Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2013

12:04 Uhr

Modekrieg in Italien

Designer auf den Barrikaden

VonLukas Bay

Armani, Prada und Gucci laufen Sturm gegen die Steuerpolitik der italienischen Regierung. Die Moderiesen sehen sich im internationalen Wettbewerb benachteiligt. Dabei sind einige Probleme hausgemacht.

Die italienischen Designer Domenico Dolce (rechts) und Stefano Gabbana: Sie drohen sich aus dem italienischen Heimatmarkt zurückzuziehen. dpa

Die italienischen Designer Domenico Dolce (rechts) und Stefano Gabbana: Sie drohen sich aus dem italienischen Heimatmarkt zurückzuziehen.

Mailand/DüsseldorfPrada-Chef Patrizio Bertelli ist gefürchtet für seine Ausbrüche. Doch derart offene Worte sind selbst für den Unternehmer aus der Toskana ungewöhnlich: Seinen Auftritt auf dem jährlichen Kongress der Luxusindustrie in Mailand nutzte der Prada-Chef für eine Abrechnung mit seinem Heimatland.

Mailand, einst Hochburg der italienischen Designer, sei „hässlich“ geworden. Es fehle der Anschluss an die internationale Luftfahrt, die Investitionen in den Tourismus seien ein „Desaster“ und die Besteuerung der Einkommen von jungen, motivierten Arbeitskräften bezeichnete Bertelli als „absurd“. „Die Tage an denen wir weniger gearbeitet haben als die anderen, sind vorbei“, so Bertelli. Seine Worte gleichen einem Ultimatum an die italienische Regierung.

Jahrelang galt Italien als Modezentrum Europas. „Made in Italy“ stand in der Modewelt für Kreativität, Extravaganz und Qualität. Doch die italienischen Luxuslabels fürchten um die Zukunft des Standorts. Allein im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz mit Luxusmode um 20 Prozent. Längst kaufen viele reiche Italiener Pelzmantel, Ferrari und Perlencolliers lieber in Liechtenstein oder Monaco. Darum führen Prada, Dolce&Gabbana, Gucci und Armani einen Kampf gegen die eigene Regierung. Sie fürchten, im Wettbewerb um die besten Designer und Talente ins Hintertreffen zu geraten.

Das Luxus-Schwellenland: Dior & Co. entdecken die USA neu

Das Luxus-Schwellenland

Dior & Co. entdecken die USA neu

In den USA boomt der Luxus-Markt im Moment wie noch nie.

International wächst der Druck auf Italiens Modemacher. China und der Nahe Osten drängen mit eigenen Marken auf den Weltmarkt. Zuletzt kündigte Giada, eine Marke des chinesischen Moderiesen Red Stone Haute Couture, die Eröffnung eines 600-Quadratmeter-großen Megastores auf der Via Montenapoleone an. Mitten in Mailand, mitten im Herzen der italienischen Modewelt.

In einem Interview mit der italienischen Modezeitschrift MF Fashion appellierte Gucci-Chef Patrizio di Marco an die Branche. „Wir alle müssen für 'Made in Italy' zusammenstehen. Wenn die Regierung nichts unternimmt, werden wir das in unsere eigenen Hände nehmen.”

Die Kritik wird immer lauter. Insbesondere das Modezentrum Mailand ist umstritten. „Die Mailänder Modewoche muss sich verändern“, forderte zuletzt Donatella Versace. Bei der Eröffnung eines neuen Megastores in Rom erklärte Giorgio Armani seine Heimatstadt Mailand gleich für gestorben: „Basta Milano“ (Mailand, es reicht), rief der Designer. Die Stadt sei dreckig und voller Graffiti.

Bereits einen Monat zuvor hatte sich der Modemacher geweigert, der Camera della Moda beizutreten und war danach aus dem offiziellen Kalender der Mailänder Modewoche gestrichen worden. Mittlerweile produziert Armani nur noch seine Luxuslinie Giorgio in Italien. Emporio Armani und Armani Jeans werden überwiegend in China gefertigt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.06.2013, 15:26 Uhr

Da macht der gute Mann also eine Bestandsaufnahme. Der Teil der Aussagen, in dem der EURO und die EU ALS JOBKILLER angedeutet wurden, wird natürlich nicht wieder gegeben. Soweit sind wir noch nicht. Also : Linke und AfD müssen warten, bis die Regierungsparteien selber deren Ideen übernehmen werden. So läuft es seit ein paar Jahren. Die Opposition wird bedroht und verunglimpft wenn zu viel Wahrheit gesprochen wird. Nun nimmt man sich die Zeit, deren Argumente zu adoptieren, um dann im Regierungslager die "Erkenntnisse" umzusetzen. Im Moment ist die echte Opposition in Deutschland, die auch eine Ahnung von Wirtschaft hat die Linke und die Alternative für D.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×