer Dov Charney feuern. Wohl niemals hat es einen umstritteneren CEO in den USA gegeben. Die Aktie, im Top bei fast 16 Dollar, kostet nur noch Cents, Verluste und Schulden türmen sich auf, die Umsätze fallen.

Das eilig einberufene Meeting des Aufsichtsgremiums mit Gründer und CEOs Dov Charney in den Räumen einer Anwaltskanzlei am Times Square in New York dauerte zehn Stunden, berichtet das Wall Street Journal. Dann kam die Meldung über die Nachrichtenagenturen. Das Board wird Ermittlungen gegen Charney eröffnen. Es geht dabei um nicht näher benannte Verfehlungen, die ihm angelastet werden.

Dov Charney bei einer Demonstration für mehr Rechte für Einwanderer (Archivbild). Reuters

Dov Charney bei einer Demonstration für mehr Rechte für Einwanderer (Archivbild).

Zunächst verliert er seinen Posten als Chairman des Boards und er sei informiert worden, dass die Absicht besteht, ihn auch als CEO zu entlassen. Die Entlassung ist nach einer vertraglich vereinbarten Wartezeit von 30 Tagen möglich, teilte das Unternehmen mit. Bis dahin ist er suspendiert.

Die Gründe für den anstehenden Rauswurf müssen gewichtig sein. Ohne Not trennt sich ein Aufsichtsgremium nicht von seinem größten Aktionär mit 27 Prozent der Anteile, der mit seiner Sperrminorität in Zukunft noch für enormen Ärger sorgen kann. Unter Umständen droht ein Krieg um seine Entlassung. „Es macht uns keinen Spaß, das zu tun“, heißt es in einer Mitteilung des Verwaltungsrat. „Aber wir sind der Meinung, dass es die richtige Entscheidung ist.“ Finanzchef John Luttrell wird Übergangschef.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Es scheint so, als ob den Gründer seine Vergangenheit eingeholt hat. Oder sie gibt zumindest die notwendigen Begründungen, um ihn aus dem Amt zu schießen. Weiblichen Angestellten seiner Modekette bot er gerne mal einen Vibrator als kleine Aufmerksamkeit an. Nett findet er es auch, wenn sie ihm im Büro eine Masturbationsszene vorspielen.

Auszüge aus Klagen von Angestellten wegen sexueller Belästigung. Fünf Verfahren liegen laut Wall Street Journal insgesamt an, zwei wurden außergerichtlich beigelegt. Die überraschende und drastische Maßnahme soll, den Informationen zufolge, auf neuen Zweifeln an seiner Glaubwürdigkeit beruhen, was seine Einlassungen zu den Fällen angeht.

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